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Hanna Harms: Wald ohne Bäume

Besprechung

Mit ihrem Sachcomic „Wald ohne Bäume” gelingt Hanna Harms eine außergewöhnliche Annäherung an das Thema Wald. Das Buch beginnt kryptisch mit einem weißen Kreis vor dem Urknall an „eine[r] Stelle, an der nichts ist, aber etwas sein könnte“ (S. 5) und endet mit einem grünen Kreis an „ein[er] Stelle, an der etwas ist, das bleiben könnte, auch wenn es sich verändert“ (S. 175). Dazwischen nimmt die Autorin ihre Leserinnen und Leser mit auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte des Lebens auf der Erde – stets mit den Bäumen im Mittelpunkt.
Harms beschreibt die Entwicklung unseres Planeten von der Entstehung einzelner Elemente und Atome über das Wachstum verschiedenster Pflanzen, Bäume und Waldformen bis hin zu den tiefgreifenden Veränderungen, die der Mensch durch sein Eingreifen verursacht hat. Dabei spannt sie einen weiten Bogen über alle Regionen der Erde – vom borealen Nadelwald bis zum tropischen Regenwald – von der Wurzel des Baumes bis ins Weltall und durch unterschiedliche Zeiten. Die Folgen menschlichen Handelns werden kritisch, aber sachlich dargestellt. Besonders die zunehmende „Entkoppelung von der Natur“ (S. 76) zieht sich als zentrales Motiv durch das Werk.
Trotz der oft erschreckenden Erkenntnisse bleibt das Buch nicht bei einer düsteren Bestandsaufnahme stehen. Immer wieder zeigt Harms Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten auf. Aussagen wie „Möglichkeiten für Neues“ (S. 60) oder „ohne Einsicht kein Entrinnen“ (S. 147) verdeutlichen, dass Veränderung möglich und notwendig ist. Das Buch informiert nicht nur, sondern macht neugierig auf weiterführende Recherchen und regt dazu an, das eigene Verhältnis zur Natur zu überdenken und bewusster zu handeln.
Thematisch geht „Wald ohne Bäume” weit über die Betrachtung von Bäumen und Wäldern hinaus. Die Autorin verknüpft ökologische Fragestellungen mit chemischen, biologischen, technischen und anthropologischen Zusammenhängen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Gesamtbild, das die Bedeutung von Wäldern für das Leben auf der Erde eindrucksvoll verdeutlicht.
Auch sprachlich beschreitet Harms ungewöhnliche Wege. Statt langer Erklärungen arbeitet sie häufig mit einzelnen Stichworten, kurzen Sätzen und fragmentarischen Textpassagen. Im Nachwort beschreibt der Waldexperte Prof. Dr. Pierre L. Ibisch diesen Stil treffend als „illustriertes Wissenschaftsstakkato“ und „Science Poetry Slam“ (S. 177). Die Sprache fordert die Lesenden heraus, eröffnet aber zugleich neue Zugänge zu komplexen wissenschaftlichen Themen.
Besonders beeindruckend ist die enge Verzahnung von Text und Bild. Die Illustrationen sind nicht bloß Begleitung, sondern tragen wesentlich zur Informationsvermittlung bei. Mal erscheinen die Inhalte in klassischen Comic-Kästchen, mal in ganzseitigen Zeichnungen, in Kartenausschnitten, mal als grafische Darstellung oder als chemische Formel. Die reduzierte Farbpalette aus Grau-, Schwarz-, Grün- und Rottönen unterstützt die Atmosphäre des Buches und lenkt den Blick gezielt auf zentrale Inhalte.
Mit „Wald ohne Bäume” hat Hanna Harms eine innovative Form der Wissensvermittlung geschaffen. Der Sachcomic verbindet wissenschaftliche Informationen mit künstlerischer Gestaltung und schafft es, Leserinnen und Leser gleichermaßen zu informieren, aufzurütteln und zum Nachdenken anzuregen. Das Buch macht deutlich, wie eng Mensch und Natur miteinander verbunden sind, und motiviert dazu, Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder zu übernehmen. Damit ist das Buch eine eindrucksvolle und empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich mit Umwelt, Nachhaltigkeit und der Rolle des Menschen in der Natur auseinandersetzen möchten.
 

Didaktische Hinweise

Das Buch eignet sich ab der 7. Klasse. 

Es kann fächerübergreifend eingesetzt werden:
- Biologie: Funktionen des Waldes als Ökosystem untersuchen, Artenvielfalt und Nahrungsketten analysieren, Folgen von Klimawandel und Waldsterben diskutieren
- Geographie: Waldnutzung in verschiedenen Regionen der Welt vergleichen, Regenwaldzerstörung und globale Zusammenhänge thematisieren, nachhaltige Forstwirtschaft untersuchen 
- Deutsch: Analyse der „Erzähl”- und Bildsprache eines Sachcomics, Untersuchung von Symbolen und Metaphern, Schreiben von Rezensionen, Kommentaren oder Leserbriefen 
- Ethik / Politik und Gesellschaft / Verfassungsviertelstunde: Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur diskutieren, Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit reflektieren, Handlungsmöglichkeiten für Umwelt- und Klimaschutz erarbeiten

Ideen, die in verschiedenen Fächern themenbezogen umgesetzt werden können:
- Bildanalyse: Schülerinnen und Schüler wählen eine Comicseite aus und analysieren, wie Bild und Text zusammenwirken. 
- Rechercheprojekt: Gruppen recherchieren aktuelle Daten (z.B. zum Waldsterben in Deutschland) und vergleichen diese mit den im Buch dargestellten Problemen. 
- Debattenthema: „Soll die wirtschaftliche Nutzung von Wäldern stärker eingeschränkt werden?“ – Pro- und Kontra-Diskussion. 
- Kreatives Schreiben: Inneren Monolog aus der Perspektive eines Baumes oder eines Waldtieres verfassen. 
- Eigenen Sachcomic erstellen (KI-Einsatz): Die Lernenden gestalten kurze Comics zu Umwelt- oder Nachhaltigkeitsthemen.
 

Gattung

  • Sachbücher

Sachbuchkategorie

  • Forschen, Entdecken, Experimentieren
  • Lexika, Nachschlagewerke
  • Natur, Tiere, Lebensräume
  • Philosophie, Religion, Menschsein
  • Politik, Gesellschaft
  • andere Länder & Kulturen, Reisen, Abenteuer

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 7 bis 13

Fächer

  • Chemie
  • Biologie
  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (ev)
  • Geografie/Erdkunde
  • Natur und Technik
  • Physik (PCB)
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft
  • Umwelterziehung

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
  • Technische Bildung

Erscheinungsjahr

2026

ISBN

9783551804488

Umfang

180 Seiten

Medien

  • Buch