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Maya C. Klinger; Isabel Kreitz (Illustr.): Wie ein Foto unser Leben rettete

Besprechung

In diesem nach einer wahren Geschichte verfassten Kinderroman geht es um Gavra Mandil. Er lebt mit seiner Familie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Novi Sad, damals Jugoslawien. Wir lernen Gavra kennen, als er fünf Jahre alt ist und mit seiner Schwester Irene, genannt Beba, eine unbeschwerte Kindheit verlebt. Gavrils Eltern sind Fotografen und führen gemeinsam ein Fotostudio dort. Kunden kommen in das Fotostudio, um sich zu besonderen Anlässen fotografieren zu lassen. Gavras Vater fotografiert mitunter auch seine Kinder und stellt die mal lustigen, mal festlichen Bilder in das Schaufenster seines Geschäfts, um potentielle Kunden anzulocken. Eines Tages ändert sich das ruhige und beschauliche Familienleben, als während eines Besuchs bei der Oma in Belgrad die Stadt bombardiert wird. Nachdem sie den Angriff überlebt haben, wird ihnen die Rückkehr nach Novi Sad verwehrt und die jüdische Familie erfährt am eigenen Leibe, wie die Juden drangsaliert werden. Nachdem allen Juden die Deportation in ein Arbeitslager droht, will Gavras Vater mit seiner Familie Fahrkarten kaufen, um mit dem Zug nach Pristina zu fahren und der Gefahr in Belgrad zu entfliehen. Die Familienmitglieder ändern ihre jüdisch klingenden Namen und die beiden jungen Kinder müssen sich an einen neuen Nachnamen gewöhnen. Damit sie nicht bei der Passkontrolle auffallen, schärfen die Eltern ihren Kindern ein, sich unauffällig zu verhalten. Aber dennoch werden sie von einem deutschen Offizier aufgefordert auszusteigen. Gavras Vater versucht dem Offizier zu erklären, dass sie keine Juden seien. Gavra versteht überhaupt nicht, warum sein Vater diese Lüge erzählt, aber er sagt nichts. Um den Offizier zu überzeugen, zeigt Gavras Vater ein Foto von seinen Kindern, wie sie unter dem Weihnachtsbaum stehen. Das überzeugt den Offizier und die Familie darf wieder einsteigen. Die Erleichterung ist groß. Doch Pristina ist nur eine Station auf ihrer gefährlichen Flucht und im weiteren Verlauf des Krieges riskiert die Familie es, bis nach Albanien zu fliehen. In diesem Land erfährt Gavra, dass die Albaner, meist Muslime, ihnen helfen, obwohl sie Juden sind. Die Religion spielt für die Menschen dort keine Rolle, wichtig ist, sich gegenseitig zu unterstützen. So kommen sie zu einer albanischen Familie, die sie auf ihrem Bauernhof versteckt. Auf diese Weise wird das Leben von Gavra und seiner Familie gerettet. Im abschließenden Nachwort wird beschrieben, wie die Familie nach dem Ende des Krieges zuerst nach Belgrad und dann nach Novi Sad zurückkehrt. Später wandert die Familie nach Israel aus. 

Didaktische Hinweise

Ein Buch von besonderem Wert: Der Autorin gelingt es, dieses schwere Thema für ihre jungen Leserinnen und Leser behutsam darzustellen. Dies schafft sie dadurch, dass sie uns die Welt mit Gavras Augen sehen lässt und so ist die Leserschaft ganz nah dran, wenn es darum geht, wie Gavra und seine Familie die Zeit des Zweiten Weltkriegs überleben. Gleich zu Beginn wird klar gemacht, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Dies wird im Verlauf der Erzählung durch das Einbinden von Familienfotos unterstrichen. Das ist zugleich auch ein erster Ansatzpunkt für die Besprechung im Unterricht. Wie gelingt es Familie Mandil zu überleben, wenn sie ständig auf der Flucht sind? Dabei ist das Erreichen von Albanien mit der Hoffnung auf ein Ende der Flucht ein selten erzähltes Kapitel in Geschichte der Judenverfolgung. Klingers klare und schnörkellose Sprache – aus dem Hebräischen behutsam von Gundula Schiffer übersetzt - berührt, ohne dabei jemals ins Sentimentale abzugleiten. Diese Geschichte spricht Jungen wie Mädchen gleichermaßen an, da mit Gavras Schwester Beba ihm eine Figur an die Seite gestellt wird, die die Gefühle und Ängste der Figuren spiegelt und mit ihrem Mut trotz ihres jungen Alters hilft. Die Besprechung im Unterricht kann fortgeführt werden, indem man Vermutungen über den Inhalt anhand des aufwendig und ansprechend gestalteten Covers anstellt. Im weiteren Verlauf können wichtige Stellen des Buches im Unterrichtsgespräch beispielsweise durch lautes Lesen bzw. Vorlesen hervorhoben werden, was auch eine Lenkungsmöglicheit für die Lehrkraft darstellt, um den Hintergrund der Geschichte zu erläutern. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit, im Unterrichtsgespräch ihr mögliches Wissen von der Thematik einzubringen, was besonders bei Gruppen mit Kindern, die einen Flucht- und Migrationshintergrund haben, denkbar wäre. Auch könnte man in Gruppenarbeit die Flucht der Familie nachzeichnen und die unterschiedlichen Stationen nachverfolgen und beispielsweise mit Hilfe einer Mindmap visuell gestalten. Abschließend könnten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen in die Rolle von Gavra oder Beba schlüpfen und ihre Geschichte weitererzählen oder weiterschreiben. Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden die Ziele 3, 10 und 16 (SDGs) angesprochen.

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 5 bis 6

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (ev)

FÜZ

  • Kulturelle Bildung
  • Politische Bildung
  • Soziales Lernen
  • Verkehrserziehung

Erscheinungsjahr

2025

ISBN

9783458644934

Umfang

125 Seiten

Medien

  • Buch