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Timothée de Fombelle: Rosalie. Als mein Vater im Krieg war.

Besprechung

Eine schwieriges Thema: Wie gehen Kinder mit der Tatsache um, dass der Vater im Krieg ist? In dem Buch erzählt Timothée de Fombelle von der fünfeinhalbjährigen Rosalie, deren Vater im Ersten Weltkrieg 1916 für Frankreich direkt an der Front kämpft. Die Mutter muss den ganzen Tag über in der Fabrik arbeiten. Wer passt nun auf Rosalie auf? Der Lehrer bietet der Mutter an, auf Rosalie Acht zu geben und so darf sie jeden Tag in die Schule für die Großen und sitzt im Klassenzimmer unbeachtet von den Jungs. Hier heckt sie einen Geheimplan aus. Als Hauptmann Rosalie will sie den Feind ausspionieren und tarnt sich als fünfeinhalbjähriges Mädchen mit roten Haaren. So sitzt sie den ganzen Tag verdeckt von den Mänteln der Jungen in der letzten Reihe und verfolgt, was im Klassenzimmer vor sich geht. Dabei notiert sie die geheimnisvollen Zeichen von der Tafel in ihr Heft, welches sie niemals aus den Augen verliert. Am Abend, nachdem die Schüler und der Lehrer gegangen sind, holt ihre Mutter sie vor der Schule ab. An guten Tagen hat sie dann einen Brief vom Vater dabei, den sie ihrer Tochter vorliest. Sie erzählt ihrer Tochter aus diesen Briefen, was der Vater alles mit Rosalie unternehmen will, wenn er wieder zu Hause ist. Für Rosalie gibt es nämlich keine andere Erinnerung als den Krieg. Unverdrossen verfolgt sie tagtäglich ihre Mission weiter und schreibt unbeobachtet von allen die Seiten in ihrem Heft voll mit dem, was sie auf der Tafel geschrieben sieht, und versucht, es sich einzuprägen. Lediglich der Faulpelz der Klasse, Edgar, wirft ihr manchmal neugierige Blicke zu. So vergehen die Tage in einer Gleichförmigkeit, unterbrochen nur von ihrem Geburtstag, der so viel Schnee bringt, dass ihre Mutter nicht in die Fabrik kann und die beiden einen unbeschwerten Tag vor dem Kamin verbringen, die Mutter Geschichten erzählt und, da sie nichts zu essen im Haus haben, sie gezuckerte Milch trinken. Doch dann kommt wieder ein Brief, dieses Mal in einem blauen Umschlag. Ihre Mutter liest ihr den Brief nicht vor und Rosalie spürt, dass etwas nicht stimmt. Daraufhin beschließt sie, dass es an der Zeit ist, ihren Geheimplan in die Tat umzusetzen und macht sich schließlich auf abenteuerliche Weise auf die Suche nach diesem Brief. Nach einigen Fehlschlägen entdeckt sie ihn schließlich und ist in der Lage, den traurigen Inhalt zu lesen…: Mission erfüllt – sie weiß nun, warum ihre Mutter so bekümmert ist. Und sie weiß nun auch, dass ihr Vater nichts vom Angeln mit seiner Tochter in seinen Briefen geschrieben hat, sondern von seiner Angst in den Schützengräben. 

Didaktische Hinweise

Ein Buch der besonderen Güte: Der Autor schafft es, dieses schwere Thema für seine jungen Leserinnen und Leser behutsam darzustellen. Dies gelingt ihm dadurch, dass er sie die Welt mit Rosalies Augen sehen lässt und so erobern sich Rosalie und ihre Leserinnen und Leser gemeinsam die Welt der Erwachsenen. Sie sind bei ihrer Suche nach der Wahrheit nah an der entschlossenen Heldin dran, wobei deren Mut hervorsticht, unbeirrbar ihren Plan zu verfolgen, um am Ende trotz aller Trauer einen persönlichen Sieg zu erringen. Sie hat sich durch das Lesen eine neue Welt erschlossen, in der sie nun mit der Wahrheit lernen muss zu leben. Fombelles klare und schnörkellose Sprache – aus dem Französischen behutsam von Tobias Scheffel und Sabine Grebing übersetzt – berührt, ohne dabei jemals ins Sentimentale abzugleiten.

Der Text wird unterstützt von den weichen Tuschezeichnungen von Isabelle Arsenault, die mit ihrer bewusst farbig dargestellten Rosalie mit den roten Haaren und der roten Tasche den Farbtupfer in einer sonst von dunklen Farben beherrschten Welt bildet. Diese Geschichte spricht Jungen wie Mädchen gleichermaßen an, da mit Edgar Rosalie eine Figur an die Seite gestellt wird, der ihren Mut erkennt und ihr hilft.

Beginnen kann eine Besprechung im Unterricht mit Vermutungen über den Inhalt anhand des aufwendig und ansprechend gestalteten Covers. Im weiteren Verlauf können wichtige Stellen des Buches im Unterrichtsgesprächs beispielsweise durch lautes Lesen bzw. Vorlesen hervorhoben werden, was ebenfalls eine Lenkungsmöglicheit für die Lehrkraft darstellt, um auch den Hintergrund der Geschichte zu erläutern. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, im Unterrichtsgespräch ihr mögliches Wissen von der Thematik einzubringen, was besonders bei Gruppen mit Kindern, die einen Flucht- und Migrationshintergrund haben, denkbar wäre. Abschließend könnten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen in die Rolle von Rosalie schlüpfen und ihre Geschichte weitererzählen/weiterschreiben.

Hinweis: Auf Mebis gibt es in der Mediathek ein Hörspiel namens Briefe an Barbara, welches thematisch zu diesem Buch passt. Hier ist der Bezugspunkt allerdings der Zweite Weltkrieg.

Gattung

  • Romane

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 2 bis 3

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Kunst

FÜZ

  • Kulturelle Bildung
  • Politische Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783836960403

Umfang

64 Seiten

Medien

  • Buch