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Lesen mit Hindernissen

Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

Etwa 5-8% der Schülerinnen und Schüler weisen trotz ausreichender Beschulung, durchschnittlicher Intelligenz, hinreichender Beherrschung der Unterrichtssprache und gutem Gesundheitszustand anhaltende und bedeutsame Schwächen im Erlernen des Lesens auf. Leseschwierigkeiten können sich bereits in den ersten Wochen des Erstleseunterrichts äußern. Betroffene Kinder zeigen meist große Unsicherheiten beim Einprägen der Graphem-Phonem-Korrespondenzen. Durch die Schwierigkeiten bei der Graphem-Phonem-Umsetzung lesen die Kinder häufig sehr stockend und fehlerhaft. Im weiteren Verlauf der Leseentwicklung ist die direkte Worterkennung durch mangelnde Gedächtnisrepräsentationen und einem verzögerten Abruf von Wörtern und Wortteilen aus dem Gedächtnis oftmals verlangsamt und fehlerhaft. Durch das langsame und ungenaue Lesen erreichen die Betroffenen häufig auch kein altersgerechtes Leseverständnis und aus dem Gelesenen können nur schwer Zusammenhänge erkannt werden.

Im Grunde helfen Kindern mit Leseschwierigkeiten dieselben Übungen, die auch Kindern mit durchschnittlichen Leseleistungen unterstützen. Jedoch ist es bei Kindern mit Leseschwierigkeiten wichtig, Inhalte sehr explizit zu vermitteln. Freie Lesezeiten und selbstbestimmtes Üben ohne explizite Instruktionen können zwar durchschnittlich lesende Schülerinnen und Schüler zum Lesen animieren, führen bei Kindern mir ausgeprägten Leseschwierigkeiten jedoch nicht zu den gewünschten Verbesserungen. Auf einzelne Lerninhalte im Rahmen der Leseentwicklung muss sehr viel Zeit und Mühe verwendet werden, damit dauerhafte Fortschritte erzielt werden können. Insgesamt sind folgende Prinzipien für eine erfolgreiche Förderung von Kindern mit Leseschwierigkeiten besonders wichtig:

  1. Arbeiten an der Null-Fehler-Grenze, d.h. den derzeitigen Stand der Leseentwicklung berücksichtigen und darauf aufbauen
  2. Sehr kleinschrittig vom Leichten zum Schweren vorgehen und damit schnell und konstant Erfolgserlebnisse zulassen
  3. Sehr kleinschrittig vom Häufigen zum Seltenen vorgehen damit schnell möglichst viel richtig gelesen werden kann
  4. Lob und Verstärkung und den betroffenen Kinders noch so kleine Erfolge aufzeigen
  5. Positive Emotionen ermöglichen und eine Förderstunde mit positiven Emotionen abschließen um Motivation und Volition zu fördern und zu erhalten
  6. Auf angemessene Lernmaterialien achten, d.h. Materialien gut strukturieren, Texte mit vergrößerter Schrift sowie vergrößerten Wort- und Zeilenabständen bereitstellen
  7. Kognitive Ressourcen und psychische Belastungen berücksichtigen: z.B. bei Aufmerksamkeitsschwierigkeiten wenig Spielraum für Ablenkung schaffen, Ängsten und depressiven Symptomen feinfühlig mit viel Lob und Erfolgserlebnissen begegnen
  8. Zusammenarbeit von Elternhaus, Schule und externe Förderung im Sinne des Kindes

von Dr. Katharina Galuschk, Ludwig-Maximilians-Universität München

Informationen und Hilfe bietet der Legasthenieverband Bayern und die Stiftung LegaKids.

Der Kurzfilm „I wonder“ (Drehbuch und Regie: Olivia Nigl) ist ein Beitrag der Hochschule Mainz zum Kurzfilmwettbewerb „Grenzenlos“ und thematisiert die emotionale Seite der Teilleistungsstörung Legasthenie.