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Morton Rhue: No place, no home

Besprechung

Morton Rhues Romane sind in Deutschlands Deutschstunden Kult oder Kanon, vor allem „Die Welle“ und „Ich knall euch ab“ haben sich diesen Status schon lange erkämpft. Dem vorliegende Roman, der in der „Ravensburger Jungen Reihe“ erschienen ist, könnte ein ähnliches Schicksal beschert sein: In „No place, no home“ wird wieder ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema aufgegriffen, das die USA bewegt, in der Jugendliteratur aber bislang eher selten bearbeitet wurde. Es geht um die durch die Wirtschaftskrise provozierte Massenarmut, die auch Menschen und Familien aus der Mitte der Gesellschaft treffen kann: Dan Halprin ist 17 Jahre alt und als Pitcher der Baseballmannschaft seiner Schule äußerst beliebt. Da verwundert es auch kaum, dass Talia, das schönste Mädchen der Schule, seine Freundin ist und auch seine anderen Freunde zur besseren Gesellschaft gehören. Doch Dan birgt ein Geheimnis, welches er nicht mehr lange vertuschen kann: seine Eltern sind beide arbeitslos und der Familie droht der Verlust aller bürgerlichen Werte. Als die Familie nach einem kurzen Aufenthalt bei dem Bruder der Mutter dann nach „Dignityville“ ziehen muss, einer Zelt-Unterkunft für Obdachlose, versucht Dan es vor seinen Freunden zu vertuschen, was ihm aber nur kurzzeitig gelingt. Er beginnt, seine Eltern für ihr Scheitern zu hassen, weil es ihnen nicht gelungen ist, den Absturz aus der Mittelschicht zu verhindern. Rhues Stil ist gekennzeichnet durch eine einfache, ja manchmal fast spröde Sprache, die aber gerade Lesern, die „auf den Punkt“ kommen möchten, gefallen kann. Die Identifikation mit dem Helden wird sicher auch deutsche Jugendliche begeistern. Besonders eindrücklich wird sein Reifungsprozess dargestellt, wenn er beginnt, seine eigenen Vorurteile zu überwinden. Die eingefügte Krimihandlung ist ambivalent zu bewerten: Zum einen macht sie die Handlung ein wenig spannender, man versucht herauszubekommen, wer denn nun in Dignityville zum Verräter geworden ist. Andererseits sind die Hinweise auf den Täter in den Zwischentexten, die die Telefongespräche zwischen ihm und seinen Mittätern aufgreifen, zu offensichtlich, so dass die Spannung nicht lange besteht.

Didaktische Hinweise

Für den Deutschunterricht interessant sind die intertextuellen Bezüge des von Katarina Ganslandt übersetzten Romans zu zwei Klassikern der amerikanischen Literatur: Zum einen zitiert Dan selbst immer wieder John Steinbecks „Früchte des Zorns“, aber auch Tennessee Williams' Theaterstück „Endstation Sehnsucht“. Diese Bezüge zur Literaturgeschichte freuen den Deutschlehrer, sind für die meisten jugendlichen Leser aber nicht relevant. Es könnte sein, dass „No place, no home“ trotzdem bald den Kanon-Status von „Die Welle“ in Deutschland erreichen wird, die dargestellte Konstellation, die Zeitlosigkeit des Dargestellten und die literarische Qualität des Buches sprechen dafür. Durch Kooperation mit dem Religions- bzw. Ethikunterricht sowie mit dem Sozialkundeunterricht können Fragen von Armut und Reichtum, von „gerechter Verteilung“ und Wirtschaftskrisen am Roman gut aufgearbeitet werden. Komplexe Zusammenhänge werden dabei für die Schüler konkret nachvollziehbar.

Gattung

  • Romane

Eignung

themenspezifisch geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 8 bis 10

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft
  • Wirtschaft/Recht

Erscheinungsjahr

2013

ISBN

9783473401000

Umfang

285 Seiten

Medien

  • Buch