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Wolfgang Herrndorf: Tschick

Besprechung

Maik ist 14 und hat eben die siebte Klasse hinter sich gebracht. Er lebt in Berlin, die (nette) Mutter ist Alkoholikerin und wieder einmal auf Entzug, der Vater ist mit seiner attraktiven Assistentin unterwegs. Vor Maik liegen öde Sommerferien, trotz Pool, Essensvorräten und 200 Euro. Außerdem ist er nicht zu Tatjanas Geburtstag eingeladen, fast als einziger, und das schmerzt ihn bitter, wie er sich auch sonst als zu wenig cool und angesagt fühlt. Beim Lesen ist man da allerdings anderer Meinung: Maik ist ein witziger, sensibler Junge mit Gefühl und Verstand. Offensichtlich mag ihn auch Tschick, der sonderbare Junge aus Russland, um den ein Hauch von Russenmafia schwebt. Auf jeden Fall kommt es dazu, dass die beiden mit einem geklauten Lada Niva losfahren, Richtung Walachei, zu Tschicks Großvater, allerdings ohne jede Ahnung, wo die Walachei liegt. Aber das ist auch egal, denn der Weg ist das Ziel: Maik lernt Autofahren, es gibt aberwitzige Szenen der Benzinbeschaffung, und die beiden erkunden unbekannte Orte (verlassene Tagebaugebiete, einen Berggipfel, eine Müllkippe) und treffen (auch erotisch) interessante Menschen. Einen Unfall muss es praktisch geben, aber aus alledem ist wirklich eine wunderbare Freundschaft entstanden und Maik erkennt, dass die Welt viel weniger schlecht ist, als man ihm immer gesagt hat.

Didaktische Hinweise

Das hochgelobte und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 nominierte Buch ist tatsächlich von großer Warmherzigkeit und voll skurriler Einfälle, sowohl sprachlich als auch von der Figurenzeichnung her witzig und überzeugend. Die Anschaffung für die Schulbibliothek wird unbedingt empfohlen, es ist anzunehmen, dass dieses Buch eine gern gelesene Lektüre werden wird. Auch bestens geeignet als Ganzschrift für den Unterricht! Vergleiche mit Mark Twains jugendlichen Helden Tom Sawyer und Huckleberry Finn bieten sich an, ebenso mit Salingers „Fänger im Roggen“.

Für die Besprechung im Unterricht bieten sich folgende Arbeitsaufträge an:

  • Charakterisiert Maik und seine Familie.
  • Wieso sind Maik und Tschick beide Außenseiter, wieso ergänzen sie sich so gut? (wohlstandverwahrloster, uncooler, sensibler Maik, heruntergekommener, oft betrunkener Tschick mit der Aura des Gefährlichen/ beide sind kluge Individualisten, Tschick ermutigt den ängstlicheren Maik und gibt ihm Rückendeckung, er erfährt seinerseits Zuverlässigkeit und Beständigkeit.)
  • Welche Mutproben gibt es in dem Buch? (Fahren ohne Führerschein, Abliefern der Zeichnung bei Tatjana, Naturerlebnisse, der verrückte Soldat etc.)
  • Die Menschen sind gar nicht so schlecht, das ist für Maik eines der Ergebnisse dieser Fahrt. Macht eine Aufstellung dieser „guten“ Menschen, denen die beiden auf ihrer Reise begegnen. Erklärt auch, was an ihrem Verhalten jeweils gut ist. (z. B. Isa, die Sprachtherapeutin, der Arzt, die Polizisten)
  • Maik ist auch deshalb so sympathisch, weil er ehrlich ist und darauf verzichtet, sich als toller darzustellen, als er ist. Zeigt das an entsprechenden Textstellen auf. (Er hat z. B. Angst vor Isas freizügigem Angebot auf S. 171 und verzichtet, obwohl es ihn eigentlich reizt.)
  • Analysiert einzelne Textstellen, z. B. das Gespräch, in dem Tschick Maik überredet, Tatjana die Zeichnung zu bringen (S. 89 f.). (geduldig-hartnäckige Vorstöße Tschicks, Ausflüchte und Zurückweichen bei Maik, entschiedenes Durchsetzen von Tschicks Idee, Dankbarkeit bei Maik)
  • Analysiert Maiks und Tschicks Sprache.
  • Diskutiert, ob man das Buch in zehn Jahren noch lesen wird. (Ja, man wird das Buch noch lesen, denn es geht um zeitlose Themen wie Freundschaft, Mut, Überwindung von Einsamkeit, jugendliches Lebensgefühl, Naturerlebnisse; nein, das ist unwahrscheinlich, denn die Sprache ist zu zeitgebunden ebenso wie die Versatzstücke gegenwärtiger Jugendkultur dann unbekannt sein werden)
  • Zeichnet eine Karte (ausgehend von den spärlichen Angaben im Buch) mit den wichtigsten Stationen der inneren und äußeren Handlung. Illustriert diese Karte.
  • Vergleicht den Text mit Mark Twains Büchern Tom Sawyer und Huckleberry Finn.- Das Buch wird als Roadmovie bezeichnet. Erklärt diesen Begriff.
  • Macht eine Übersicht der „Geschichten in der Geschichte“, die in diesem Buch vorkommen.
  • Kritiker haben bei dem Buch Anklänge an den romantischen Dichter Eichendorff festgestellt. Informiert euch über diese Literaturepoche und Joseph von Eichendorffs Buch „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Stellt Zusammenhänge her. (Naturerlebnis, verzaubert-unwirkliche Orte, Suche etc.)
  • Freundschaft spielt in dem Buch eine große Rolle. Erstellt eine Skizze dazu, wie sie hier entsteht und was sie ausmacht.

Alle hier rezensierten Werke von Wolfgang Herrndorf

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 8 bis 13

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Kulturelle Bildung
  • Soziales Lernen
  • Sprachliche Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783499256356

Umfang

256 Seiten

Medien

  • Buch