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Frank Cottrell Boyce: Millionen

Besprechung

Damian ist 11 und lebt seit dem Tod der Mutter mit seinem besorgt-überforderten Vater und dem älteren Bruder Anthony zusammen. Auf Zumutungen der Umwelt reagieren die Kinder u. a. mit dem Satz „Unsere Mutter ist tot”, und das meistens mit Erfolg. Anthony interessiert sich für Immobilien, Damian für Heilige. Er meint, es gebe „für alles einen Schutzheiligen” und verstört seine Umwelt u. a. mit Beschreibungen rüdester Sterbearten. Damian findet nun eine Tasche mit sehr viel Geld und glaubt, es sei eine Gabe Gottes. Da alle Britischen Pfund wegen einer Währungsumstellung in Euro umgetauscht werden müssen, eilt es mit dem Ausgeben. Der Geldfund wird vor dem Vater verheimlicht, und die Brüder geben sich redlich Mühe, das Geld loszuwerden. Teilweise kaufen sie, wie wir alle, großen Unsinn. Man erfährt dabei eine ganze Menge über die Macht des Geldes, seine Wirkung auf die Menschen (die Mitschüler/-innen verkaufen Dienste etc.) und die Gesetze des Marktes, all das in haarsträubenden und skurrilen Szenen aus dem Mund des naiv-klugen Damian. Die Sache wird immer problematischer, denn die Bankräuber, deren Beute dies eigentlich war, suchen natürlich nach dem Geld und auch die Polizei schaltet sich ein. Dass am Ende doch alles gut ausgeht und die freundliche Dorothy die Mutter zwar nicht ersetzen kann, aber doch gut kocht und nun auch Damian durchs Haar wuscheln darf, war fast nicht mehr zu erwarten. Die „Chance auf eine große Investition” allerdings wird verpasst. 2004 gewann „Millionen“ die Carnegie Medal und den LUCHS als bestes Buch des Jahres. Das von Frank Cottrell Boyce zu seinem Roman selbst verfasste Drehbuch wurde vom hochdekorierten Regisseur Danny Boyle (u.a. „Trainspotting“, „Slumdog Millionaire“) 2004 verfilmt und ist als DVD erschienen.

Didaktische Hinweise

Das Jugendbuch „Millionen“ ist skurril, witzig, traurig und doch hoffnungsvoll. Es bietet viele Ansätze zur Besprechung und Reflexion über unterschiedlichste Themen: Geld/Konsum (Was würdest du tun, wenn du so viel Geld hättest? Würdest du das Geld behalten? Wofür würdest du das Geld spenden?); Verantwortung und soziales Gewissen; Bewältigungsstrategien beim Tod eines Familienangehörigen; echte vs. gekaufte Freundschaft; „normales“ vs. abweichendes Verhalten, v.a. die Heiligen; Obessionen Damians. Auf der Verlagsseite www.carlsen.de steht angemeldeten Lehrkräften sehr gut aufbereitetes Unterrichtsmaterial kostenlos zur Verfügung. Mindestens an zwei Stellen sollte die Lehrkraft der Klasse laut vorlesen und evtl. an gegebenen Stellen unterbrechen, um Zusammenhänge und den humorigen Unterton zu erläutern: Die ersten Seiten des Textes können leicht verwirrend sein, da der Ich-Erzähler Damian ein eher schräger Junge ist und seine teils naive, teils verworrene Denkweise gewöhnungsbedürftig. Zudem tauchen hier neben den Namen der Protagonisten einige englische Wörter auf, z.B. Straßennamen, die – von Kindern falsch ausgesprochen – unnötig ablenken würden. Die zweite Stelle ist einer der vielen Höhepunkte der Geschichte: Als Damian sich im Speicher des alten Hauses versteckt, hört er die Haustür aufgehen und befürchtet, der Bankräuber mit dem Glasauge hätte ihn in der Falle. Diese Stelle ist atemberaubend spannend und sollte von einem Profi vorgelesen werden. Sehr gut geeignet als Klassenlektüre, v.a. auch in Klassen mit vielen Jungen; u.U. auch unter Zuhilfenahme der Hörfassung. Als Buchvorstellung wegen des eher verstrickten und ausufernden Plots nur bedingt geeignet. Dringende Empfehlung auch für jede Schulbibliothek weiterführender Schulen.

Gattung

  • Bücher für Jungs
  • Romane

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 6 bis 7

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Interkulturelle Bildung
  • Soziales Lernen
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2004

ISBN

9783551355676

Umfang

254 Seiten

Medien

  • Buch