Annika Büsing: Wir kommen zurecht
Besprechung
Bei dem Roman „Wir kommen zurecht" von Annika Büsing handelt es sich um einen Coming-of-Age-Roman. Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Philipp, der kurz vor dem Abitur steht. Philipp lebt mit seinem Vater, einem erfolgreichen Chirurgen, und dessen neuer Partnerin Stella in einer großen Villa – Geld spielt keine Rolle. Doch die scheinbare Ordnung ist nur vordergründig: Philipps leibliche Mutter Astrid leidet an einer psychischen Erkrankung und ihr ambivalentes und unberechenbares Verhalten prägt Philipps Leben nachhaltig. Schon in Philipps Kindheit zeigt sich Astrids Instabilität: So erscheint sie spontan im Klassenzimmer ihres Sohnes und beginnt, die Wände zu bemalen. Nach der Scheidung entführt sie Philipp kurzerhand ohne Geld und Plan nach Holland. Obwohl Philipps Eltern zu Beginn der Romanhandlung längst getrennt sind, wirkt Astrids Erkrankung weiter in das Familienleben hinein: Sie verschwindet immer wieder spurlos oder muss in Kliniken eingewiesen werden. Während Philipps Vater von der Situation häufig überfordert ist und sich in seine Arbeit flüchtet, bemüht sich Stella um Normalität. Sie kann die Lücke, die Astrid hinterlässt, jedoch nicht füllen. Philipp wirkt zwar nach außen hin stabil, doch in Wahrheit sehnt er sich nach Verlässlichkeit und Geborgenheit – etwas, das ihm weder sein Vater noch Stella geben können. Trost findet er vor allem bei seinem besten Freund Lorenz, der ihn versteht und ihm durch intensive Gespräche Halt gibt. Hinzu kommt Philipps heimliche Liebe zu der älteren Studentin Mascha, die ihm neue Perspektiven eröffnet und ihn ermutigt, eigene Wege zu gehen. Als die Polizei erneut nach Astrid sucht, steht Philipp vor einer existenziellen Entscheidung: Soll er sich weiterhin von Astrids Krankheit bestimmen lassen, oder soll er endlich Verantwortung für sich selbst übernehmen und seinen eigenen Lebensweg einschlagen?
Didaktische Hinweise
Annika Büsings Roman „Wir kommen zurecht" eignet sich gut als Unterrichtslektüre, da er ein Thema aufgreift, das in der Literatur bisher wenig Beachtung gefunden hat: die psychische Erkrankung eines Elternteils und die Belastungen, die daraus für Kinder entstehen. Besonders aufschlussreich ist, wie Annika Büsing die unterschiedlichen Reaktionen der Figuren auf Astrids Krankheit darstellt. Diese Kontraste lassen sich im Unterricht sehr gut erarbeiten.
Darüber hinaus eröffnen sich Anknüpfungspunkte zu zentralen Themen wie Familienstrukturen, Freundschaft, Loyalität, Selbstfindung und der Wunsch nach Autonomie, die zusammen mit den Schülerinnen und Schülern diskutiert werden können.
Gattung
- Romane
Eignung
als Klassenlektüre geeignetAltersempfehlung
Jgst. 10 bis 13Fächer
- Deutsch
- Psychologie
FÜZ
- Alltagskompetenz und Lebensökonomie
- Familien- und Sexualerziehung
- Soziales Lernen
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2025ISBN
9783969994542Umfang
288 SeitenMedien
- Buch