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Birgit Young: Lost & Found

Besprechung

Ein zwölfjähriges Mädchen lernt seine Behinderung zu akzeptieren und gewinnt einen Freund.

 Tillie Green ist fast dreizehn Jahre alt und seit einem Autounfall, bei dem ihr Vater den Wagen gelenkt hat, gehbehindert. Sie leidet fast ununterbrochen unter Schmerzen und muss jeden Tag gymnastische Übungen absolvieren, um ihren Zustand wenigstens zu stabilisieren. Ihr Vater macht sich seit dem Unfall vor vier Jahren große Vorwürfe und kann Tillie weder in die Augen sehen noch sich mit ihr in ein Auto setzen, weshalb sich fast ausschließlich Tillies Mutter um das Mädchen kümmert und es mit Ihrer Fürsorge fast erstickt. 

Tillie hat sich damit abgefunden, dass sie ihre Freundinnen aus der Grundschule verloren hat, da sie ihre Spiele nicht mehr mitmachen und Einladungen ausschlagen musste, bis diese völlig ausgeblieben sind. Stattdessen hat sie begonnen zu fotografieren und ihre Umwelt durch den Sucher ihrer Kamera zu betrachten. Obwohl Fotografieren in der Schule nicht erlaubt ist, dulden die Lehrer stillschweigend, dass Tillie selbst im Unterricht ihre Kamera verwendet. Ihre Kunstlehrerin Miss Martinez ist von Tillies Fotos und Collagen sehr angetan und ermuntert sie weiterzumachen.

Nebenbei hilft Tillie ihren Mitschülerinnen und Mitschülern mithilfe ihrer Bilder beim Auffinden verlorener Sachen, weshalb sie „Fundbüro“ gerufen wird. Diese Tätigkeit ist die einzige, die sie in Kontakt mit den anderen Kindern bringt, da sie aber sehr schüchtern und schweigsam ist, bleibt sie im Klassenzimmer und in der Mensa ansonsten alleine, bis sich eines Tages ihr gleichaltriger Mitschüler Jake an sie wendet, weil sein Vater verschwunden ist. Das wirbelt Tillies Leben völlig durcheinander, denn trotz ihrer anfänglichen Weigerung wird sie immer stärker in den Bann dieser Geschichte gezogen, die sich scheinbar zu einem spannenden und unheimlichen Krimi entwickelt. Tillie lernt dabei wieder unbeschwert zu sein und freundet sich mit dem lebhaften und witzigen Jake an, der ihr sein Herz ausschüttet. Die beiden Kinder erleben einige Abenteuer, Tillie verlässt sogar nachts ihr Elternhaus und kann sich ein wenig der lückenlosen Kontrolle ihrer Mutter entziehen. Schließlich findet Tillie heraus, dass Jakes Vater weder entführt noch erpresst wird, sondern ein Verhältnis zu Miss Martinez unterhält, aber nicht den Mut aufgebracht hat, seinem Sohn davon zu erzählen. Dies zerstört fast die Freundschaft zwischen den beiden Kindern, auch ihr Verhältnis zu ihren Eltern wird zunächst noch schlechter, denn ihr Vater verbietet ihr, weiter zu fotografieren und ihre Mutter verhängt Hausarrest. Am Ende allerdings versöhnen sich Jake und Tillie, die gelernt hat, dass sie den ersten Schritt machen muss, und ihr Vater findet einen Weg zu seiner Tochter und kann sich dazu überwinden, sich wieder mit ihr in ein Auto zu setzen. 

Didaktische Hinweise

Birgit Youngs Roman ist packend und anrührend geschrieben. Tillie erzählt die Ereignisse aus ihrer Sicht und ermöglicht es den jungen Leserinnen und Lesern, sich in ein gleichaltriges Kind einzufühlen, das nicht alles mitmachen kann, das von manchen Spielen ausgeschlossen ist und sich deshalb andere Beschäftigungen suchen muss. Man kann im Unterricht zahlreiche Themen aufgreifen, die für Zwölf- bis Dreizehnjährige eine große Rolle spielen, z.B. Außenseiter in der Klassengemeinschaft, Freundschaft, Ablösung von den Eltern oder auch die Trennung der Eltern. 

Der Knesebeck Verlag bietet auf seiner Webseite ein kurzes Porträt zur Autorin. 

Gattung

  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Jahrgangsstufen

6 bis 7

Fächer

  • Deutsch
  • Interkulturelle Erziehung

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Interkulturelle Bildung
  • Kulturelle Bildung
  • Soziales Lernen
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2018

ISBN

9783957280916

Umfang

240 Seiten

Medien

  • Buch