Charlotte Inden; Henrike Wilson (Illustr.): Dear Santa - als der Weihnachtsmann plötzlich zurückschrieb
Besprechung
Der weiße Bart und die tiefe Stimme, das verwunschene Haus mit dem großen Garten und einem Stall, in dem ganz sicher Rentiere leben, lassen die zehnjährige Lucie im festen Glauben, dass neben ihr der Weihnachtsmann wohnt. Das Mädchen ist mit ihren Eltern und den großen Geschwistern Sue und Charlie von England nach Deutschland gezogen, da ihre Mutter eine Anstellung an einer deutschen Hochschule bekommen hat. Und weil Lucie einige wichtige Herzensthemen für ihren Weihnachtswunschzettel hat, trifft es sich ganz gut, dass sie nur zum Nachbarhaus laufen muss, um ihren Wunschzettel loszuwerden. Lucie wünscht sich keine materiellen Dinge, sondern vor allem, dass ihr Papa wieder glücklich wird, da er in einer tiefen Traurigkeit steckt, seitdem sie von England weggegangen sind. Außerdem gibt es noch ihre Klassenkameradin Lotti, deren Freundin Lucie so gerne werden möchte. Ihre Alltagssorgen aus Familie und Schule schreibt Lucie in kurzen Briefen auf und wirft sie regelmäßig in „Santas Briefkasten” am Nachbarhaus. Als zu ihrer Überraschung plötzlich ein Brief zurückkommt, entwickelt sich eine geheimnisvolle Brieffreundschaft zwischen ihr und „Santa”. Tatsächlich erklärt ihr Nachbar in zahlreichen Nachrichten auf liebevolle und teils humorvolle Weise, dass er weder „Santa”, noch ein rentierreitender Wunscherfüller aus dem Himmel ist. Aber wer ist er wirklich? Kann es sein, dass er Lucie viel besser kennt und versteht, als sie glaubt? Auch, wenn der wirkliche Absender für Lucie lange Zeit ein Geheimnis bleibt, erfüllen seine Briefe ihren Zweck: sie bringen Lucie zum Nachdenken und schlussendlich fasst sie den Mut, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Sie traut sich, in der Schule auf Lotti und ihre Clique zuzugehen, und sie findet heraus, was Papa wirklich braucht. Am Ende der Geschichte weiß Lucie, dass Weihnachten viel mehr ist als ein Fest des Schenkens, sondern ein Fest der Nähe, des Mutes und der Hoffnung.
Didaktische Hinweise
Humorvoll, aber auch empathisch und spannend geschrieben ist die Geschichte von Lucie und ihrer speziellen Brieffreundschaft mit „B”, den sie durchgehend „Santa” nennt. Sie eignet sich aufgrund der klaren, kindgerechten Handlung sehr gut als Klassenlektüre für den Einsatz ab der 4. Klasse. Die dialogartige Briefform mit dem häufigen Perspektivwechsel lockert den Gesamttext auf und beinhaltet kurze und längere Passagen, so dass auch schwächere Lesende nicht überfordert, sondern sogar eher zum Weiterlesen motiviert werden. Das Textverständnis unterstützen zahlreiche farbige und sehr ansprechende Illustrationen von Henrike Wilson. Inhaltlich ist das Buch keine typische Weihnachtsgeschichte, es bietet sich allerdings an, es in der Vorweihnachtszeit zu lesen. Als Einstieg in die Thematik des Buches eignen sich Gespräche über eigene Wünsche oder Wunschzettel. Die Lesenden könnten ihre Anliegen in materielle und immaterielle Wünsche sortieren. Besonders im Ethik- und Religionsunterricht lässt sich über die Qualität von Wünschen philosophieren. Inhaltlich geht es vorwiegend um die Themen Freundschaft, Geschwisterbeziehungen, erstes Verliebtsein und den Mut, selbst Veränderungen zu wagen. Lucie bietet dabei mit ihren Alltagsproblemen aus Schule und Familie genug Identifikationspotential für Heranwachsende.
Für die Lektüre des Buches im Deutschunterricht gibt es unterschiedliche Aufgaben zur Erstellung eines Leseheftes/Lesetagebuches im Anhang.
Gattung
- Romane
Eignung
sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum VorlesenAltersempfehlung
Jgst. 4 bis 6Fächer
- Deutsch
Erscheinungsjahr
2022ISBN
9783446274310Umfang
172 SeitenMedien
- Buch