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Friedrich Ani: Wie Licht schmeckt

Besprechung

Lukas, der Antiheld und Beckett-Liebhaber, wird 14 und will an seinem Geburtstag nichts anderes, als für einige Tage alleine durch München streifen, um von zu Hause auszubüxen. Lukas´ Mutter, hochgradig depressiv, ist natürlich entsetzt, als sie dies hört, und verbietet es ihm ebenso wie sein Vater, der amtierende „bayerische Meister im Nichtreden“. Vergeblich. Über die Gefahren, die in der Großstadt lauern, kann Lukas nur müde lächeln, und so schreibt er seinen Eltern einen Zettel und macht sich auf den Weg in die Stadt. Ein Ziel hat er nicht, und er braucht auch keins. Gleichermaßen realistisch wie komisch fallen die zufälligen Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen der Großstadt aus: seinem Großvater, mit Punkern aus Berlin, mit cool wirken wollenden Schulkameraden, hilfsbereiten Hausfrauen und kommentarfreudigen Passanten. Und dann trifft er, sogar im vollen Wortsinn, auf die blinde Sonja, stürzt über ihren Blindenstock die Rolltreppe abwärts und, na klar, verliebt sich in sie. Sonja zeigt ihm schließlich ihre Welt, eine Welt aus Geräuschen, Gerüchen, Geschmäcken und Berührungen, die für Lukas neu sind. Er beginnt, durch Sonja alles viel intensiver wahrzunehmen und seine Sinne zu schärfen. Er versucht nachzuvollziehen, wie es Sonja schafft, so souverän, selbstbewusst und nahezu unbehindert zu leben. Seine Selbstversuche, zum Beispiel mit geschlossenen Augen mehrere hundert Meter die Leopoldstraße entlang zu gehen, führen unweigerlich zum Absturz, aber auch zu heilsamen Erfahrungen. Eine ganz große Stärke des Romans ist die Nähe zur Hauptfigur, die präzise Wahrnehmung von Stimmungen und Situationen, die den Leser hautnah miterleben und mitleiden lassen. Auch die Begegnungen mit den illustren Typen der Stadt sind grandios gezeichnet, komisch und unterhaltsam. Etwas unglaubhaft wirkt jedoch die Liebesgeschichte, da Sonja wesentlich älter als Lukas ist, was in der Pubertät unüberbrückbaren Lichtjahren gleichkommt. Wie auch immer, am Ende der Geschichte ist Lukas ein anderer. Am ersten Schultag nach den Ferien resümiert er auf dem Pausenhof seiner Schule selbstironisch, witzig und noch von abschwellenden blauen Erinnerungs-Flecken gezeichnet, die er sich innerlich wie äußerlich bei seinen Abenteuern zugezogen hat, sein schönstes Ferienerlebnis, das ihn ein Stück erwachsener gemacht hat.

Didaktische Hinweise

Der Jugendroman lässt die aufregenden Abenteuer von Lukas im Großstadtdschungel thematisieren und gibt gleichzeitig eine Vorlage, um über die Integration und den Umgang mit Menschen mit Sehbehinderung ins Gespräch zu kommen. Neben der Behandlung im Deutschunterricht bietet sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fächern an. Hilfreich ist dabei das kostenlose Unterrichtsmodell bei dtv.

Gattung

  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 7 bis 10

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Zusätzliche Fächer (Fachunterricht)
  • Biologie

FÜZ

  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2005

ISBN

9783423622240

Umfang

222 Seiten

Medien

  • Buch