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Gill Lewis: Im Zeichen des weißen Delfins

Besprechung

Kara lebt mit ihrem Vater bei Tante Bev, Onkel Tom und Cousine Daisy in bescheidenen Verhältnissen an der englischen Atlantikküste. Die Männer sind Fischer, doch die Fanggründe sind nicht mehr ergiebig. Beherrschend in der Gemeinde ist Toms Arbeitgeber Doug Evans. Der will das Meer weiter ausbeuten, auch wenn dabei das Riff vor dem Küstenort zerstört wird. Gleichzeitig nimmt er beim Fischen keine Rücksicht auf Delfine. Nur noch kurze Zeit gilt ein Schleppnetzfangverbot, für das sich Karas Mutter, eine Meeresbiologin, eingesetzt hat. Bei einem Projekt zur Rettung der Delfine ist sie vor einem Jahr weit weg von ihrer Heimat verschwunden und Kara und ihr Vater wissen nicht, was ihr zugestoßen ist. Kara hat die Liebe zu den Delfinen von ihr übernommen. Sie findet einen verletzten Delfin, ein weißes Kalb. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass das Jungtier nicht eingeschläfert, sondern gesund gepflegt und wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Auch eine große Aktion, die ihre Schule zusammen mit der „Marine Life Rescue“ gegen die Aufhebung des Schleppnetzfangverbots durchführt, scheint zunächst erfolgreich, kann die Zerstörung des Riffs aber nur vorübergehend aufhalten. Weil es sie an ihre Mutter erinnert, sind für das Mädchen das elterliche Boot „Moana“ und die Segelausflüge mit ihrem Vater besonders wichtig. Doch aus finanziellen Gründen muss ihr Vater es verkaufen, ausgerechnet an Doug Evans. Dessen Sohn Jake und sein Freund Ethan, Karas Mitschüler, machen ihr das Leben zusätzlich schwer. Unterstützt wird Kara in ihren Anstrengungen dagegen von Felix, einem behinderten Jungen, und dessen Vater. Erst als Kara und Felix ihren Gegenspielern Jake und Ethan im Sturm auf See das Leben retten, gelangt Doug Evans zur Einsicht. Am Ende ist sich Kara gewiss, dass ihre Mutter tot ist. Doch sie hat das Werk ihrer Mutter weitergeführt. Die Hauptfigur wird als unangepasstes junges Mädchen gezeichnet, das ohne Rücksicht auf entstehende Nachteile ihrem Gefühl folgt und das Richtige tut. Die Traurigkeit und Verzweiflung dieser starken Mädchenfigur heben sich deutlich von Selbstmitleid ab. Gerade weil die Ich-Erzählerin auf Jammern und Wehleidigkeit verzichtet, berührt diese Geschichte den Leser. Der KinderRoman ist vielschichtig angelegt. Entlang der Handlung nimmt der Leser sorgfältig recherchiertes Wissen auf über Umweltschutz, Reichtum und Gefährdung des Meeres, Delfine und andere Tiere sowie das Segeln. Einfühlsam wird das menschliche Zusammenleben beschrieben, der unterschiedliche Umgang mit Schicksalsschlägen, mit Behinderung und Tod, aber auch der Einfluss ökonomischer Faktoren auf das Denken und Handeln. Im Anhang reflektiert die Autorin über den Schreibprozess zu diesem Buch, fasst „Die zwölf faszinierendsten Tatsachen über Delfine“ zusammen und verweist auf Webseiten, auf denen sich Kinder weiter zum Thema informieren können. Abgesehen von der Umschlaggestaltung wird auf Illustrationen verzichtet. Ein sehr empfehlenswertes Buch für Kinder ab zehn Jahren.

Didaktische Hinweise

Auch wenn die Hauptperson weiblich ist, handelt es sich hier nicht um ein ausgesprochenes Mädchenbuch. Auch Jungen, die sich für Tiere und Naturschutz interessieren, werden von der spannenden Handlung angesprochen. In entsprechenden Projekten zum Naturschutz kann der Roman eine geeignete ergänzende Lektüre zu Sachbüchern sein.

Alle hier rezensierten Werke von Gill Lewis

Gattung

  • Romane

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 4 bis 6

Fächer

  • Biologie
  • Deutsch
  • HSU

Erscheinungsjahr

2013

ISBN

9783423760744

Umfang

272 Seiten

Medien

  • Buch