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Oliver Polak: Gegen Judenhass

Besprechung

Das signalrote schmale Buch mit dem Titel „Gegen Judenhass“ des prominenten TV-Comedian Oliver Polak ist der 83-jährigen Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll gewidmet, die bei einem antisemitisch motivierten Brandanschlag in ihrer Wohnung in Paris am 23. März 2018 um Leben kam. Für Oliver Polak ist es kein Zufall, dass die Zunahme antijüdischer Ressentiments mit dem Aussterben der Zeitzeugengeneration zusammenfällt. Ihnen gegenüber habe sich die deutsche Gesellschaft zum Schwur „Nie wieder!“ verpflichtet. Ein Versprechen, das mit der nachlassenden Erinnerung jedoch zunehmend aufweicht.

„Gegen Judenhass“ stellt eine Sammlung von Beleidigungen und Attacken dar, die Pollack widerfahren sind. Einige der antisemitistischen Attacken stammen aus Oliver Polacks Kindheit im Emsland. Jede verbale Attacke steht für sich, denn jeder ist jeweils eine ganze Seite gewidmet. Dadurch wirken sie – auch optisch – für sich, sind allerdings in keinen Kontext eingebunden und bedürfen so sicherlich einer gewissen Einordnung durch die Lehrkraft bzw. durch ein Klassengespräch, um den antisemitischen Gehalt der einzelnen Aussagen zu reflektieren. 

In der zweiten Hälfte seines Buchs (S. 75 ff.) begründet Oliver Pollack, warum er das Buch geschrieben hat. Der Text soll weder eine Anlage noch eine Meinung darstellen, sondern er habe sich „dazu entschlossen, das Wort zum Thema Antisemitismus zu ergreifen, da die Aktualität es [ihm] nicht ermöglicht, nicht darüber zu schreiben“ (S. 75). Im Anschluss an dieses Statement gruppiert Oliver Polack weitere Erfahrungen unter Überschriften wie z. B. „Verschwörungstheorien“, „Versteckter Hass“, „Die Schuldfrage“ usw. und reflektiert diese auf gesellschaftspolitischer Ebene.

Im letzten Kapitel „Einigen wir uns auf die Zukunft“, das etwas einfacher lesbar ist als die vorherigen Teile des Buches, zeigt Oliver Polak eine Perspektive auf und ruft die Menschen dazu auf, mutig zu sein und für andere einzustehen.

Didaktische Hinweise

Oliver Pollacks „Gegen Judenhass“ eignet sich zum Einsatz im Unterricht beispielsweise als Einstieg, um mit Jugendlichen die Zunahme des Antisemitismus in der Gesellschaft zu thematisieren und sie für Äußerungen, wie sie Oliver Polack gesammelt hat, zu sensibilisieren und so seiner Forderung nach mehr Empathie auch Raum zu geben. Das ist in einer Zeit, in der „Kinder und Jugendliche auf Berliner Schulhöfen bedroht werden, weil sie Juden sind“ (S. 122) umso wichtiger. 

Nach einem möglichen Einstiegt durch z. B. Auszüge aus Pollacks Werk sollte das Thema jedoch unbedingt mit Büchern oder Filmen vertieft werden, die mehr Inhalt zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema liefern. Beispielsweise Lena Goreliks „Lieber Mischa, du bist ein Jude” eignet sich sehr gut und ist auf #lesen.bayern ausführlich besprochen. Zur Erarbeitung des Kontextes eignet sich auch das ebenfalls im Portal rezensierte Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten” von Alice Hasters. Weitere thematische Buchtipps finden Sie hier.

Da 2021 das Jubiläumsjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland” war und mit großer Sorge zu beobachten ist, dass der Antisemitismus in Deutschland wieder erstarkt, gilt es zahlreiche gute Materialien, mit denen das so wichtige Thema im Unterricht behandelt werden kann. Das Historische Forum beispielsweise bietet Informationen zum Jüdischen Leben in Deutschland und stellt u. a. eine virtuelle Ausstellung vor, bei der auch Antisemitismus einen zentralen Raum einnimmt.

 

Gattung

  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Politik, Gesellschaft

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 9 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Kulturelle Bildung
  • Soziales Lernen
  • Politische Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2018

ISBN

9783518469842

Umfang

128 Seiten

Medien

  • Buch