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Kjersti A. Skomsvold; Olivia Vieweg (Illustr.): Lisa mit einem Herz drum rum

Besprechung

Mit „Lisa mit einem Herz drum rum“ gelingt der norwegischen Autorin Kjersti A. Skomsvold ein leiser und zugleich tief berührender Kinderroman über das Anderssein, über Selbstzweifel und den Mut, sich treu zu bleiben. Die Geschichte greift Themen wie Sprachlosigkeit, Unsicherheit und Ausgrenzung behutsam auf, ohne das Anderssein der Protagonistin zu problematisieren – es wird einfach aus ihrer Perspektive erzählt. Gerade dieser Aspekt macht die Geschichte und damit auch ihre Hauptfigur Lisa so glaubwürdig.

Lisa empfindet sich als das Gegenteil ihrer Zwillingsschwester Vera: Während Vera offen auf ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zugeht, mit ihnen spielt und beliebt ist, bleibt Lisa außen vor, versteht den Sinn der Spiele in der Pause nicht und bleibt deswegen einfach lieber allein. Worte bleiben ihr oft im Hals stecken – nicht, weil sie nichts zu sagen hätte, sondern weil das Sprechen für sie eine Hürde ist. In ihrer inneren Welt jedoch ist sie alles andere als stumm. Dort denkt sie klug, beobachtet genau und liebt vor allem eines: die Mathematik. Zahlen geben ihr Halt in einer Welt, die ihr unverständlich erscheint. Besonders die Fibonacci-Folge, die ihr Vater ihr erklärt, wird zu einem roten Faden der Geschichte. Sie steht für Ordnung, Wachstum und die leise Schönheit, die sich sowohl in der Natur als auch in Lisas eigener Entwicklung finden lässt.

Bewegung kommt in Lisas Leben, als sie entdeckt, dass ihr Klassenkamerad Jonas ihren Namen in sein Heft geschrieben und mit einem Herz umrahmt hat. War es ein Scherz? Ein Versehen? Oder vielleicht doch Zuneigung? Für Lisa wird dieses Herz zu einem Rätsel, das sie mit derselben analytischen Neugier zu lösen versucht wie eine mathematische Aufgabe. Dabei beginnt sie, sich nicht nur mit Jonas, sondern auch mit sich selbst auseinanderzusetzen. Die vorsichtige Annäherung der beiden ist zart, glaubwürdig und voller leiser Spannung.

Die Perspektive, aus der Kjersti A. Skomsvold Lisa erzählen lässt, ist authentisch. Man fühlt mit Lisa, leidet mit ihr, schmunzelt über ihre Gedankengänge und hofft, dass sie den Mut findet, ihre Stimme zu erheben. Die Sprache ist klar und zugleich poetisch, die Kapitel sind überschaubar – ideal für Leserinnen und Leser ab etwa 9 oder 10 Jahren und für schwächere Lesende, aber ebenso berührend für Erwachsene.

Die feinen und einfühlsamen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Olivia Vieweg ergänzen den Text stimmig. Teilweise comicartig gestaltet, fangen sie Lisas Gefühlswelt ein und schaffen zusätzliche Zugänge zur Geschichte. Es werden Lisas Gedanken oder Handlungen visualisiert und begleiten die Lesenden so auch optisch gelungen durch die Handlung. 
Dieses Buch ist ein einfühlsames Mut-mach-Buch. Es zeigt, dass Stärke nicht laut sein muss, dass Zahlen Trost spenden können und dass Veränderung möglich ist, ohne sich selbst zu verlieren. Lisa wächst nicht, indem sie sich anpasst, sondern indem sie lernt, sich selbst zu vertrauen. Eine berührende, kluge und warmherzige Geschichte über Individualität, erste Gefühle und den Mut, den eigenen Platz in der Welt zu finden.

Didaktische Hinweise

Das Buch eignet sich hervorragend als Klassenlektüre, da es sowohl Gesprächsanlässe zu emotionalen Themen bietet als auch fächerübergreifende Impulse ermöglicht. Besonders für ruhige oder zurückhaltende Kinder kann Lisas Geschichte stärkend und identitätsbildend wirken.

