Susanne Abel: Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
Besprechung
Bei dem Roman mit dem Titel „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ von Susanne Abel handelt es sich um eine Familiengeschichte, die auf realen historischen Hintergründen basiert und das Schicksal der sogenannten „Heimkinder“ im Nachkriegsdeutschland thematisiert. Die Handlung beginnt in der Gegenwart mit der kleinen Emily, die von ihrer überforderten alleinerziehenden Mutter vernachlässigt wird. Schließlich wächst sie bei ihren Urgroßeltern Hardy und Margret auf, die mit aller Kraft verhindern wollen, dass Emily ins Heim kommt, denn zu schmerzhaft sind ihre eigenen Erinnerungen an ihre Kindheit in einem Kinderheim nach dem Krieg. Margrets und Hardys Erfahrungen werden in Rückblenden erzählt: Hier geht es dann zunächst um den kleinen Jungen Hardy, der 1945 ohne Erinnerung an seine Herkunft aufgegriffen wird. Sein Alter wird auf etwa drei Jahre geschätzt. Als „Nr. 104“ kommt er in ein katholisches Kinderheim, das von Nonnen geführt wird. Wie viele andere Kinder, die nach dem Krieg heimatlos und entwurzelt waren, wächst Hardy in einem System auf, das von Zucht, Ordnung und Strenge geprägt ist. Statt christlicher Nächstenliebe erfährt er Kälte, Gewalt und Demütigung. Unter dem Druck der erlittenen Misshandlungen verstummt Hardy. Halt findet er nur in der elfjährigen Margret, ebenfalls eine Kriegswaise, die ihn beschützt und ihm schließlich den Namen „Hardy“ gibt. Durch sie spürt Hardy zum ersten Mal, dass er für jemanden von Bedeutung ist. Als der Suchdienst des Roten Kreuzes Margrets Tante ausfindig macht und Margret aus dem Heim geholt wird, bleibt Hardy allein zurück. Nach einem Vorfall wird er als „gefährlich“ eingestuft und in ein weiteres Heim, das Franz Sales Haus, ein Heim für Menschen mit Behinderung, verlegt, wo bis in die 1970er Jahre an Kindern Medikamententests durchgeführt wurden. Auch Margret ergeht es bei ihrer Tante nicht gut – ihr Onkel Heinz bedrängt sie. Sie kommt in ein Heim für „gefallene Mädchen“ und wird später, nach ihrer Volljährigkeit, im Franz Sales Haus angestellt, wo sie Hardy wiedertrifft. Den beiden gelingt die Flucht. Schließlich gelingt es ihnen, in sich in Essen ein neues Leben aufzubauen, doch die Erinnerungen an ihre traumatische Vergangenheit lassen sie nicht los.
Didaktische Hinweise
Trotz seines Umfangs eignet sich der der Roman von Susanne Abel sehr gut für den Einsatz im Unterricht, da er vielfältige didaktische Anknüpfungspunkte in den Fächern Deutsch, Geschichte oder Ethik bietet. „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ ermöglicht nicht nur eine literarische Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit und dem Schicksal der Heim- und Flüchtlingskinder, sondern eröffnet auch Gespräche über Traumata, Generationenkonflikte und die Bedeutung von Erinnerungskultur. Am Beispiel von Margret und Hardy lässt sich nachvollziehen, wie sich unverarbeitete Traumata auf nachfolgende Generationen auswirken können. Die Mehrperspektivität und der Wechsel der Zeitebenen laden dazu ein, die Lektüre im Rahmen einer Projektarbeit zu behandeln. Die Schülerinnen und Schüler können sich dabei mit Themen wie Flucht und Vertreibung in Deutschland, dem Suchdienst des Roten Kreuzes, der Heimerziehung, medizinischen Versuchen oder dem Schicksal von Geflüchteten in der Gegenwart auseinandersetzen, da der Roman auch aktuelle gesellschaftlichen Fragestellungen aufwirft, die anhand der Figur Emilys erfahrbar werden.
Gattung
- Romane
Eignung
als Klassenlektüre geeignetAltersempfehlung
Jgst. 10 bis 13Fächer
- Deutsch
- Geschichte
- Sozialkunde/Politik und Gesellschaft
FÜZ
- Alltagskompetenz und Lebensökonomie
- Kulturelle Bildung
- Politische Bildung
- Soziales Lernen
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2025ISBN
9783423283922Umfang
544 SeitenMedien
- Buch
- Hörbuch
- E-Book