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Lena Gorelik: Wer wir sind

Besprechung

Bei „Wer wir sind“ von Lena Gorelik handelt es sich um einen autobiographischen Roman, in dem die Autorin über ihre Einwanderungserfahrungen schreibt. Lena Gorelik ist zusammen mit ihrer Familie 1992 als jüdische Kontingentflüchtling aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Die Entscheidung, die Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu kommen, bedeutet für die Familie nicht nur bis heute eine familiäre Entwurzelung, sondern brachte auch einen sozialen Abstieg mit sich. Dass ihre Eltern in Russland gut ausgebildete Ingenieure gewesen sind und die Großmutter eine Textilfabrik geleitet hat, gilt bei der Ankunft in Deutschland nichts. Die Zeugnisse werden allesamt nicht anerkannt. Stattdessen landet die Familie in einer überfüllten Asylantenunterkunft in einer schwäbischen Kleinstadt. Es dauert lange, bis sich die Familie mit den neuen Gegebenheiten in der Heimat arrangiert. Lena Goreliks Vater findet schließlich eine Anstellung als Zeitarbeiter, die Mutter als Putzfrau.  Während der Alltag der Eltern von Angst, Scham und Verzweiflung bestimmen wird, begegnet Lena der neuen Umgebung mit einem Gemisch aus Neugier und Staunen. Nichtsdestotrotz überkommt auch sie immer wieder die Sehnsucht nach dem alten Zuhause in Sankt Petersburg, die Trauer um das verlorene russische Leben, nach den Freunden und dem zurückgelassenen Hund Asta. Hinzu kommt ihre Scham nicht nur davor, in der Schule, wo sie als Streberin verspottet wird, die falschen Klamotten zu tragen, sondern auch die Scham für ihrer Eltern, die sich ständig um die Tochter sorgen, die hilflos auf den Ämtern sitzen und die schließlich Armut und Erniedrigung auf sich genommen haben, um Lena und ihrem Bruder eine bessere Zukunft zu bieten. Dies alles beschreibt Lena Gorelik aus der Rückschau und zieht Bilanz, was es heißt, traditionelle Familienstrukturen aufzugeben und neue aufzubauen. Bis heute leidet sie unter dem Verlust der elterlichen Würde, den dieser Schritt mit sich gebracht hat. In einem Glasschränkchen, das zu einem zentralen Gegenstand des Romans wird, bewahrt Lena Gorelik all die Dinge auf, die ihr im Leben etwas bedeutet haben. Sie stehen für die schönen, aber auch schmerzhaften Erfahrungen und Erinnerungen, die die Migration nach Deutschland mit sich gebracht haben.

Didaktische Hinweise

Lena Goreliks autobiographischer Roman eignet sich sehr gut als Klassenlektüre, denn in ihm wird ein wichtiges und aktuelles Thema angesprochen: Es geht um Migration und die Konsequenzen für die Menschen, die sich entschließen, aus welchen Gründen auch immer, ihre Heimat zu verlassen, um sich in einem anderen Land eine neue Existenz aufzubauen. Wichtige Fragestellungen, die zusammen mit den Schülerinnen und Schülern während der Lektürebesprochen werden können, sind:

  • Die Bedeutung von Heimat (hier: welche Rolle spielt Heimat für die Familie, welche Verlusterfahrung macht diese)
  • Die Frage nach der Identität und die Schwierigkeiten der Assimilation (vgl. hierzu beim Deutschlandfunk)
  • Der historische Hintergrund von Migration (jüdische Kontigentflüchtlinge aus der Sowjetunion, Aufnahmebedingungen, Integration, hier v. a. auch am Beispiel von Lena und ihren Eltern (vgl. hierzu den Beitrag der bpb).
  • Das Gefühl von Fremdheit und der Verlust von Würde und Respekt, hier v. a. die Situation von Lenas Eltern und Großmutter.
  • Die Bedeutung der Gegenstände im Roman (vgl. Glasschränkchen)

 

 

Alle hier rezensierten Werke von Lena Gorelik

Gattung

  • All Age

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 10 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte
  • Interkulturelle Erziehung
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Interkulturelle Bildung
  • Kulturelle Bildung
  • Politische Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2021

ISBN

9783737101073

Umfang

317 Seiten

Medien

  • Buch