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Sasa Stanisic: Vor dem Fest

Besprechung

Sasa Stanisic Roman „Vor dem Fest“ spielt in dem fiktiven uckermärkischen Dorf Fürstenfelde. Es ist die Nacht vor dem so genannten Annenfest, das die Bewohner des Ortes jedes Jahr feiern, ohne eigentlich genau zu wissen warum. Diese Tatsache scheint die Bewohner aber nicht weiter zu stören, die Vorbereitungen für das bevorstehende Fest sind – trotz des eher traurigen Beginns des Romans (es wird der Tod des Fährmanns beklagt) – ausgiebig. Es sind dann auch die Dorfbewohner, über deren Schicksal der Leser im Verlauf des Romans erfährt: Menschen wie z. B. der ehemalige Briefträger, der jetzt Rassehühner züchtet, der Ex-Junkie, der jedem die Geschichte seiner Befreiung aus der „Dröhnung“ erzählt, oder ein Halbstarker namens Lada, der sein Auto regelmäßig nur zum Spaß in einem der beiden Seen versenkt, die die Landschaft des Ortes prägen. Stanisic Roman erzählt nicht nur von dem Hier und Jetzt, sondern auch von der Welt Fürstenfeldes in den Jahrhunderten zuvor. Dabei handelt es sich um alte, überlieferte und erfundene Geschichten aus dem 16., 17., 18. oder 19. Jahrhundert, deren Sprache der Autor zeitgemäß nachahmt und die den Leser in eine Sagenwelt mit Räubern, Pest-Katastrophen und Feuersbrünsten eintauchen lässt. „Vor dem Fest“ hat zu Recht 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen, denn seinem Autor gelingt ein tragikomisches Spiel mit Erzählformen und -traditionen. Gleichzeitig ist der Text ein Spiegel ostdeutscher Befindlichkeit, die in der Sprache der Dorfbewohner zu Tage tritt - eine Sprache, die vom kollektiven „Wir“ geprägt ist.

Didaktische Hinweise

Der Roman eignet sich nur bedingt als Ganzschrift für den Unterricht. Ein beeindruckendes Stück deutscher Gegenwartsliteratur ist er allemal. Eher unfreiwillig wurde er zum Gegenstand einer Literaturdebatte, als Maxim Biller in einem Beitrag für die ZEIT gegen die deutsche Gegenwartliteratur zu Felde zog und diese als „langweilig“ diffamierte. Es fehlten der deutschen Literatur, so der Vorwurf Billers, der prompt eine Debatte zur deutschsprachigen Gegenwartslitertur auslöste, „die lebendigen literarischen Stimmen von Migranten“, ein Anspruch, der - so Biller - gerade Stanišićs in der Uckermark angesiedeltem Roman abgehe. Billers Vorwurf zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe aufzuarbeiten, kann gerade vor der dem Hintergrund der Lehrplaneinheit „Entwicklungen in der Gegenwartsliteratur“ im Kurshalbjahr 12/1 am Gymnasium lohnend sein. Ein Interview mit dem Autor findet sich bei Deutschlandradio. FÜZ: Politische Bildung; Kulturelle Bildung

Gattung

  • Romane

Eignung

in Auszügen geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

Erscheinungsjahr

2014

ISBN

9783630872438

Umfang

315 Seiten

Medien

  • Buch