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Lara Schützsack: Und auch so bitter kalt

Besprechung

Auch bei diesem Buch erscheint auf den ersten Blick alles klar zu sein, wenn man den Plot liest: Lucinda ist magersüchtig und ihre Eltern kommen damit nicht klar. Noch weniger klarkommen kann Malina, ihre jüngere Schwester, aus deren Perspektive der Roman geschrieben ist. Und hier beginnt das Besondere: Malina, die als Puffer zwischen den Eltern und ihrer großen Schwester steht, diese aber anhimmelt und ihr eng verbunden bleibt, auch als Lucinda immer mehr in ihre eigenen Welten abdriftet, diese Malina ist die eigentliche Heldin des Romans. Wenn sie erzählt, bleiben Leerstellen offen, nicht immer weiß der Leser ganz genau, was er von Malinas Sicht auf die Konflikte halten soll. Klar ist: Lucinda ist ein ganz besonderes Mädchen, schön, lebenshungrig, kalt im Umgang mit anderen, faszinierend für Jungen, die sie dann aber fallenlässt wie Jarvis, den Nachbarjungen, der sich schließlich erhängt und mit seinem Selbstmord auch ihren endgültigen Ausstieg aus der Welt und den Abstieg in die Annorexie provoziert. Besonders fasziniert hat mich die Beschreibung der hilflosen Eltern, wenn auch diese Hilflosigkeit ins fast Irreale übersteigert ist. Malina zeigt, wie sich die beiden immer noch um sich selbst drehen, als Lucinda dringend ihre Zuwendung braucht. Besonders die Mutter steht sich dabei selbst im Weg, wenn sie die Tochter unter Druck setzen möchte, dies aber nicht wirklich konsequent verfolgt.

Der Roman ist der Debütroman einer jungen Autorin, die schon Drehbücher geschrieben hat. Dies merkt man dem Text an, seine besonderen Stärken sind die Darstellung von einzelnen Szenen, die eindrücklich im Gedächtnis bleiben.

Didaktische Hinweise

„Und auch so bitter kalt“ ist sicher eher etwas für Mädchen, die sich mit Malina oder Lucinda identifizieren und sich auf die psychologisch dichte und immer wieder atemberaubend knisternde Atmosphäre in dieser Familie einlassen können. Handlung hat der Roman kaum zu bieten, aber eine faszinierend spannende Sprache und eine sehr genaue Beobachtung dessen, was Pubertät ausmacht. Dies alles macht den Roman nur bedingt geeignet als gemeinsame Klassenlektüre, er ist aber ein guter Tipp, den LehrerInnen gern an literaturinteressierte und sensible LeserInnen weitergeben können. Die Altersangabe der Verlagswerbung („ab 12“) teile ich nicht. Hier werden sich eher reifere Jugendliche angesprochen fühlen.

Alle hier rezensierten Werke von Lara Schützsack

Gattung

  • Romane

Eignung

in Auszügen geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 8 bis 11

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2014

ISBN

9783596856190

Umfang

176 Seiten

Medien

  • Buch