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Sasa Stanisic: Hey, hey, hey, TAXI!

Besprechung

Stanisic erklärt die Idee, die hinter seinem ersten Kinderbuch steckt, in einem Vorort. Ganz bewusst lässt er die Vorlesenden schon über das allererste Wort stolpern, um ihnen zu verdeutlichen, was er mit den Geschichten, die er seinem Sohn erzählt hat, vorhat: „Ich habe nicht überlegt, was gelernt werden soll oder gefühlt. Meine Ziele waren: erfreuen, gut verwirren, zum Miterzählen animieren, Bilder für Erfahrungen schaffen, die das Kind umtreiben: Angst, Mut, Trotz, Verlust, Kameradschaft, Gerechtigkeit.“ Dieses Vorhaben setzt Stanisic ganz famos um. Die kurzen Geschichten beginnen alle mit „Hey, hey, hey, ich steige in ein Taxi“ und schon kann auch die absurdeste Fantasiereise beginnen. So befindet sich der Fahrgast zum Beispiel in einem Klo-Taxi, einem Käsetaxi, oder man entdeckt unter der Motorhaube einen Motormann, der dort gemütlich ein Buch liest, oder man stellt fest, dass eine Giraffe die Fahrerin des Taxis ist, oder man lernt Odjo Odjo kennen, der immer nur diese zwei seltsamen Fantasiewörter verwendet. Die Geschichten sind abstrus und manchmal nahezu kafkaesk. Auch sprachlich mutet er den Vorlesenden und Zuhörenden einiges ab: Zahlreiche Wortneuschöpfungen wie „Blinzelich! Elanesk! Spitzfling! Rapidlich!“ erfordern schon eine gewisse Bereitschaft, sich darauf einzulassen.

Ob das Kinder wirklich anspricht? Der Rezensent hat es mit den eigenen Kindern (5 und 11) ausgetestet und die Erfahrung gemacht, dass das Ritual der kurzen Taxi-Geschichte vor dem Schlafen als sehr bereichernd empfunden wurde. Mit großer Vorfreude sind sie jeden Abend zusammen mit dem Vorleser in das Stanisc-Taxi gestiegen und sich in die abenteuerlichsten Welten gestürzt. Einladend sind auch die großflächigen Illustrationen von Katja Spitzer, die in schreienden Pop-Art-Farben die erzählten Inhalte aufgreifen. Besonders schön ist auch, dass der Autor die Geschichten immer wieder einmal unterbricht und Fragen an die Zuhörenden stellt, um sie in die Geschichte einzubinden, sie zu ihren Geschichten zu machen und einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt der Kinder zu erhalten. Am Ende jeder Geschichte kehren alle zusammen „nach Hause, zu dir“ zurück; ein beruhigender Refrain, der bei meinen kleinen Zuhörern zur festen Wendung wurde.

Didaktische Hinweise

Dieses Buch eignet sich qua Selbstverständnis hervorragend zum Vorlesen und als Vorlage für eigene Geschichten: „Lies bitte meine Geschichten als lose Vorgaben für Deine und Eure Geschichten.“ Der Anfang und das Ende sind jeweils vorgegeben, dazwischen kann alles geschehen! Unabhängig von Lesefieberkurven und Erzählmäusen ist hier alles erlaubt und der Fantasie keine Grenze gesetzt.

Im SWR2-Podcast „Limoadenbaum” gibt es ein Interview mit Sasa Stanisic anzuhören (Folge vom 26.3.2021) 

Auf Youtube sind eine Livestream-Lesung des Autors sowie ein Gespräch im Büchergildesalon des Hamburger Literaturshauses zum Welttag des Buches 2021 verfügbar.

Gattung

  • Kurzprosa, Erzählungen, Textsammlungen, Tagebücher

Eignung

als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 0 bis 5

Fächer

  • Deutsch
  • Kunst

FÜZ

  • Sprachliche Bildung
  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2021

ISBN

9783948722050

Umfang

96 Seiten

Medien

  • Buch
  • Hörbuch