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Elif Shafak: Liane und das Land der Geschichten

Besprechung

Die 2014 in türkischer Sprache erschienene Originalausgabe ist seit 2020 auch in Deutsch verfügbar. Elif Shafak, die preisgekrönte Autorin, greift Michael Endes Idee der unendlichen Geschichte auf. Durch das Lesen von Büchern wird die Fantasie angeregt, es entsteht eine Gedankenwelt. Diese ist in Gefahr, da immer weniger gelesen wird.

Shafaks Protagonistin ist das nette, durchschnittliche Mädchen Liane (etwa 10 Jahre), die wegen ihres Namens gehänselt wird und diesen daher nicht mag. Sie liest viel und macht sich auch um scheinbar Unbedeutendes Gedanken.

Liane ist aber auch einsam und flüchtet sich gerne in ihre Fantasiewelt. Eines Tages entdeckt sie in der Schulbücherei einen geheimnissvoll leuchtenden Globus mit einem achten Kontinent darauf. Sie entschließt sich, den Globus mit nach Hause zu nehmen. Wie sich herausstellt, führt dieser sie in das magische Land der Geschichten. Es erscheinen ihr Zelis und Asutay. Die beiden kommen aus dem Land der Geschichten. Sie freunden sich mit Liane an und erklären ihr, dass sie hier sind, weil sie Gedanken der Menschen sammeln, diese dann zu Geschichten machen und so ihr Land vor dem Vertrocknen retten wollen. Da Kinder und Erwachsene immer weniger Bücher lesen, schreitet diese Verödung im Land der Geschichten zunehmend voran. 

Liane will den beiden helfen und begibt sich auf eine Reise mit Zelis und Asutay. Gemeinsam erleben sie eine abenteuerliche Reise, bei der sie schwierige Rätsel lösen müssen. Liane lernt viel dabei, vor allem nicht aufzugeben. Am Ziel angekommen, wird Liane schließlich zur Heldin und rettet die Gedankenwelt. Von nun an sieht sie auch die reale Welt mit anderen Augen.

Das Buch ist in einfacher, gut verständlicher Sprache geschrieben und klar strukturiert. Es eignet sich daher schon ab dem Grundschulalter sowohl zum Vorlesen, als auch als Klassenlektüre.

Mädchen können sich schnell mit der Heldin identifizieren. Die selbstreflektierende Haltung der Protagonistin bietet dem jungen Leser darüberhinaus Denkansätze über sich und die Welt nachzudenken. Der Themeneinstieg wirkt etwas langatmig und nimmt mehr als die Hälfte des Buches ein. Demgegenüber wird die gemeinsame Reise etwas zu kurz abgehandelt. Sprachlich fallen die vielen Aufzählungen auf, die in ihrer Ausführlichkeit nicht immer notwendig gewesen wären.

 

Didaktische Hinweise

Für den unterrichtlichen Einsatz bietet das Buch zahlreiche Schreib- und Malanlässe. Die Hauptfiguren, das Fantasieland und ihre Märchenfiguren bieten guten Stoff für die zeichnerische Umsetzung im Fach Kunsterziehung. Das ganze Buch ließe sich sicher gut als Comic umgestalten. Im personal-kreativen Schreiben bieten die abgebrochenen Wege (Erdweg, Wasserweg, Feuerweg) gelungene Anlässe zum Weiterschreiben nach dem Motto: „Was wäre, wenn die Kinder den Weg weitergegangen wären?“. Für erfahrene Leser*innen wäre ein Buchvergleich zur „Unendlichen Geschichte“ sicher reizvoll.

Gattung

  • Fantasy

Eignung

als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 3 bis 5

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie

Erscheinungsjahr

2014

ISBN

9783845838021

Umfang

155 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book
  • Hörbuch