Christiane Wittenburg; Linda Mieleck (Illustr.): Der etwas andere Nikolaus
Besprechung
Ausgerechnet am 5. Dezember erlebt der weiße Hahn Nikolaus eine bittere Enttäuschung: weil er keine Eier legen kann, wird er kurzerhand an einem kalten Wintermorgen von seinem herzlosen Besitzer in einen Sack gesteckt und vor die Tür gesetzt. Traurig und der festen Überzeugung, vollkommen nutzlos zu sein, macht sich Nikolaus auf den Weg durch die winterliche Stadt. Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe und einer geeigneten Bleibe begegnet er den unterschiedlichsten Tieren und Menschen an verschiedenen Orten. Doch eine Aufgabe für den traurigen Hahn hat niemand. Immer gibt es jemanden, der eine gewünschte Tätigkeit besser kann als er. Selbst als Wetterhahn auf dem Kirchturm oder als Sackträger für seinen berühmten menschlichen Namensvetter scheint er nicht zu taugen. Als der Hahn schon ganz verzweifelt und erschöpft daran denkt, aufzugeben, begegnet er im tiefen Schnee einer Gruppe von Hühnerdamen. Im festen Glauben, den „echten” Nikolaus endlich gefunden zu haben, geben ihm nicht nur die gefiederten Tiere, sondern auch noch all die anderen vierbeinigen Bewohner und Menschen auf dem Gnadenhof „Dorf Sentana” Unterschlupf und das sichere Gefühl, dringend gebraucht zu werden. Und Nikolaus hat die Chance, zu zeigen, was er wirklich kann: er beschützt, warnt vor hungrigen Raubvögeln, weckt, organisiert und übernimmt Verantwortung. Und das Schönste ist: er darf genauso sein, wie er ist, denn er ist wertvoll, weil er so ist, wie er ist! Auch, wenn er keine Eier legen kann!
Didaktische Hinweise
Obwohl das Bilderbuch vom Hahn Nikolaus sehr gut zur Winter- bzw. Vorweihnachtszeit passt, ist es kein typisches Weihnachtsbilderbuch. Es ist die wahre Geschichte eines Hahns, der am 6. Dezember 2019 ganz allein den Weg zum Gnadenhof „Dorf Sentana” fand, einem Begegnungs- und Lebenshof für kranke und alte Tiere.
Die klare Sprache und überschaubare Textmenge eignen sich gut zum Vorlesen für den Grundschulunterricht und für geübte Lesende ab der zweiten Klasse zum Selberlesen. Die großflächigen bunten Illustrationen unterstützen das Textverständnis.
Die Geschichte vom ausgesetzten Hahn thematisiert Hilfsbereitschaft, Mut, Gemeinschaft, Integration und Verantwortungsgefühl und fördert somit soziale Kompetenzen. Die Lernenden reflektieren, wie man anderen helfen kann und was „Gutes tun” im Alltag bedeutet. Gleichzeitig rückt das Buch mithilfe der - teilweise realistischen - Geschichte den Gnadenhof „Dorf Sentana” in den Vordergrund. Der Hof wurde 2017 als ein Ort gegründet, der einerseits Tieren ein Zuhause bietet, die aufgrund von Alter, Schwäche oder einer Behinderung kaum noch Vermittlungschancen haben und wahrscheinlich geschlachtet worden wären. Andererseits finden auf dem Hof tiergestützte Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen statt.
Diese Thematik könnte besonders im Religions- und Ethikunterricht der 3. und 4. Klasse aufgegriffen werden. Unter der Fragestellung: was bedeutet „Anderssein” und wie können wir damit umgehen, sammeln die Lernenden Beispiele aus ihrem Alltag. Die Figuren in der Geschichte bieten ausreichend Identifikationsmöglichkeiten. Gefühle der Figuren können im szenischen Spiel nachempfunden und mit eigenen Erfahrungen verknüpft werden. Internetrecherchen zum „Dorf Sentana” oder ähnlichen Gnadenhöfen bieten sich ebenfalls an.
Gattung
- Bilderbücher
Eignung
für die Schulbibliothek empfohlen und zum VorlesenAltersempfehlung
Jgst. 1 bis 4Fächer
- Ethik/Religionslehre (ev)
- Deutsch
- HSU
FÜZ
- Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
Erscheinungsjahr
2025ISBN
9783948877323Umfang
40 SeitenMedien
- Buch