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Alina Bronsky: Und du kommst auch drin vor

Besprechung

Alina Bronskys Debütroman Scherbenpark wurde nach seinem Erscheinen 2008 sehr schnell zum Bestseller, 2013 für das Kino verfilmt und ist inzwischen eine beliebte Schullektüre, zu der es zahlreiche Handreichungen gibt.

Ihr neuer Roman spielt nur zum Teil in dem für viele ihrer Bücher typischen Milieu, dem der russischen Einwanderer. Zwar ist die 15-jährige Petrowna Kind einer weit verzweigten russisch-stämmigen Sippe, aber die Ich-Erzählerin Kim entstammt einer wohlhabenden Familie, die gerade zerbricht, weil der Vater Frau und Tochter verlassen hat.

Kim und Petrowna sind seit der Grundschule trotz allem befreundet; nicht nur ihre Lebensumstände sind denkbar unterschiedlich, genauso unterschiedlich sind auch ihre Charaktere und Interessen. Petrowna ist wissbegierig und schlagfertig und mit Abstand die klügste und beste Schülerin der Klasse. Kim schreibt von ihr ab und interessiert sich im Grund für nichts, bis sie eines Tages mit ihrer Klasse gezwungenermaßen an einer Veranstaltung der Berliner Autorin Leah Eriksson teilnehmen muss. Die junge Schriftstellerin liest der gänzlich unbeteiligten Klasse aus ihrem neuen Roman Dinge, die du nie erfährst vor und weckt Kims Aufmerksamkeit deshalb, weil die 15-Jährige glaubt, der Roman handle von ihr und ihrem Leben. Nach der Lesung versucht Kim Näheres von der Autorin zu erfahren, aber die blockt ab und verweist auf ihr Buch, das sich Kim zu Petrownas großem Erstaunen tatsächlich kauft und liest, obwohl Kim zuvor noch nie freiwillig ein Buch gelesen hat. Der Roman bringt Kim dazu, ihren Vater aufzusuchen, der wie die Figur in Erikssons Buch mit einer jüngeren Frau zusammenlebt und mit ihr ein Kind bekommt, was Kim erst durch diesen Besuch erfährt. Kim ist nun endgültig davon überzeugt, dass der Romane nicht nur ihre Vergangenheit, sondern auch ihre Zukunft beschreibt. Weil sich die Hauptfigur des Romanes in einen Jungen verliebt, der Kims Klassenkameraden Jasper ähnelt und der im Romane stirbt, setzt Kim mit Petrownas Hilfe alles daran, das zu verhindern. Die Mädchen bringen Leah Eriksson mit recht ungewöhnlichen und rabiaten Methoden dazu, ihnen zu helfen. Leah kann Kim aber schließlich davon überzeugen, dass nicht sie, die Autorin, den Romane und damit Kims Leben umschreiben kann, sondern dass dies nur Kim selbst tun kann, indem sie Entscheidungen trifft, die Jaspers Leben retten. Petrowna hat inzwischen eine andere Methode gefunden, sie schreibt selbst einen Romane, den sie Kim zu lesen gibt. Die sieht wieder nur sich selbst, dabei hat Petrowna sich selbst geschildert und sich in ihrem Buch den Wunsch erfüllt, wie Kim das Kind reicher Eltern zu sein und der Armut zu entfliehen. Am Ende bleibt es doch Kim überlassen, Jasper das Leben zu retten, und das gelingt ihr auch.

Didaktische Hinweise

Die Geschichte ist witzig, spannend und rasant und wird wohl vor allem den Mädchen gefallen, die Themen aus ihrem Alltag wiedererkennen werden: Streit und Versšhnung mit der Freundin, Auseinandersetzungen mit den Eltern und die erste Liebe. Die Identifizierung mit der Ich-Erzählerin fällt allerdings schwer. Kim hat so gut wie keine positiven Eigenschaften: Sie ist unglaublich faul, unfreundlich, abweisend, ignorant und sie interessiert sich für nichts, außer für ihr Mobiltelefon und für Fernsehserien. Das einzige, was den Leser mit dem Mädchen versöhnt, ist sein unermüdlicher Einsatz für Jaspers Rettung. Dafür nimmt Kim sogar den Spott ihrer Mitschüler auf sich. Der Romane ist auch als E-Book erhältlich. Auf seiner Webseite hält der Verlag eine Leseprobe, eine Inhaltsangabe und ein Autorenspecial bereit, das unter anderem Charakterisierungen der Hauptfiguren bietet sowie ein Interview mit der Autorin. Beides dürfte bei der Behandlung des Romanes im Unterricht sehr hilfreich sein.

Gattung

  • Romane

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 8 bis 9

Fächer

  • Deutsch

Erscheinungsjahr

2017

ISBN

9783423761819

Umfang

192 Seiten

Medien

  • Buch