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Hédi Fried: Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden

Besprechung

Bei dem Buch mit dem Titel: „Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden“ handelt es sich um einen bewegenden Zeitzeugenbericht der mittlerweile 95-jährigen schwedischen Autorin und Psychologin Hédi Fried, die – zusammen mit ihrer Schwester Livi – als Einzige ihrer Familie den Holocaust überlebt hat.

Hédi Fried, die seit über 30 Jahren Schulen und Universitäten in Schweden besucht, hat in dem vorliegenden Band Fragen gesammelt, die ihr von Jugendlichen gestellt wurden. Die Fragen sind chronologisch angeordnet. Sie beginnen mit ihrem Leben und wie es dazu kommen konnte, dass Hitler die Juden hasste. Weitere Fragen betreffen ihre Zeit in Auschwitz und Bergen-Belsen, wo sie von 1944 bis 1945 gefangen war. Im letzten Teil des Buchs finden sich Fragen zu ihrer Befreiung, ihrem Leben nach dem Holocaust und zur aktuellen politischen Situation. Immer wieder betont Hédi Fried das unglaubliche Glück, das ihr widerfahren sei, das Grauen überlebt zu haben. 1924 in Sighet in Rumänien geboren und aufgewachsen, gehörte Frieds Familie zu denjenigen Juden, die erst in der letzten Phase des Kriegs in die Hände der Deutschen fielen. 1944 hat man die Familie nach Auschwitz deportiert, wo die Eltern der jungen Frau gleich nach der Ankunft ermordet wurden. Nach ihrer Befreiung 1945 zieht Hédi Fried zusammen mit ihrer Schwester nach Schweden, wo sie noch heute lebt. Auf die vielen Fragen antwortet Hédi Fried ohne Wut oder Anklage. Dabei betont sie immer wieder, dass es keine dummen Fragen gibt, auch  keine verbotenen, jedoch Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Durch ihre klar formulierten und oft sehr persönlichen Antworten bekommt man als Leser nicht nur einen lebendigen Eindruck von dem Grauen, dem Hédi Fried und ihre Schwester ausgesetzt waren, sondern auch von den unfassbaren Schikanen gegenüber den Juden im KZ und den wenigen Momenten der Hoffnung, das Lager zu überleben – alles Momente, die einem beim Lesen unter die Haut gehen. Auf die Frage, was das Schlimmste gewesen sei, was sie erlebt habe, antwortet Fried: „Der Moment, in dem ich von meinen Eltern getrennt wurde.“ Es wird aber auch deutlich, dass das, was einmal geschehen ist, immer wieder – wenn auch in veränderter Form – passieren kann. Es seien gerade die kleinen gesellschaftlichen Veränderungen gewesen, die sich damals immer mehr verdichteten, auf die die heutige Generation achten und reagieren solle. Es gehe darum, Ungerechtigkeiten, die man damals schweigend in Kauf nahm, in der Hoffnung, alles komme doch noch ganz anders, heute nicht einfach hinzunehmen, sondern sich gleich zur Wehr zu setzen. So lautet die klare Botschaft, die Hédi Fried den jugendlichen Zuhörern mit auf den Weg gibt. Und natürlich nie zu vergessen, was passiert ist!

Didaktische Hinweise

Bei „Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden“ handelt es sich um ein wichtiges und unverzichtbares Buch für alle Schulen! Die eindringliche Sprache, die klaren und gerade für Jugendliche sehr offenen Antworten helfen das Geschehene zu verstehen und liefern einen guten Anlass, zusammen mit den Schülerinnen und Schülern über den Holocaust, Antisemitismus und Rassismus zu sprechen. Ausgewählte Fragen eignen sich schon ab Klasse 5 sehr gut zum Vorlesen. Bereits hier kann man den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, wie das Leben jüdischer Familien immer stärker eingeschränkt wurde, wie diese zunehmend ausgegrenzt wurden und was es bedeutet, die Heimat verlassen zu müssen.

Booktrailer

Leseprobe

Lesung am Gymniasum Puchheim

Gattung

  • All Age
  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Biografien, Autobiografien, Porträts
  • Politik, Gesellschaft
  • Geschichte, Archäologie

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Jahrgangsstufen

5 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

FÜZ

  • Politische Bildung
  • Soziales Lernen
  • Kulturelle Bildung

Erscheinungsjahr

2019

ISBN

9783832183929

Umfang

160 Seiten

Medien

  • Buch