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Jane Gardam: Bell und Harry

Besprechung

Das Buch ist bereits in den achtziger Jahren erschienen und liegt nun erst in der deutschen Übersetzung vor. Eine Londoner Familie, die Batemans, mieten alljährlich das abgelegene Anwesen „Light Trees“ in North-Yorkshire als Ferienhaus. Der nervöse Journalisten-Vater will hier Ruhe finden, die Kinder samt Freunden genießen die Freiheit, die Mutter muss Unmengen Essen beschaffen und sorgt für die positiven Beziehungen zu den Vermietern. Noch spielen Computer und Smartphone keine Rolle, selbst das Telefon muss sich die Familie in der ländlichen Idylle, die manchmal auch ganz schön verregnet sein kann, erst installieren lassen.

Die beiden Jungen Bell Teesdale, Sohn der Vermieter, und Harry Bateman, Sohn der Londoner, beginnen eine tiefe Freundschaft, die bis ins Erwachsenenalter halten wird. In neun Episoden berichtet uns die Erzählerin von ihren Erlebnissen und Abenteuern. Es gibt Bergbau in der Gegend; alte Stollen und ehemalige Silberminen sind von großem Reiz für die Jungen, sie kommen in gefährliche Situationen unter und über der Erde, wo sie an einem Wintertag in Eis und Schnee fast nicht mehr nach Hause finden.

Die Unterschiede zwischen der Intellektuellenfamilie und der Bauernfamilie sind groß, es geht auch nicht ohne Konflikte ab, wenn etwa das Ruhebedürfnis des Vaters durch den Lärm bei der Ernte auf eine harte Probe gestellt wird, aber dennoch gelingen Nähe und gegenseitiger Respekt.

Das Landleben wird einerseits poetisch mit Schilderungen der unberührten Landschaft und wunderbarer Originale unter den Dorfbewohnern beschrieben, aber auch hart-realistisch in Hinsicht auf die Mühsal der Arbeit und die zunehmenden Veränderungen. Die Städter fallen ein und suchen billige Immobilien und Möbel, es gibt berechtigtes und unberechtigtes Misstrauen zwischen Stadt- und Landbewohnern, aber eben auch die Möglichkeit der Versöhnung, überzeugend dargestellt am Beispiel der beiden Jungen.

Didaktische Hinweise

Natürlich reiht sich das Buch ein in eine Reihe weiterer Bücher zum Thema Freundschaft. Wolfgang Herrndorfs „Tschick“, Mark Twains “ Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, Khaled Hosseinis „Drachenläufer“, die Bücher von Elena Ferrante oder auch „Der Distelfink“ von Donna Tartt (um nur eine Auswahl zu nennen) behandeln das Thema ebenso wie die Freundschaft zwischen Harry Potter und Ron Weasley ja in allen Bänden der Reihe thematisiert wird. Entsprechend könnte man, je nach Alter und angezielter Problematik, die Bücher als Ganzes oder einzelne Textstellen vergleichen lassen. Wenn der Text unter dem Aspekt „Landleben“ gelesen wird, gibt es aktuelle Vergleichstexte (für die Oberstufe, z. B. von Alina Herbing, Kathrin Gerlof, Mariana Leky oder Juli Zeh) und damit Themen für schriftliche Arbeiten. Für jüngere Schüler wären eigene Recherchen interessant: Wie sieht das Landleben hier und heute aus? Gibt es noch „Originale“ auf den Dörfern? Gibt es Dorflegenden? Was erzählen ältere Bewohner über die Veränderungen?

Alle hier rezensierten Werke von Jane Gardam

Gattung

  • Romane

Zielgruppe

9-13

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

9 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Englisch

FÜZ

  • Soziales Lernen
  • Kulturelle Bildung

Erscheinungsjahr

2019

ISBN

9783446261990

Umfang

187 Seiten

Medien

  • Buch