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Christian Baron: Ein Mann seiner Klasse

Besprechung

Bei dem Buch mit dem Titel: „Ein Mann seiner Klasse“ greift der Autor und Journalist Christian Baron ein Thema auf, dem sich in letzter Zeit mehrere Schriftsteller gewidmet haben: das Thema der Klassenzugehörigkeit sowie die Auswirkungen derselben auf die eigenen Bildungschancen und das eigene Leben. Viele Schriftsteller blicken hierbei auf ihre eigene Biographie, die sie mit soziologischen Analysen unterlegen. Der Französische Autor Édouard Louis, dessen Roman „Wer hat meinen Vater umgebracht“ (Fischer-Verlag) nicht nur in Frankreich sehr erfolgreich war und der mittlerweile als Theaterstück am Münchner Volkstheater zu sehen ist, hat hierfür den Begriff „konfrontative Literatur“ geprägt. Darum geht es auch in Christian Barons Roman, der über seine eigene Kindheit in Kaiserslautern berichtet. 1985 geboren, erlebt der Autor seine Kindheit in einem familiären Milieu andauernder Gewalt. Zentrum der Ausbrüche ist der Vater, der dem Roman seinen Titel gegeben hat. Der Vater arbeitet als Möbelpacker. Um sich die Feierabende zu verschönern, geht er in die Bierkneipe „Schnorres“. Wenn er gute Laune hat, spielt er mit den beiden Söhnen auf einer aus einem Umzugskarton geklauten Nintendo-Konsole „Super Mario“. Meistens aber hat er schlechte Laune und er prügelt unkontrolliert und unter andauerndem Alkoholeinfluss nicht nur auf seine Kinder, sondern auch auf die Mutter ein, die eigentlich gerne Lyrikerin geworden wäre und die es nicht schafft, ihrem Mann etwas entgegenzusetzen. Zu allem Unglück stirbt die Mutter mit 32 Jahren 1995 an Krebs, Christinan ist zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt. Mit ihrem Tod ändert sich die Lage der Geschwister. Das Sozialamt bestimmt, dass diese fortan bei Tante Juli und Onkel Ralf, der Schwester der Mutter, weiterleben sollen. Der Roman ist aus der Rückschau geschrieben: Christian Baron hat es geschafft, dem Milieu seiner Kindheit zu entrinnen. Er hat – als einziger in seiner Familie – studiert und arbeitet mittlerweile als Journalist für den „Freitag“. Er gehört zu den wenigen Bildungsaufsteigern in Deutschland. 

Didaktische Hinweise

Baron berichtet das alles trocken, manchmal umgangssprachlich (der Kopf der Mutter „donnert“ gegen die Wand), fast kindlich, den Namen gehen Verwandtschaftsbezeichnungen voran: Tante Juli, Opa Willi etc., lediglich die Kapitelüberschriften erinnern an Gefühle wie Scham, Stolz, Schmerz, Glück. Er rechnet nicht ab mit seinen Eltern, die er trotz allem geliebt hat, sondern beschreibt nüchtern, wie sie das wurden, was sie waren: „Unser Vater war ein Mann seiner Klasse. Ein Mann, der kaum eine Wahl hatte, weil er wegen seines gewalttätigen Vaters und einer ihn nicht auffangenden Gesellschaft zu dem werden musste, der er nun einmal war.“ (S. 19).

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und eignet sich gut in Auszügen für den Sozialkunde- und Ethikunterricht (Q11: Freiheit und Determination – Soziologie). Er zeigt, wie stark das Leben des Autors von den sozialen Verhältnissen seiner Familie und seinem gesellschaftlichen Umfeld geprägt worden ist. Er zeigt auch die Kraftanstrengung, die der Autor unternehmen musste, die scheinbar unrevidierbare Prägung durch seine Familie zu durchbrechen und sich gegen eine Gesellschaft durchzusetzen, die ihn und seinen Bruder allein schon aufgrund ihres Wohnorts als „Unterschicht „Asoziale“ oder „Dummschüler“ verurteilt hat.

Gattung

  • Romane

Eignung

in Auszügen geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 10 bis 13

Fächer

  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Familien- und Sexualerziehung
  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2020

ISBN

9783546100007

Umfang

288 Seiten

Medien

  • Buch