Svenja Leiber: Nelka
Besprechung
In ihrem Roman „Nelka“ widmet sich die Autorin Svenja Leiber einem lange verdrängten Kapitel der deutschen Geschichte: dem Schicksal von Millionen Zwangsarbeiterinnen während des Nationalsozialismus. Im Zentrum steht die junge Nelka aus Lemberg, die 1941 nach Deutschland verschleppt wird und auf einem Gutshof Zwangsarbeit leisten muss. Jahrzehnte später kehrt sie als alte Frau an diesen Ort zurück und begegnet dort dem damaligen Gutsverwalter Marten, der nach dem Krieg zu einem erfolgreichen Obstbauern geworden ist. Zu diesem Erfolg hat Nelka während ihrer Zeit auf dem Hof maßgeblich beigetragen: Marten ließ sich von ihr ihr Wissen über den Apfelanbau diktieren, das sie von ihrem Vater, einem Pomologen, erworben hatte. In Rückblenden erfahren die Leserinnen und Leser von Nelkas jüdischer Herkunft, von der Ermordung ihres Vaters, ihrer Deportation und der Arbeit auf Martens Gutshof. Obwohl Nelka durch ihre profunden Kenntnisse unter den Zwangsarbeiterinnen eine Sonderstellung einnimmt und aus der Baracke in das Verwalterhaus umziehen darf, bleibt auch sie von sexueller Gewalt, Ausbeutung und Machtmissbrauch nicht verschont. Trotz des Verbots sexuellen Kontakts mit Zwangsarbeiterinnen, was als „Rassenschande“ verboten war, sucht Marten Nelka nachts auf dem eiskalten Dachboden auf und es kommt kurz vor Kriegsende zu einer ungewollten Schwangerschaft. Nelka entscheidet sich, zusammen mit Ivan, den sie auf dem Hof kennenlernt und der es gut mit ihr meint, nach dem Krieg zusammenzubleiben und das Kind zu behalten. Sie kehren in ihre alte Heimat zurück und bauen sich mühsam eine neue Existenz auf. Nelkas erlebtes Trauma wird sie aber ein Leben lang verfolgen. Trotz seiner persönlichen Schuld ist aber auch die Figur des Marten historischen Zwängen ausgesetzt. Durch Nelkas plötzliches Auftauchen wird er ebenfalls von der Vergangenheit wieder eingeholt.
Didaktische Hinweise
Der Roman „Nelka“ eignet sich sehr gut als Klassenlektüre für den Deutschunterricht der Oberstufe, da er ein Thema aufgreift, dem bisher wenig Beachtung geschenkt wurde. Anhand von Nelkas Schicksal zeigt sich das systematische Unrecht der Zwangsarbeit, das sich bis heute in die Landschaft eingeprägt hat. Auslöser für den Roman war, wie im Nachwort beschrieben wird, der Brief einer ehemaligen ukrainischen Zwangsarbeiterin, die als Fünfzehnjährige in den holsteinischen Heimatort der Autorin verschleppt worden war. Die vielen Apfelbäume in der Region sind von Kriegsgefangenen und „Ostarbeiterinnen“ gepflanzt worden. Im Unterricht könnte der Roman als Grundlage dienen, sich – zum Beispiel im Rahmen eines P- oder W-Seminars – intensiver mit dem Thema Zwangsarbeit anhand historischer und gesellschaftlicher Quellen auseinanderzusetzen. Heute geht man davon aus, dass mehr als 20 Millionen Menschen während des Nationalsozialismus im Deutschen Reich und in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten Zwangsarbeit in Munitionsfabriken und auf Bauernhöfen leisten mussten (vgl. Nachwort, S. 202). Dabei lohnt es sich besonders, einen Blick auf die unzähligen Frauen zu werfen, die, ähnlich wie Nelka, ihren Peinigern schutzlos ausgeliefert waren. Die Beschäftigung mit dieser Geschichte kann zudem dazu anregen, sich auch mit moderner Sklaverei und Zwangsarbeit auseinanderzusetzen.
Weiterführende Links:
Gattung
- Romane
Eignung
sehr gut als Klassenlektüre geeignetAltersempfehlung
Jgst. 10 bis 13Fächer
- Deutsch
- Geschichte
- Sozialkunde/Politik und Gesellschaft
FÜZ
- Alltagskompetenz und Lebensökonomie
- Kulturelle Bildung
- Politische Bildung
- Soziales Lernen
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2026ISBN
9783518432761Umfang
205 SeitenMedien
- Buch
- E-Book