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Martina Wildner: Irgendwas stimmt nicht

Besprechung

Der Titel „Irgendwas stimmt nicht“ ist wahrlich ein Understatement: Denn vieles, was dem zwölfjährigen Helden Gregor widerfährt, ist für den „normalen“ Menschenverstand, und besonders natürlich für den eines Zwölfjährigen, nicht stimmig im Sinne von logisch oder wahrscheinlich.

Die Geschichte beginnt auf einem Spielplatz, wo Gregor wie so oft auf seine kleine Schwester Belinda aufpassen muss. Sein Vater arbeitet nämlich auswärts und kommt meist nur am Wochenende nach Hause, die Mutter ist ebenfalls berufstätig; seine schulischen Leistungen leiden unter der Mehrfachbelastung. Und außerdem ist da noch die 114er-Bande, die ihn schikaniert und belästigt, wo immer es geht. Als eines Tages plötzlich ein gleichaltriges, irgendwie altmodisch angezogenes Mädchen, Karoline, auf dem Spielplatz erscheint und das Gespräch mit ihm sucht, erfindet Gregor, um sich vor ihr interessant zu machen, eine Geschichte von einem Mädchen namens Ilonka, das angeblich genau dort in dem großen Spielschiff plötzlich verschwunden ist. Er schmückt die Story mit vielen erfundenen Details aus - und stellt bald darauf fest, dass alles, was er sich da ausgedacht hat, offenbar tatsächlich einmal so passiert ist. Er weiß also offenbar mehr, als ihm bewusst ist. Von hier aus vermischen sich Fiktion und Wirklichkeit in dieser spannend erzählten Geschichte zu einem komplexen Geflecht, wie es jugendliche Leserinnen und Leser ab 12 Jahren garantiert schätzen. Gregor wird immer mehr in die sich nun verselbständigende Fantasywelt hineingezogen, und die Verschränkung von banaler Alltagswirklichkeit und der „anderen Dimension“ durchzieht das Buch in unentwirrbarer Weise. Die Schlüsselrolle kommt dabei dem Mädchen Karoline zu. Sie hat den Zugangskanal zu der Überwelt, die sich jenseits der platten Realität auftut, ist aber auch Türöffner für den am Beginn der Pubertät stehenden Gregor im Hinblick auf die Welt des anderen Geschlechts.

Auf stets überraschende Weise fügen sich die disparatesten Geschehnisse und Figuren zu einem komplexen Ganzen zusammen; und immer wieder steht der Spielplatz mit dem Schiffsbauch und seiner zentralen Anziehungskraft im Mittelpunkt. Am Schluss kriechen Gregor und Karoline gemeinsam in das Schiff und durch ein mysteriöses Astloch in den geheimnisvollen Kanal zur Parallelwelt, ehe im vorletzten Kapitel der Leser vom Erzähler direkt angesprochen und die ganze Geschichte mit ihrer Durchbrechung bzw. Vermischung von Zeiten und Orten als Illusion aufgehoben oder zumindest relativiert wird. Ein spannendes, aufregend komponiertes Erzählgebilde im Zwischenreich von normaler Wirklichkeit und Fantasie.

Didaktische Hinweise

Alle hier rezensierten Werke von Martina Wildner

Gattung

  • Fantasy

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Altersempfehlung

Jgst. 7 bis 9

Fächer

  • Deutsch

Erscheinungsjahr

2012

ISBN

9783827055101

Umfang

237 Seiten

Medien

  • E-Book