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Susanne Hornfeck: Torte mit Stäbchen

Besprechung

Schanghai ist der letzte Hafen, in dem Emigranten nach der Progromnacht von 1938 noch Zuflucht finden. Auch Familie Finkelstein aus Brandenburg muss ihre Heimat nun endgültig verlassen. Mit ihrer zehnjährigen Tochter Inge machen sie sich auf die Reise. An Bord eines italienischen Schiffes findet das Mädchen gleich Anschluss und viele neue Eindrücke lassen sie den Abschiedsschmerz vergessen. China selbst ist Inge nicht ganz fremd, denn sie hatte in Brandenburg eine chinesische Freundin und sogar ein paar Brocken Chinesisch gelernt. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die große Anpassungsschwierigkeiten in der neuen Heimat haben, fühlt sich Inge in Schanghai gleich zu Hause. Sie genießt das Gewusel von Menschen, die Rikschas in den Straßen und ist von den ungewohnten Gerüchen überwältigt. Gleichzeitig verliebt sie sich in Max, der auch mit seinen Eltern in der Emigration lebt für die Eltern ist das Leben in der Fremde eine Zumutung. Der Vater findet zwar Arbeit in einer Konditorei, doch Frau Finkelstein fühlt sich in der winzigen Wohnung isoliert und vereinsamt zusehends. Auf den Kriegsausbruch in Europa folgt die Internierung der englischen und amerikanischen Bürger Schanghais. Da Herr Finkelstein mit der Ausreise aus Deutschland seine Staatsangehörigkeit verlor, muss die ganze Familie ins jüdische Ghetto Hangkou ziehen. Seine Arbeitsstelle in der Konditorei kann Inges Vater von hier nicht mehr erreichen. Als Geschäftspartnerin von Max beginnt Inge nun eine Karriere als Kurierin, denn sie darf als Nichtjüdin das Ghetto jederzeit verlassen. Nach dem Krieg ist für ihre Eltern klar, dass sie diese Stadt auf dem schnellsten Weg verlassen wollen. Doch Inge, inzwischen 18, will ihr neues Zuhause nicht aufgeben und bleibt. Die Eltern können die Selbständigkeit ihrer Tochter nur schwer anerkennen: Aus ihrer Sicht wurden ihnen sieben Lebensjahre gestohlen. Nun verlieren sie auch ihre Tochter an eine fremde Kultur.

Didaktische Hinweise

Sehr einfühlsam vermittelt die Autorin am Beispiel einer fiktiven Familie die Entfremdung zwischen Eltern und Kindern. So wie sie auch Migranten der Gegenwart erleben können, wenn die junge Generation in einem fremden Land schneller heimisch wird als die Eltern. Der Romane ist ausgestattet mit Karten und einer Zeittafel, um den Nachvollzug des Erzählten zu erleichtern. Spannend beschreibt Hornfleck das Erwachsenwerden des Mädchens in der Emigration. Allen geschichtlich interessierten Jugendlichen kann dieser historische Jugendromane gerne empfohlen werden.

Alle hier rezensierten Werke von Susanne Hornfeck

Gattung

  • Romane

Eignung

in Auszügen geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 8 bis 10

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte

Erscheinungsjahr

2012

ISBN

9783423625005

Umfang

371 Seiten

Medien

  • Buch