Jakob Graf: Auf dem Tigerpfad
Besprechung
Der 13-jährige Kaspian hat seine Mutter verloren und wohnt mit seinem Vater bei einer befreundeten Familie, die sich um die beiden kümmert. Für Kaspian wirkt es, als habe er durch den gewaltsamen Tod seiner Mutter auch seinen Vater verloren, denn dieser ist kaum mehr ansprechbar. In der befreundeten Familie leben auch die Kinder Alma und Hannes. Deren Vater Bodo leiht Kaspian ein Buch über Kungfu aus. Dieses wird für Kaspian fortan ein wichtiger Wegweiser auf seinem eigenen Tigerpfad, einem Weg, auf dem er sich immer neuen persönlichen Aufgaben stellt. Dabei gilt es für Kaspian, sich immer wieder aufs Neue seinen Ängsten zu stellen, durch diese hindurchzugehen und daran zu wachsen. Sein Ziel ist es, Kungfu-Meister zu werden und das Ziel seines eigenen Tigerpfades zu erreichen. Auf diesem Weg begegnet er der alten Frau Zhang Yi, die seine Kungfu-Lehrmeisterin wird und ihm den Weg auf seinem Tigerpfad weist. Dabei macht er die abenteuerlichsten, aber auch schmerzhafte Erfahrungen, taucht in seine vergangenen Leben und die dort von ihm gesammelten Erfahrungen ein, lernt, seinen Affengeist zu zähmen, und muss immer wieder den Mut finden, seinen persönlichen Tigerpfad weiterzugehen. Und im Laufe seiner Selbstfindung erfährt er auch immer mehr Details zu dem brutalen Überfall auf seine Mutter, bei dem diese ums Leben kam und bei dem er auch seinen Vater verloren hat. Dass er in Alma schließlich seinen Seelenfunken entdeckt, ist eine weitere, für Kaspian überraschende Wendung in diesem Selbstfindungsroman.
Didaktische Hinweise
Der Jugendroman des Autors, Schauspielers und Kulturanthropologen Jakob Graf ist kein einfach zu lesendes Buch. Auf 331 Seiten erleben die Leserinnen und Leser den schwierigen Selbstfindungsweg des jugendlichen Kaspian mit. Zu Beginn schreibt Kaspian Briefe an die verstorbene Mutter, um ihr nahe zu sein. Als er das Kungfu-Buch zu lesen beginnt, enden die Briefe und es wird die Geschichte von Kaspians Tigerpfad aus dessen Ich-Perspektive dargestellt. Zwischen die erzählenden Kapitel sind vereinzelt Kapitel in Kursivdruck eingefügt, die Erklärungen, z.B. zum Wesen eines Tigerpfades etc., geben. In Kaspians Geschichte reiht sich eine abenteuerliche Geschichte an die andere, vieles führt in fantasievolle Welten. Immer wieder erfährt die Geschichte auch überraschende Wendungen. Um dem allen gedanklich gut folgen zu können, braucht es beim Lesen Konzentration auf die Geschichte und auch einen langen Leseatem. Es ist kein leicht und schnell zu lesendes Buch. Manche Textstellen verdienen es zudem, zweimal gelesen zu werden, wenn besondere Geschichten auch den Lesenden zu Wegweisern auf deren eigenen Lebenswegen werden können. (Beispiele: „Zeremonie der Papierdrachen” – S. 108-110, „Das Talent der Menschen ist ihre Vorstellungskraft…” – S. 137-138, „Die Geschichte vom Kranich und der Schlange”– S. 142 etc.).
Das Buch ist empfehlenswert für geübte Leserinnen und Leser, die den Verzweigungen der Handlung folgen können. Es ist eine Mischung aus realer Welt und Vorstellungen des Geistes. Durch die Hauptfigur Kaspian und die Kungfu-Thematik spricht „Auf dem Tigerpfad“ vermutlich besonders Jungen an.
Erstaunt ist man beim Lesen des Buches, dass zahlreiche, teils grobe Zeichensetzungs- und Grammatikfehler enthalten sind.
Gattung
- Romane
Zielgruppe
JugendlicheEignung
für die Schulbibliothek empfohlenAltersempfehlung
Jgst. 7 bis 10Fächer
- Philosophie
FÜZ
- Alltagskompetenz und Lebensökonomie
- Gesundheitsförderung
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2025ISBN
9783943314946Umfang
331 SeitenMedien
- Buch