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Maike Dugaro; Anne-Ev Ustorf: Mauerpost

Besprechung

Julia und Ines sind Freundinnen, leben beide in Berlin und können sich trotzdem nie sehen. Denn 1988 ist die Stadt durch die Mauer geteilt in Ost- und Westberlin. Julia ist fünfzehn Jahre alt und lebt im Ostteil der Stadt in der Nähe der Mauer. Ines ist dreizehn Jahre alt und wohnt in Westberlin. Ines Ostberliner Oma Ursel ist ganz in der Nähe von Julia zuhause und vermittelt so den Briefkontakt zwischen ihrer Enkelin im Westen und Julia im Osten. Beide schreiben sich heimlich Briefe, weil Julias Vater als Polizist in der DDR keine Westkontakte duldet und umgekehrt hat die Mutter von Ines mit dem Staat abgeschlossen, aus dem sie geflohen ist.

In diesem Jugendbuch, 30 Jahre nach dem Mauerfall veröffentlicht, schreiben sich die beiden Freundinnen und erzählen in ihrem Briefwechsel deutsch-deutsche Geschichte zwischen 1988 und dem 09. November, dem Tag des Mauerfalls. Während die beiden Mädchen sich typische Alltagsdinge anvertrauen über Ärger in der Familie, die Schule, ihre Hobbys und Jungs, beschreiben sie ganz nebenbei, wie es für sie jeweils ist, auf der einen oder eben der anderen Seite der Mauer zu leben. Dabei stoßen sie auf ein Familiengeheimnis, das für beide Mädchen zum Schicksal wird. Bei der Spurensuche wird der Leser direkt in die Zeit des politischen Umbruchs versetzt. Es wird deutlich, welche Auswirkungen die politische Teilung der Stadt für den Alltag mit sich brachte. Freiheiten und massive Einschränkungen werden sichtbar. Dass das Stellen eines Ausreiseantrags Bespitzelung und Überwachung zur Folge hatte, die zum Verlust des Arbeitsplatzes führte und auch in der Familie die Ausgrenzung der Kinder in der Schule zur Folge hatte und bis zum Studierverbot reichte, wird ganz zentral thematisiert. Fahnenappell, FDJ (Freie Deutsche Jugend) und Jugendwerkshöfe werden in dem Briefwechsel ebenso erschreckend und authentisch beschrieben. Dem Briefroman gelingt es damit auf spannende und informative Weise, ein wichtiges politisches Kapitel deutscher Geschichte zu vermitteln und aufzuarbeiten.

Didaktische Hinweise

Ergänzend zum ost-west-deutschen Briefwechsel befindet sich im Anhang eine Chronik zum Bau der Mauer, beginnend mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 08. Mai 1945 am Ende des 2.Weltkrieges bis hin zum Ende der DDR mit dem Fall der Mauer. Ein Stadtplan Berlins zeigt die wichtigsten Grenzübergänge, den Verlauf der Mauer und zentrale Orte der Geschichte. In einem weiteren Glossar werden hervorgehobene Begriffe, Personen und Orte erklärt und in den Kontext zur Romanhandlung gestellt. Geschichtliches Wissen kann so vertiefend und vernetzt vermittelt werden und als Diskussionsgrundlage dienen.

Der cbt-Verlag bietet kostenfreies Unterrichtsmaterial zum Buch an.

Als Ergänzung bietet sich beispielsweise Juliane Breinls erzählendes Sachbuch „Mein Mauerfall” (ggf. in Auszügen) an: Die Fakten sind gut illustriert aufbereitet; ggf. bietet sich auch an, die beiden Bücher als Gruppenlektüren in einer Klasse zu lesen.

 

 

Gattung

  • Romane

Sachbuchkategorie

  • Geschichte, Archäologie
  • Literatur, Lesen, Sprache
  • Politik, Gesellschaft

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet und zum Vorlesen

Altersempfehlung

Jgst. 8 bis 11

Fächer

  • Deutsch
  • Geschichte
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Kulturelle Bildung
  • Politische Bildung

Erscheinungsjahr

2019

ISBN

9783570312537

Umfang

335 Seiten

Medien

  • Buch