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Rafik Schami: Eine Hand voller Sterne

Besprechung

Damaskus!

Wer könnte authentischer von dieser Stadt, die auf eine Jahrtausende lange Geschichte zurückblickt, erzählen als der 1946 dort geborene  Rafik Schami, der seit 1971 in Deutschland lebt?  

An Hand von Tagebucheintragungen eines anfangs 14-jährigen Bäckersohnes bekommt der Leser über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren einen intensiven , freilich auch sehr subjektiven Eindruck vom Alltag in der Stadt Damaskus vor dem großen Bürgerkrieg,  der in Syrien seit Jahren wütet. Die Bäckerei des Vaters des namenlosen Erzählers liegt im hauptsächlich von Christen bewohnten östlichen Teil der Altstadt von Damaskus. Dort sind die Häuser in typisch orientalischer Bauweise noch aus Lehm gebaut und sie weisen deshalb charakteristische Innenhöfe auf. Im selben Gebäudekomplex  wohnen auch Verwandte, so auch der 75-jährige Onkel des Tagebuchverfassers, der Kutscher Salim. Der alte Mann, selbst Analphabet, beeinflusst mit seinen Lebensweisheiten und seinen Erzählungen, in denen sich nach orientalischer Manier Dichtung und Wahrheit vermengen, den Jungen. Zum Schreiben ermuntert ihn jedoch sein allseits beliebter Arabischlehrer Katib, da er dessen Talent erkennt und seine lyrischen Versuche sehr lobt. Letztlich entwickelt sich aus der Liebe zum Schreiben der Wunsch, Journalist zu werden. Da er jedoch seinem Vater  immer mehr in der Bäckerei helfen muss, kann er die Schule nicht weiter besuchen, denn er hat als Bäckerlaufbursche dazu beizutragen, den Familienbetrieb wirtschaftlich zu sanieren.

Die Sichtweisen, Beobachtungen, Hoffnungen und Wünsche sowie das Handeln des talentierten und bildungshungrigen Jungen  werden in seinen Tagebuchaufzeichnungen deutlich. Zwischendurch finden sich auch schwärmerische Einträge über seine große Liebe zu Nadia. Insgesamt erkennt  der Leser so sukzessive,  auf welches Unverständnis der Bub in seinem Umfeld häufig stößt. Als schließlich aber Gedichte des Sohnes von einem Verleger in einem Lyrikband veröffentlicht werden, ist die Begeisterung seiner Mutter geradezu grenzenlos. Deshalb darf schließlich der Sohn auch bei einem Buchhändler als Gehilfe anheuern.

Mit der Zeit mehren sich in den Aufzeichnungen Hinweise auf die politisch problematische Lage in Syrien. Wiederholt ist von Putschversuchen die Rede, es kommt zur Etablierung neuer Regierungen durch das Militär und Denunziationen und willkürliche Verhaftungen erfolgen. Die jeweiligen Regime nutzen dabei auch ein Netz von Geheimdienstlern, einer von diesen ist  Nadias Vater. In diesem Umfeld ist deshalb eine der Wahrheit verpflichtete Berichterstattung in den Zeitungen nicht möglich, die Zensur lässt solches nicht zu. Der Junge engagiert sich daher auch in einer Bande, die mittels raffiniert verbreiteter Flugblätter sich gegen die regierungsamtlich verbreiteten Falschmeldungen zur Wehr setzen möchte. Als künftiger Journalist möchte er ja schließlich keine Hofberichterstattung betreiben.

Didaktische Hinweise

Die tagebuchartige Aufmachung des Werkes ermöglicht den Schülerinnen und Schülern eine Identifikation mit dem gleichaltrigen Ich-Erzähler. Sie können in eine fremde Welt eintauchen, in der es weder Fernsehen noch Internet gibt, wohl aber den staatlich gelenkten Rundfunk. Auch das Lebenstempo unterscheidet sich gravierend von dem, das heutige Heranwachsende in Mitteleuropa  erfahren. Zudem scheint ein recht friedliches Mit- und Nebeneinander verschiedener Ethnien und Religionen in Damaskus zu existieren.

Themenfelder, die in der Erzählung u.a. angerissen werden:

  • Vater-Sohn-Konflikt
  • Freundschaft
  • erste Liebe
  • politische Instabilität
  • staatliche Willkür
  • fehlende Rechtstaatlichkeit

Übertragungs-,  Diskussionsmöglichkeiten:

  • Instabilität im Nahen Osten
  • Bürgerkrieg
  • Assad – Familienclan („Erbdiktatur”)
  • Spätfolge europäischer Kolonialherrschaft
  • Stellvertreterkrieg
  • Einflussnahme regionaler Großmächte
  • IS „Islamischer Staat”, („Kalifat”)
  • der Autor Rafik Schami als Dissident
  • Syrerinnen und Syrer auf der Flucht

 

 

 

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 7 bis 13

Fächer

  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Deutsch

FÜZ

  • Interkulturelle Bildung
  • Politische Bildung

Erscheinungsjahr

1987

ISBN

9783423119733

Umfang

208 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book
  • Hörbuch