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Jens Sparschuh (Text), Julia Dürr (Illustr.): Julia und ihr kleiner Urgroßvater

Besprechung

Schönes und trauriges Kinderbuch über das Verhältnis der 6-jährigen Julia zu ihrem Urgroßvater

Julia darf in den Ferien, bevor sie in die 2. Klasse kommt, zum ersten Mal alleine ihren Urgroßvater August besuchen. Eine Woche bleibt sie. Da ist auch viel Zeit für große und kleine Geschichten z. B. vom Wundertänzer August. Oder davon, dass der schon nach der 8. Klasse die Schule verlassen durfte. Die Erlebnisse dort sind so, wie man sie in einem kleinen Dorf erleben kann: klein, aber bewegend. Sie verändern und prägen Julia. So denkt sie nach ihrer Rückkehr gerne und oft an ihren Urgroßvater, der ihr verspricht, immer für sie da zu sein – sie müsse nur an ihn denken. Und so ist es auch. Als der Urgroßvater gestorben ist, setzt sie seinen Hut auf und Opa steht wieder vor ihr…
Das schmale, von Julia Dürr wunderschön illustrierte Kinderbuch erzählt ganz leise, wie sich ein Urgroßvater und seine Enkelin annähern. Das geht ohne große Ereignisse, tolle Ausflüge oder spannende Abenteuer. Ihr Opa ist da, wenn sie Heimweh hat und erzählt ihr viele kleine und große Geschichten aus seinem Leben. Und dieses Leben ist kein Bilderbuchleben, sondern das einer ganz normalen, eben nicht perfekten Person: Für Opa August, der die achte Klasse drei Mal machte, war die Schule eine große Herausforderung. Der erste Tanz mit seiner mittlerweile verstorbenen Ehefrau sorgte bei ihr dank seiner ungestümen Kunststücke für ein Gipsbein. Den geliebten Beruf als Fährmann musst er nach dem Brückenbau gegen den eines Busfahrers tauschen. „Ein Wunderkind“, denkt Julia trotzdem, auch weil ihr Opa selber all diese Schwächen und Ereignisse gar nicht negativ sieht. Auch in Julias Leben läuft nicht alles perfekt – die Eltern haben sich getrennt, natürlich gibt es immer Streit mit ihrem älteren Bruder Max und in der Schule hat sie keine Freundin, sondern nur einen Jungen, der sie ärgert. Ein bisschen scheint Julia von Augusts Fähigkeit, auch schwere Dinge in leichte oder zumindest annehmbare zu verwandeln und sich von ihnen nicht erdrücken zu lassen, gelernt zu haben. Das gelingt ihr selbst bei der schwersten Aufgabe: der Bewältigung des Todes ihres Urgroßvaters August. Obwohl sie voller Trauer ist, findet sie einen Weg, mit dem Verlust umzugehen.

Didaktische Hinweise

Eigentlich ein längst überfälliges Buch, weil es nicht vor dem Tod des Opas endet. Es zeigt die kindliche Trauer und einen Weg, damit umzugehen. Parallel zur Lektüre laden die Illustrationen Julia Dürrs dazu ein, eigene Bilder zu Szenen anzufertigen oder die vorhandenen schwarzweißen Zeichnungen auszumalen.
Am besten liest sich das Buch gemeinsam. Dann kann man auch darüber sprechen,

  • nicht die Flinte ins Korn zu werfen,
  • dass es auch eine ganz andere Sicht auf die Dinge gibt,
  • was schöne Ferien ausmachen,

und welche eigene Möglichkeit man finden könnte, um sich an jemanden immer gut erinnern zu können.

Alle hier rezensierten Werke von Jens Sparschuh (Text), Julia Dürr (Illustr.)

Gattung

Eignung

themenspezifisch geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 2 bis 4

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

FÜZ

  • Werteerziehung
  • Familien- und Sexualerziehung

Erscheinungsjahr

2022

ISBN

9783836961424

Umfang

125 Seiten

Medien

  • Buch