Marie Hüttner; Regina Kehn (Illustr.): Rocky Winterfeld. Ziemlich neben der Spur
Besprechung
Mit „Rocky Winterfeld – Ziemlich neben der Spur“ legt Marie Hüttner nach „Die Mitternachtsdiebe“ und „Ist Oma noch zu retten?“ erneut ein Kinderbuch vor, das unterhält und berührt zugleich. Bereits das stimmungsvolle Cover von Regina Kehn weckt Neugier – und die Geschichte hält dieses Versprechen mühelos.
Im Vorwort spielt der elfjährige Rocky mit seinem besten Freund Marek Verstecken. Es ist das letzte gemeinsame Spiel, denn kurz darauf steigt Marek in einen Umzugswagen und fährt 1.121 Kilometer weit weg nach Polen. Für Rocky, der sich bestens mit dem Weltall auskennt, fühlt sich Mareks neues Zuhause an wie ein anderes Sonnensystem. Sieben Monate später setzt die Handlung erneut ein: Rocky erhält einen geheimnisvollen Brief, der ihn und drei weitere Kinder aus seiner Klasse zu einem Wissenschaftswettbewerb nach Polen einlädt. Hinter dieser Einladung steckt Rockys Klassen- und Physiklehrerin Frau Popov. Gemeinsam mit dem rappbegeisterten Kadir, der sozial engagierten Leyla (deren aktuelles Herzensprojekt die Rettung des Feldhamsters ist) und der unnahbaren, ja gruseligen, ganz in Schwarz gekleideten Tess macht sich Rocky in einem alten VW-Bus auf den Weg nach Danzig. Der wahre Grund für seine Teilnahme ist jedoch seine große Sehnsucht nach Marek. Dieser hat einen geplanten Besuch abgesagt, und auch der Kontakt zwischen den beiden wird immer seltener. Rocky beschließt daher, die Reise zu nutzen, um seinen Freund heimlich zu besuchen.
Ohne das Wissen seiner Mutter und gemeinsam mit seiner Lehrerin sowie den drei sehr unterschiedlichen Mitschülern begibt sich Rocky auf einen turbulenten Roadtrip. Sie erleben dabei einige Abenteuer. Am Ende merkt Rocky, dass er seinen alten Freund zwar nicht wiedergewinnen kann, doch in seinen drei Mitschülern neue, gute Freunde gefunden hat. Eindrucksvoll ist zu beobachten, wie Rocky im Laufe der Reise über sich hinauswächst und Schritt für Schritt den Mut findet, seine vertrauten Grenzen zu überschreiten. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll und individuell gezeichnet und tragen mit ihren Eigenheiten wesentlich zum Charme der Geschichte bei.
Erzählt wird der Roman aus Rockys Ich-Perspektive, wodurch man ihm und seiner besonderen Gedankenwelt sehr nahekommt. Seine Sicht auf die Welt ist ungewöhnlich, oft überraschend komisch und zugleich tief berührend. Auch wenn es nie ausdrücklich benannt wird, wird deutlich, dass Rocky wohl autistisch ist: Veränderungen verunsichern ihn, körperliche Nähe fällt ihm schwer, und er folgt seiner ganz eigenen inneren Ordnung. Marie Hüttner gelingt es, diese Perspektive authentisch, respektvoll und mit großer Sensibilität darzustellen.
Didaktische Hinweise
Die vielfältigen Figuren, die sehr unterschiedlich, aber immer liebenswert sind, zeigen, dass man nicht einer bestimmten Norm entsprechen muss. So können sich Schülerinnen und Schüler in einem Charakter oder in bestimmten Eigenschaften wiederfinden und sich selbst und andere mehr wertschätzen. So eignet sich „Rocky Winterfeld – Ziemlich neben der Spur“ hervorragend als Klassenlektüre. Mit dem Zusatzmaterial lassen sich der Handlungsverlauf, die Figuren und die Entwicklung der Freundschaft zwischen den Protagonisten kurzweilig sowie mit Bezug zur eigenen Lebenswirklichkeit besprechen und erhalten, z.B. durch einen eigenen Wissenschaftswettbewerb, die Freude am Lesen.
Gattung
- Romane
Eignung
sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum VorlesenAltersempfehlung
Jgst. 5 bis 6Fächer
- Deutsch
FÜZ
- Soziales Lernen
- Werteerziehung
- Alltagskompetenz und Lebensökonomie
- Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
Erscheinungsjahr
2025ISBN
9783522188463Umfang
238 SeitenMedien
- Buch
- E-Book
- Hörbuch