Das Buch bietet viele unterschiedliche Themenbereiche, mit welchen man sich im Unterricht auseinandersetzen kann.

Mathematik in der Natur entdecken – Die Fibonacci-Folge (FüZ: Mathematik): Lisa beschäftigt sich im Buch immer wieder mit der Fibonacci-Folge. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten anhand Lisas Aussagen und Erklärungen aus dem Buch die Fibonacci-Folge und suchen anschließend in der Natur Beispiele dafür, z.B. Gänseblümchen, Apfelkerne, Tannenzapfen oder Blütenblätter. So wird Neugierde auf Zahlenmuster geweckt, die die Schülerinnen und Schüler mit der Lehrkraft im Mathematik-Unterricht weiterführen können.
Gefühle und Kommunikation: Lisa bleibt in der Pause lieber für sich und beschäftigt sich mit Zahlen, sie kommuniziert und spielt nicht mit Ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. Im Unterrichtsgespräch sprechen die Schülerinnen und Schüler über Lisas Verhalten und ihre Beweggründe. Sie beschreiben Situationen, in es Lisa schwerfällt, mit den anderen, auch mit ihrer Zwillingsschwester zu sprechen. Die Schülerinnen und Schüler überlegen sich gemeinsam, wie man damit umgehen kann und können so Lisas Herausforderung besser verstehen.
Anderssein und Selbstbild (FüZ: Jugendsozialarbeit): Im Unterrichtsgespräch kann man Lisas, aber auch Jonas` Verhaltensweisen thematisieren. Was bedeutet „normal sein“/ „anders sein“? Gibt es das überhaupt? Anschließend schreiben oder malen Schülerinnen und Schüler, was sie an sich selbst besonders finden. Wer sich traut, kann die Ergebnisse auch in der Klasse vortragen. Abschließend sollte die Frage „Wie können wir als Klasse mit Unterschieden gut umgehen?“ thematisiert werden. Hier bietet sich auch die Zusammenarbeit mit der Jugendsozialarbeit der Schule an.
Klassenplakat: „So gehen wir miteinander um“: Klassenregeln erarbeiten, die auch stillere und zurückhaltendere Mitschüler und Mitschülerinnen einbezieht und ermutigt.

Kreative Ideen:
Rollenspiel: Wie fühlt es sich an, wenn man etwas sagen will, aber nicht kann? Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit Situationen aus dem Anfang des Buches, in welchen Lisa nach außen sprachlos bleibt. In einem zweiten Schritt überlegen sie sich, wie Lisa sich im zweiten Teil des Buches verhalten würde und spielen diese Situation in der Klasse vor.
Tagebuchprojekt: Schülerinnen und Schüler schreiben Lisas Gedanken in bestimmten Situationen weiter und tragen ihre Ideen der Klasse vor.
Brief: Schülerinnen und Schüler schreiben einen Brief aus Jonas’ Sicht an Lisa.
„Mut-Steine oder -Plakate“: Steine oder auch kreisförmig gestaltete Plakate optisch ansprechende gestalten und mit stärkenden Worten oder Sätzen beschriften und an Mitschülerinnen, Mitschüler, Freunde oder Familienmitglieder verschenken.
Bildgestaltung (FüZ: Kunstlehrkraft): 
- Inspiriert von Olivia Viewegs Bildern gestalten die Kinder neue Bilder, zur Lektüre oder erfinden neue Szenen und illustrieren diese. 
- Die Kinder gestalten eine Blume mit ihren eigenen Eigenschaften, Stärken und Besonderheiten. Diese Plakate eignen sich hervorragend am Beginn des Schuljahres in einer neu zusammengesetzten Klasse, um die neuen Mitschülerinnen und Mitschüler besser kennenzulernen. 
 

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 4 bis 4

Fächer

  • Deutsch
  • Familien- und Sexualerziehung
  • Ethik/Religionslehre (ev)
  • Mathematik
  • Psychologie

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Familien- und Sexualerziehung
  • Kulturelle Bildung
  • Soziales Lernen
  • Sprachliche Bildung
  • Technische Bildung

Erscheinungsjahr

2025

ISBN

9783522188487

Umfang

123 Seiten

Medien

  • Buch