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Ferdinand von Schirach: Gott

Besprechung

Das Theaterstück besteht aus zwei Akten: Im ersten Akt verfolgt die/der Zuschauer/in eine fiktive Sitzung des Deutschen Ethikrats. Besprochen wird der Fall Richard Gärtner, der beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein Medikament beantragt hat, um sich damit das Leben zu nehmen. Nach Ablehnung durch das Bundesinstitut wandte er sich an seine Hausärztin und bat um Beihilfe bei seinem Suizid. Die Vorsitzende ruft nacheinander die Sachverständigen auf, die den Fall aus ihrer Sicht bewerten: einen Vertreter der katholischen Bischöfe, eine Rechtswissenschaftlerin und einen Vertreter der Bundesärztekammer. Sie alle werden sowohl vom Rechtsanwalt von Richard Gärtner als auch von einem langjährigen Mitglied des Ethikrats, einer Medizinerin, befragt. Ziel ist es, eine ethische Positionierung durch die Zuschauer*innen anzustoßen. Rechtlich wurde mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar 2020 klar entschieden, dass das Recht auf Selbstbestimmung jedes Menschen auch den wohlüberlegten Suizid umfasst. Nach den Schlussplädoyers des Anwalts und der Vertreterin des Ethikrats endet der erste Akt mit dem Aufruf der Vorsitzenden an die Zuschauer*innen, sich eine Meinung zu bilden und danach Abzustimmen: „Halten Sie es für richtig, dass Herr Gärtner Pentobarbital bekommt, um sich töten zu können?“ Zu Beginn des knappen zweiten Aktes wird das Abstimmungsergebnis durch die Vorsitzende verkündet und der Anwalt und die Vertreterin des Ethikrats halten ihre Schlussplädoyers.

Didaktische Hinweise

Dieses Theaterstück ist auf hervorragende Weise dazu geeignet, mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe eine ethische Diskussion zu führen. Denkbar wäre es z.B. verschiedene Aspekte von verschiedenen Schülerinnen und Schülern bearbeiten zu lassen, die diese dann in einem Padlet online präsentieren:

  • Synopse zu den verschiedenen Arten von Sterbehilfe und deren aktuelle juristische Bewertung in Deutschland
  • Geschichte der Begrifflichkeiten „Euthanasie“, „Sterbehilfe“, „Selbstmord“, „Selbsttötung“, „Freitod“
  • Handhabung des Themas in anderen europäischen und nicht-europäischen Ländern
  • Argumentationslinie der katholischen Kirche
  • Argumentationslinie der Bundesärztekammer
  • Argumentationslinie der Rechtswissenschaften
  • Argumentationslinie des Anwalts
  • Vorstellung des „Dammbruch-Arguments“ in einer ethischen Diskussion
  • Schriftliche Erörterung der Wahl des Titels des Theaterstücks „Gott“

Unbedingt sollte auch im Anschluss an die Analyse und Bewertung der unterschiedlichen Argumente eine klasseninterne Abstimmung vorgenommen und diskutiert werden. Denkbar wäre eine garantiert anonyme Abfrage auch über die QR-Codes der App „Plickers“.

Das Münchener Residenztheater hat das Stück auch in seinen Spielplan für die Saison 2020/21 aufgenommen (Regie: Max Färberböck). Es besteht auch die Möglichkeit, eine Verfilmung des Theaterstücks anzuschauen (Regie: Lars Kraume).

Gattung

  • Dramen

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 10 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Philosophie
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

FÜZ

  • Politische Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783630876290

Umfang

153 Seiten

Medien

  • Buch
  • Film
  • E-Book
  • Hörbuch