mobile Navigation Icon

Oliver Jeffers: Die Fabel von Fausto

Besprechung

Was will der Mensch? Was sind seine Ziele? Wie geht er vor, seine Ziele zu erreichen? Diese ewigen Menschheitsfragen verhandelt der 1977 in Belfast geborene Autor Oliver Jeffers in seinem Bilderbuch „Die Fabel von Fausto”. Er zeigt, was Habgier aus einem Menschen macht. Es wird die Geschichte von Fausto erzählt, der davon ausgeht, dass ihm alles gehört. Er eignet sich die Dinge dieser Welt rücksichtslos an und dabei ist es ihm herzlich egal, wie es um die Gefühle der anderen bestellt ist. Zunächst befiehlt er der Blume, dass sie ihm gehören solle, selbiges macht er mit dem Schaf, dem Baum, dem See…: Das Besitzen dieser Dinge erfüllt ihn mit tiefer Genugtuung. Falls sich aber jemand weigert, sich ihm unterzuordnen, so spielt er sehr deutlich seine Macht aus, indem er beispielsweise schreit oder mit den Füßen auf den Boden stampft. Als Letztes soll ihm das Meer gehören und er setzt zur finalen Machtergreifung an – doch in der Weite des Meeres endet seine Gier im Nirgendwo. Diese immer währende Fabel von der Hochmut des Menschen setzt der Autor mit klaren und ausdrucksstarken Worten um, begleitet von Bildern mit bestechender Prägnanz: Der machtgierige und hochmütige Fausto wird durch eine kräftige neongelbe Farbe charakterisiert und hebt sich dadurch vielsagend von den in warmen Grün- und Blautönen präsentierten Tieren und der Natur ab, die er sich einverleibt. Jeffers verwendet dabei eine traditionelle Methode der Lithografie, welche die Deutlichkeit der Worte, für die er eine ebenfalls traditionelle Form wählt, nämlich die Fabel, gelungen und überzeugend spiegelt. Dabei genügt ihm eine reduzierte, aber dennoch wuchtige Bildersprache, um seine Fabel zu transportieren und spricht somit treffend seine junge Leserschaft altersgemäß an. 

Didaktische Hinweise

Ein Bilderbuch der besonderen Güte: Es gelingt Oliver Jeffers mühelos, seine jungen Leserinnen und Leser in den Bann zu ziehen und sie zum Nachdenken über die Beschaffenheit des Menschen anzuregen. Die Thematik um Gier, Macht und Machtmissbrauch macht es zu einem tollen Bilderbuch, mit dem auch bei den Kleinen ab 5 Jahren schon Politische Bildung und Werteerziehung vermitteln kann. 

Aufgrund seiner Konzeption als Fabel und seiner kindgerechten Aufbereitung spricht das Buch Jungen wie Mädchen gleichermaßen an. Dabei kann die Lehrkraft ausgehend vom Cover und/oder den ersten Seiten des Bilderbuches die Ausgangslage der Geschichte mit den Schülerinnen und Schülern lesend erarbeiten. Im Folgenden können diese dann selbständig oder in Kleingruppen den weiteren Verlauf erschließen. Dabei könnten sie ihre Ergebnisse auf vielfältige Art präsentieren: als Mindmap, als Comic, als selbst gebastelte Figuren, um die Fabel nachzuspielen...: Dabei könnten immer einmal wieder wichtige Stellen des Buches im Unterrichtsgesprächs beispielsweise durch lautes Vorlesen hervorhoben werden, was auch eine Lenkungsmöglicheit für die Lehrkraft darstellt. Denkbar wäre auch, dass die Schülerinnen und Schüler im Transfer eigene Erlebnisse mit dieser Thematik äußern oder die Geschichte weitererzählen/weiterschreiben. Die Das Bilderbuch eignet sich auch für den Vorschulbereich und ist aufgrund seines aufwändig und liebevoll gestalteten Layouts ebenso als Geschenk geeignet. 

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur empfiehlt das Buch im Extrablatt 1/2020 „Füreinander einstehen und Zeichen setzen gegen Rassismus und Populismus“. 

 

 

Gattung

  • Bilderbücher

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen und zum Vorlesen

Jahrgangsstufen

1 bis 2

Fächer

  • Deutsch
  • Kunst (Fachzeichnen)
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

FÜZ

  • Kulturelle Bildung
  • Politische Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783314105234

Umfang

96 Seiten

Medien

  • Buch