Bernhard Schlink: Gerechtigkeit
Besprechung
Bernhard Schlinks Essay „Gerechtigkeit“ setzt sich mit dem Begriff der Gerechtigkeit als einem offenen und nie abgeschlossenen Prozess auseinander. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass jeder Mensch ein eigenes Empfinden für Gerechtigkeit besitzt (S. 15). Im Verlauf seiner Überlegungen zeigt Schlink jedoch, dass es keine feste Formel für Gerechtigkeit gibt. Vielmehr beginnt sie mit der Idee der Gleichheit (vgl. S. 23) und erfordert eine kontinuierliche „Gerechtigkeitsarbeit“, also ein ständiges Abwägen, Prüfen und Begründen, das sich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch im Alltag vollzieht. Dabei schließt Gleichheit auch Formen von Ungleichheit ein – eine Einsicht, die bereits auf Aristoteles zurückgeht, der zwischen ausgleichender und verteilender Gerechtigkeit unterschied. Nach Schlink muss dieses Verständnis jedoch immer wieder an gesellschaftliche Bedingungen angepasst werden, damit eine tragfähige „Architektonik“ der Gerechtigkeit entstehen kann, die vom Gemeinwesen getragen wird (vgl. S. 198). Diesen fortlaufenden Aushandlungsprozess verdeutlicht Schlink anhand zentraler Bereiche wie politischer (S. 93), sozialer (S. 121) und strafrechtlicher Gerechtigkeit (S. 143). Davon ausgehend stellt Schlink Gerechtigkeit in einen größeren Zusammenhang antiker und religiöser Tugenden und betont ihre grundlegende Bedeutung als Bestandteil moralischen Handelns (S. 151). Bernhard Schlinks Ausblick auf die Zukunft der Gerechtigkeit (S. 181) verdeutlicht, dass Gerechtigkeit kein erreichter Zustand ist, sondern ein fortwährender Prozess gesellschaftlicher Aushandlung bleibt, der auch künftig immer wieder neu begründet und angepasst werden muss.
Didaktische Hinweise
Bernhard Schlinks Essay „Gerechtigkeit“ lässt sich sehr gut im Ethikunterricht der gymnasialen Oberstufe einsetzen, da er zahlreiche lehrplanrelevante Themen aufgreift und reflektiert. Hierzu gehören neben Aristoteles’ Gerechtigkeitstheorie insbesondere Schlinks Auseinandersetzung mit John Rawls’ Konzept der „Gerechtigkeit als Fairness“ sowie das Verhältnis von Recht und Moral. Durch die Behandlung politischer, sozialer und strafrechtlicher Gerechtigkeit (vgl. Strafzwecktheorien) bietet der Text zudem vielfältige Anknüpfungspunkte für aktuelle Fragestellungen (vgl. hierzu auch die Politische Ethik der 11. Klasse). Auszüge aus Schlinks Essay eignen sich somit nicht nur für die gemeinsame Diskussion im Unterricht, sondern auch als Grundlage für Klausuren in der Oberstufe.
Gattung
- Sachbücher
Sachbuchkategorie
- Politik, Gesellschaft
- Philosophie, Religion, Menschsein
Eignung
in Auszügen geeignetAltersempfehlung
Jgst. 11 bis 13Fächer
- Deutsch
- Ethik/Religionslehre (ev)
- Philosophie
FÜZ
- Kulturelle Bildung
- Politische Bildung
- Soziales Lernen
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2026ISBN
9783257073720Umfang
198 SeitenMedien
- Buch