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Bayerische Staatsbibliothek: Landesfachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen

Interview mit Frau Ute Palmer, Abteilungsleiterin der Landesfachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen an der Bayerischen Staatsbibliothek

Liebe Frau Palmer, warum sind Bibliotheken auch oder gerade heute – in Zeiten von „Wissen to go“ mit dem Smartphone und dem damit unendlich großen Angebot an Informationen in der Hosentasche – ein unverzichtbarer Partner von Schulen und ein ganz essentieller Bestandteil der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen?

Bibliotheken werden oft als einer der berühmten „Dritten Orte“ bezeichnet, also der Ort, an dem sich Menschen nach ihrem Zuhause und ihrer Arbeitsstelle gern aufhalten. Trotz aller Affinität zum Internet existiert das Bedürfnis nach öffentlichem Raum. Lernen, Freunde treffen, sich zurückziehen – all das und vieles mehr ist in der Bibliothek möglich. Im besten Fall findet man auch alle Angebote, die einem wichtig sind – unabhängig vom „Träger der Information“: egal, ob Buch, E-Medium, Datenbank oder Streamingangebot. Bibliotheken bieten eine Auswahl und Vielfalt der Medien an und dies ohne Zwang, etwas lesen zu müssen oder dafür bewertet zu werden. Kinder und Jugendliche können je nach Lesefähigkeit und Themenbedürfnis unter vielen Medien das aussuchen, was gerade „packt“. Sie bekommen Beratung und Unterstützung bei der Auswahl. Bibliotheken bieten auch den Raum, um eigenes Wissen und persönliche Fähigkeiten mit anderen zu teilen. Sie stellen Wissen zur Verfügung: nicht nur durch Bücher, auch durch andere Medien und durch Menschen selbst. Die Bibliothek kann somit der niedrigschwellige Anlaufpunkt von Wissen, Erfahrung, Recherche, Information, Kommunikation und Unterhaltung sein.

Bibliotheken sind  multimediale Lebens- und Lernräume für Jung und Alt – verstaubte Regale sucht man hier vergebens – stattdessen laden offene, helle Räume, gemütliche Sitzgelegenheiten, ruhige Arbeitsplätze, digitale Vielfalt zum Lernen, Recherchieren, Eintauchen in fremde Welten ein.  Was macht eine gute, zeitgemäße Bibliothek – gerade für Kinder und Jugendliche – aus?

Unter anderem ist die Trennung von Kinder- und Jugendbereich wichtig. Beide Bereiche müssen nach den Bedürfnissen dieser beiden „Zielgruppen“ entsprechend eingerichtet und mit Medien ausgestattet sein. Kinder mögen Rückzugsorte, an denen sie lesen können oder vorgelesen bekommen. Sie lieben auch Stofftiere oder besondere Einrichtungsstücke, die sie mit der Bibliothek in Verbindung bringen. Für Jugendliche gilt besonders: lieber weniger, dafür aktuelle Medien. Genügend, gern auch unkonventionelle Sitzmöglichkeiten. Flexible Tische, um allein oder in Gruppen zu lernen. WLAN ist besonders wichtig. Wenn es passt und räumlich möglich ist, ein Gamingbereich. Und natürlich Verständnis für die Jugendlichen und einen angemessenen Umgang. Jugendliche stellen eine sehr heterogene Nutzergruppe dar und die Arbeit mit ihnen und für sie fordert besondere Kompetenzen.

#lesen.bayern setzt neben der wertvollen Förderung der Lesemotivation und der Begegnung mit literarischen Geschichten auf den Ausbau der Lesekompetenz in allen Fächern und allen Schularten. Welchen Beitrag können Bibliotheken hier leisten und womit gerade auch Nicht-Deutschlehrkräfte und deren Schülerinnen und Schüler ansprechen und bei der Vermittlung von Lesekompetenz im Fach unterstützen?

Bibliotheken bieten ein breites Spektrum für fast alle Schulfächer an. Die Stärke von Bibliotheken besteht darin, dass sie flexibel auf  Lehrer*innen, Schüler*innen sowie die Schulfächer reagieren können. Neben Standardangeboten wie Medienkisten, themenbezogenen Klassenführungen und Rechercheübungen ist es wichtig, dass Lehrer*innen und Bibliothekspersonal miteinander ins Gespräch kommen, um Ideen, Wünsche und Möglichkeiten auszutauschen. Auch und gerade Nicht-Deutsch-Fächer können von Datenbankangeboten, digitalen Nachschlagewerken aus vertrauenswürdigen Quellen und themenbezogenen Klassenführungen profitieren. Die Aufenthaltsqualität einer Bibliothek bietet sich oft als außerschulischer Lernort für Unterricht in der Bibliothek an. Die Möglichkeiten sind unzählig: Der Einbezug von Experten, die Ausstellung und die Präsentation von Unterrichtsergebnissen in der Bibliothek etc. erweitern das Spektrum.

Liebe Frau Palmer, ganz herzlichen Dank für das Interview.

(Das Interview wurde im Juni 2019 geführt. Die Fragen stammen von Frau Christina Neugebauer.)

Frau Ute Palmer ist Diplom-Bibliothekarin und leitet die Landesfachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen an der Bayerischen Staatsbibliothek in München.