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Salman Rushdie: Quichotte

Besprechung

Ein Autor und seine Figur auf der Suche nach der idealen Geliebten Quichotte ist indischer Abstammung, hat aber seinen Namen von dem berühmten Don Quichotte von Cervantes und einiges mit ihm gemeinsam. Er liest zwar keine Ritterromane, aber er sieht auf seinen Reisen als Pharmavertreter in den Motels viel zu viel fern und hat sich über den Bildschirm in die Moderatorin Salma R. verliebt. Die Quest, seine Suche nach der Liebe beginnt. Dieses stark autobiographische Epos schreibt Sam DuChamp, ein Autor drittklassiger Spionageromane, der selbst eine Figur in der Geschichte ist. Man darf raten, wieviel Rushdie hinter den beiden Figuren steckt. Quichotte legt sich einen fiktiven Sohn namens Sancho zu, der ihn auf seiner Reise chauffiert, da er selbst zu alt und krank ist. Dazu gibt es einen Cousin namens Smile, der dubiose Geschäfte mit einem von ihm erfundenen Opioid macht, was eine Abbildung des realen Skandals um das abhängig machende Medikament Oxycontin ist. Der Roman ist ein Feuerwerk aus Episoden, Anspielungen, Namen und Titeln aus den Medien und der Literatur und ein ironisches Spiel mit unzähligen Stilebenen. Das Ganze endet im Spiel mit der Metafiktion fast in einer interplanetaren Katastrophe, die nur der Autor aufhalten kann, der sie schreibt.

 

 

Didaktische Hinweise

Der Roman bietet eine Fülle von Anknüpfungspunkten. So wird neben dem Roman von Cervantes explizit auf Ionescos „Nashörner“, den „Zauberer von Oz“ von L.F. Baum oder den Disney-Film zu Colledis „Pinocchio“ angespielt. Viele Episoden bilden die reale Welt ab, so wie die Szene, in der sich Quichotte und seine „Dulcinea“ wirklich treffen (und die auch als Short Story im New Yorker erschienen ist), die Opioid-Affäre oder die Geschichte des Mikrokredits. Man kann den Weg Rushdies von den „Mitternachtskindern“ (1981, dt. Ü. 1983) bis zu diesem Roman, der daran gewissermaßen anknüpft, erforschen. 2012 schrieb Ilja Trojanow in der ZEIT zu den Mitternachtskindern, was genauso auf den neuen Roman passt: „Auf einmal wurde mir bewusst, dass nur auf diese überdreht polyphone Weise das Leben in Zeiten historischer Erdbeben zu erfassen ist, dass die Realitäten von Entwurzelung und dynamischer Identität mit der gebündelten Sprengkraft aller Widersprüche abgebildet werden müssen.“

Alle hier rezensierten Werke von Salman Rushdie

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 9 bis 13

Fächer

  • Englisch
  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Interkulturelle Erziehung

FÜZ

  • Werteerziehung
  • Interkulturelle Bildung

Erscheinungsjahr

2019

ISBN

9783570103999

Umfang

461 Seiten

Medien

  • Buch