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James Baldwin: Giovannis Zimmer

Besprechung

David erzählt die Geschichte seiner Liebe zu Giovanni, die in der Gesellschaft der 50er Jahre verhängnisvoll enden muss. David, Amerikaner und in Paris lebend, steht zu Beginn des ersten Teils vor seiner Abreise aus dem südfranzösischen Haus, das er mit Hella, seiner Verlobten, für einige Wochen gemietet hatte, um Urlaub zu machen und ihre Beziehung zu klären. Hella ist weg, die Trennung unausweichlich, und David kehrt nach Paris zurück, um zur Hinrichtung Giovannis vor Ort zu sein. Die Erinnerungen des Ich-Erzählers an seine Jugend, erste angstbesetzte homoerotische Erlebnisse und die Begegnung mit Giovanni in einer Bar nehmen den ersten Teil des Romans ein. Im zweiten Teil erst kommt Giovannis Zimmer ins Spiel, in dem beide eine stürmische, ambivalente, von Leidenschaft, aber auch Angst geprägte Beziehung erleben. Als David den Mut verliert und versucht, seine Beziehung zu Hella zu retten, fühlt sich Giovanni verraten. Er lässt sich fallen, wird mit Strichjungen gesehen und schließlich verhaftet und zum Tode verurteilt, weil er seinen Arbeitgeber ermordet haben soll. Die Handlung macht nicht die Bedeutung des Buchs aus. Sie liegt in der Sprache, in der Baldwin Verzweiflung, Qual, Schuldgefühle, Misstrauen, Angst und Entsetzen der beiden homosexuellen Männer schildert. Ihre Liebe scheitert nicht direkt an gesellschaftlicher Ausgrenzung oder Ablehnung, vor allem David hat vielmehr die Vorurteile der Gesellschaft so weit internalisiert, dass er den Kampf nach Innen verlegt und sich und seinen Geliebten der Scham und der Schuld ausliefert und beide zum Unglück, letztendlich zum Tode verurteilt. Am Schluss steht David nackt vor dem Spiegel und fragt sich, ob er stellvertretend seinen Körper und sein Geschlecht auslöschen oder nach Erlösung suchen soll. Unbeantwortet steht über allem die Frage: „Niemand kann im Garten Eden bleiben... Warum eigentlich nicht?“

Didaktische Hinweise

Baldwins Roman, in Paris entstanden, erschien 1956, in deutscher Übersetzung 1963, und war ein Skandal. Die Tatsache, dass beide Protagonisten des Romans eines schwarzen Autors Weiße sind, hat das in den USA noch verstärkt. Der Roman wurde von Miriam Mandelkov neu übersetzt und einer offeneren Ausdrucksweise angepasst. Die Beschreibung des Zimmers und der Veränderung darin kann als Metapher der Beziehung der beiden Männer und Giovannis zunehmend wegbrechende Basis seines Lebens gelesen werden. Der Aufbau der Erzählung vom Ende her bestimmt die Diskrepanz zwischen erlebendem und erzählendem Ich. Das Nachwort stammt von Sasha Marianna Salzmann, der Autorin von „Außer sich“.

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 9 bis 13

Fächer

  • Englisch
  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

FÜZ

  • Kulturelle Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783423282178

Umfang

208 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book
  • Hörbuch