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Hermann Vinke: Das kurze Leben der Sophie Scholl

Besprechung

Was bewegt eine junge Studentin, die gerade – im Mai 1942 – ihr Studium an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität begonnen hatte, sich gegen den Staat aufzulehnen? Deutschland befand sich zu der Zeit im Kriegszustand und Sophie Scholl wusste, wenn sie sich gegen den Krieg ausspricht, kann es für sie gefährlich werden. Um zu verstehen, wie diese lebensbejahende und doch gleichzeitig in sich gekehrte Frau gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl und weiteren Freunden wie u.a. Alexander Schmorell oder Christoph Probst die Widerstandsbewegung Weiße Rose gegründet hat, hat sich Hermann Vinke auf den Weg gemacht, die Beweggründe für Sophie Scholls Handeln zu nachzuvollziehen. Dabei zeichnet er das Bild eines prinzipientreuen Menschen, der aufgrund seiner Herkunft, seines Bildungsweges und seines Charakters gar nicht anders konnte, als sich gegen die vom nationalsozialistischen Hitler-Regime ausgehende Ungerechtigkeit mit dem aus seiner Sicht einzig möglichen Mittel des Widerstandes in Form der Weißen Rose zu wehren. Der Autor nutzt dabei verschiedene Quellen, um der Persönlichkeit von Sophie Scholl behutsam näherzukommen. Er wertet ihre Tagebuchaufzeichnungen aus, untersucht die Briefe an Fritz Hartnagel, ihrem Freund und Verlobten, und kann als großes Plus auf die Gespräche mit den überlebenden Schwestern von Sophia Scholl, Inge Aicher-Scholl und Elisabeth Hartnagel, geboren Scholl, zurückgreifen. Weitere Freunde und Freundinnen sowie Weggefährten kommen ebenfalls zu Wort. Am Ende findet sich ein Interview mit Ilse Aichinger, die die Schwestern Scholl dabei unterstützt hat, „aus den Erfahrungen und Opfern etwas aufzubauen, was in die Zukunft weist“ (S. 208). Aus der Vielzahl der Quellen gelingt es dem Autor sehr berührend und eindringlich, Sophie Scholl in die Gegenwart zu holen: Er zeigt ihre tief verwurzelte Liebe zur Natur, die schon das Kind Sophie geprägt hat. Gleichzeitig zeigt er uns eine belesene und tiefgründige Sophie, die stets – auch schon in ihren Mädchenjahren – von einem unbändigen Drang nach Gerechtigkeit durchdrungen war, was er an Szenen aus dem Familienleben der Scholls oder aus den Erinnerungen ihrer Schulkameradinnen darstellt. Bilder und vor allem auch Zeichnungen von Sophie Scholl – sie war eine begabte Zeichnerin – unterstützen den Autor dabei. Hermann Vinke ist es ein großes Anliegen, besonders jugendlichen Leserinnen und Lesern die Zeit des Nationalsozialismus und des Widerstandes zu veranschaulichen und setzt dies auch als preisgekrönter Sachbuchautor in seinen Werken über Carl von Ossietzky oder auch über Fritz Hartnagel fort.

Didaktische Hinweise

Obwohl dieses Sachbuch bereits vor längerer Zeit erschienen ist, ist es in heutigen Zeiten umso wichtiger, sich an Sophie Scholl zu erinnern. Mit Blick auf die Biographie der jungen Sophie gewinnt dieses Thema aber auch deshalb an Aktualität, da Sophie Scholls letzte überlebende Schwester, Elisabeth Hartnagel, im Februar 2020 gestorben ist. Schülerinnen und Schüler können anhand der großzügigen Quellenlage herausfinden, wie es dazu kommt, dass man seine Werte in unmenschlichen Zeiten verteidigen muss und welchen Preis man dafür bereit zu zahlen ist. Durch die Einteilung in überschaubare und vom Layout her abwechslungsreich gestaltete Kapitel kann man den Lebensweg von Sophie Scholl schülernah und mit Blick auf die Methodik vielfältig aufbereiten. Es böten sich im Rahmen einer Projektarbeit auch Vergleichsmöglichkeiten mit dem Leben der Autorin Judith Kerr an, deren Schicksal eine ganz andere Wendung genommen hat und die ihre eigenen Erfahrungen mit den Nationalsozialisten und ihrem Leben im Exil in drei Bänden niedergeschrieben hat (Als Hitler das rosa Kaninchen stahl; Warten, bis der Frieden kommt; Eine Art Familientreffen). Auch Bezüge zum Leben von Anne Frank ließen sich herstellen. Das kurze Leben der Sophie Scholl ist ein wichtiger Bestandteil für jede Schul- bzw. Klassenbibliothek. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und der Buxtehuder Bulle. 

Gattung

  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Biografien, Autobiografien, Porträts
  • Geschichte, Archäologie
  • Politik, Gesellschaft

Eignung

themenspezifisch geeignet

Jahrgangsstufen

8 bis 10

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

FÜZ

  • Kulturelle Bildung
  • Politische Bildung
  • Werteerziehung
  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

1987

ISBN

9783473580118

Umfang

219 Seiten

Medien

  • Buch