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Lesen im Fach, Fachsprache, Sprachsensibler Unterricht

Leseförderung im Fachunterricht? Leseförderung im Fachunterricht!

Die Bedeutung der Leseförderung für Kinder und Jugendliche zeigt sich auch darin, dass verschiedene Studien (u. a. Kelemen (2010) und darauf Bezug nehmedn Garbe (2010) für das Fach Mathematik) belegen, dass zwischen den Lesekompetenzen und dem Abschneiden im Fach eine hohe Korrelation besteht. Das Lesen im Fachunterricht unterstützt also nicht nur die Spachliche Bildung, sondern schafft damit auch eine bessere Grundlage für das Durchdringen von Fachinhalten und das Lernen im Fach. Allgemeine Lesekompetenzen müssen allerdings im Fach durch fachspezifische Lesekompetenzen (Fachsprache) ergänzt werden.

In vielen Fächern werden literarische und in allen Fächern pragmatische – kontinuierliche und diskontinuierliche – Texte gelesen. Für alle Fachgruppen und alle Schularten ist im Hinblick auf die Leseförderung Folgendes relevant:

  • selbstständiger Umgang mit einer Vielzahl an Texten (erweiterter Textbegriff) aus dem Schulbuch und in weiterem (fachspezifischen) Arbeitsmaterial
  • Informationsrecherche in Print-/digitalen Medien und Bewertung
  • Bearbeitung (materialgestützter) Aufgabenstellungen/Textaufgaben
  • Lesekompetenz als Voraussetzung für den Erwerb weiterer Kompetenzen
  • Ausbildung einer fachspezifischen Lesekompetenz: In den Kompetenzstrukturmodellen aller Fächer ist die Kommunikation fester Bestandteil

Aufforderunge zur Förderung der Sprachlichen Bildung und der Lesekompetenzen finden sich über die schulart- und fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele hinaus auch in den Fachlehplänen selbst. Die Kompetenzstrukturmodelle machen dies deutlich.

Hier geht's zu den Fachporträts mit den entsprechenden Kompetenzstrukturmodellen der verschiedenen Fachbereiche.

Was ist Fachsprache?

Spätestens mit dem Beginn der Sekundarstufe I und mit einem differenzierten Angebot an Fächern sind die Schülerinnen und Schüler mit domänenspezifischen kontinuierlichen und diskontinuierlichen Sachtexten konfrontiert.

All diesen Texten ist gemeinsam, dass sie sich auf unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen beziehen und eine historisch gewachsene Fachtradition abbilden.

Besonderheiten der unterschiedlichen Sachtexte der Fachbereiche und damit verbundene Problembereiche können neben der Wortebene denen des Satzes und des Textes zugeordnet werden. Die nachfolgende Übersicht (nach Michalak et al., 2015, S. 68, modifiziert) zeigt typische Barrieren auf, um potentielle Textschwierigkeiten bewusst zu machen.

Textkomplexität

Um die Lesekompetenz zielgerichtet zu fördern und zu trainieren, ist es wichtig, die Texte passgenau für das Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler auszuwählen. Dies bedeutet nicht, dass das Niveau abgesenkt wird - es geht stattdessen darum, die Textschwierigkeit so zu wählen, dass die Kinder und Jugendlichen entsprechend gefordert werden, nicht von zu einfachen oder zu schwierigen Texten demotiviert werden und sich auch Trainingserfolge einstellen können.

Ein hilfreiches Tool, um das sprachliche Schwierigkeitsniveau von Texten zu bestimmen, ist das Regensburger Analysetool für Texte (RATTE), das hier kostenfrei heruntergeladen oder auch direkt online genutzt werden kann.

Um das Textverstehen zu trainieren, ist es sinnvoll und oft sogar erforderlich, Texte in ihrer Komplexität dem Leistungsstand der Lernenden anzupassen und die Texte ggf. auch zu vereinfachen. Zu geeigneten Vereinfachung gehören beispielsweise unterstützende Grafiken, Worterklärungen oder auch Gliederungssignale wie z. B. Absätze oder Zwischenüberschriften.

Andererseits gilt es, Schülerinnen und Schülern Strategien zu vermitteln, mit denen sie selbst komplexe Texte vereinfachen können:

  • Wie löse ich Nominalisierungen, komplexe Attribute oder Partizipialkonstuktionen auf?
  • Wie gehe ich mit Hypotaxen um und teile sie in kleinere, selbständige Sätze, die dann leichter verständlich sind?
  • Wie überführe ich Sätze im Passiv ins Aktiv?

Konkret: Textkomplexität als wichtiges Auswahlkriterium für Texte - Beispiel „Der Wasserkreislauf”.

Wie wird Fachunterricht sprachsensibel?

Was ist mit der Bezeichnung „sprachsensibler Fachunterricht” eigentlich gemeint?

Sprachsensibler Unterricht meint Unterricht mit dem Bewusstsein für die sprachlichen Anforderungen des Fachunterrichts. Die Vermittlung fachlicher Inhalte ist untrennbar mit der Fachsprache verbunden. Deshalb ist es sinnvoll, fachliche und sprachliche Lernziele miteinander zu verknüpfen und die Sprache nicht nur als Lernmedium, sondern auch als Unterrichtsgegenstand anzusehen. 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des ISB, bei Prof. Dr. Josef Leisen. 

Außerdem soll an dieser Stelle das gemeinsame Projekt „Sprache im Fach” der KU und und der LMU hervorgehoben werden:

Es steht außer Frage, dass Sprache ein wesentlicher Faktor für schulischen Erfolg ist. Möglichst viele Lehrkräfte sollen für die Rolle der Sprache in ihren Fächern sensibilisiert werden, damit Lernen unter heterogenen Voraussetzungen gelingen kann.
Das Projekt „Sprache im Fach“ der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Ludwig-Maximilians-Universität München hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Orientierungsrahmen für die LehrerInnenausbildung zu entwickeln. Drei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:

  1. Was ist sprachsensibler Unterricht?
  2. Wie kann sprachsensibler Unterricht geplant werden?
  3. Wie kann Sprache zum Thema in allen Jahrgangsstufen werden?

Übergeordnete Lernziele des Projekts sind die Sensibilisierung der HochschuldidaktikerInnen für eine sprachbewusste Lehre, das Aufzeigen von Wegen zu einer sprachbewussten Lehre, dazu die Sensibilisierung für Selbstreflexion sowie die Erprobung von Methoden und Übungen für die Umsetzung einer sprachsensiblen Hochschullehre.

Darüber hinaus geht es um den Erwerb von Hintergrundwissen zu sprachlicher Heterogenität, zur Reflexion der eigenen Rolle als Sprachvorbild, zur Sensibilisierung für sprachliche Herausforderungen für Studierende im eigenen Fach, zur Entwicklung und Erprobung von Ansätzen für sprachsensibles Lehren und zur Analyse und Diskussion von Beispielen, die auf dem Videoportal einsehbar sind.

ISB-Info (2019) mit dem Schwerpunktthema Sprach- und Leseförderung, Grundsatzartikel:

„MAN MÜSSTE, MAN SOLLTE – MAN KANN!“ Das Projekt „Sprache im Fach” stellt sich vor.

Glossar

Hier finden Sie Erläuterungen zu den zentralen Fachbegriffen: