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Janne Teller: Nichts. Was im Leben wichtig ist

Besprechung

„Nichts. Was im Leben wichtig ist“ ist einer der umstrittensten aktuellen (Jugend-)Romane: Einerseits wurde er mit Preisen wie dem LUCHS (DIE ZEIT/Radio Bremen) ausgezeichnet und 2011 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Andererseits löste er, als er vor zehn Jahren im dänischen Original erschien, in Skandinavien Diskussionen über einen Einsatz in der Schule aus, weil er den Schüler*innen zu viel zumute. Das Buch beschäftigt sich mit der für Jugendliche oft zentralen Sinnfrage. Pierre Anthon verlässt die Schule, weil nichts im Leben von Bedeutung ist. Er verbringt seine Zeit fortan auf einem Pflaumenbaum, von dem aus er Agnes und die anderen ehemaligen Mitschüler mit seiner Sinnauffassung konfrontiert. Die Siebtklässler beschließen, Pierre Anthon zu beweisen, dass es doch etwas von Bedeutung gibt. Jeder Mitschüler soll etwas ihm Wichtiges für einen „Berg der Bedeutung“ geben. Am Anfang werden lieb gewonnene Gegenstände gefordert, doch dann kippt die Situation: Eine Adoptionsurkunde, ein Gebetsteppich, eine Jesusfigur, der Sarg von Elises verstorbenem Bruder, ein Hamster, die Haare einer Mitschülerin, der Kopf eines Hundes, Sofies Unschuld und zuletzt Jan-Johans Zeigefinger werden verlangt. Alle Opfer werden gebracht, doch mit dem letzten wird der Berg der Bedeutung öffentlich. Er soll als großes Kunstwerk an ein Museum verkauft werden, doch Pierre Anthon will ihn nicht sehen. Wenn alle sich von diesen Dingen getrennt haben, können sie doch nicht von Bedeutung gewesen sein. Tatsächlich verlieren die Dinge für die Schüler an Bedeutung. Für Sofie aber nicht. Als sie vor dem Berg aus Bedeutung „verrückt wird“, wird Pierre Anthon dazugeholt. Er fragt, ob Sofie ihre Unschuld und alle anderen diese Dinge verkauft hätten, wenn sie von Bedeutung wären. „Pierre Anthon hatte gewonnen. Aber dann machte er einen Fehler. Er wandte uns den Rücken zu“ (S. 133). Die Schüler prügeln auf Pierre Anthon ein, bis er komisch verdreht am Boden liegt. In der Nacht wird das alte Sägewerk mit Pierre Anthon und dem Berg aus Bedeutung abgebrannt. Jeder Schüler nimmt sich Asche in einem Behältnis mit. Nach diesem Schuljahr trennen sich die Wege aller Schüler für immer, Sofie wird in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingeliefert. Die Handlung des Romanes ist einfach und insgesamt sehr nüchtern erzählt. Die Autorin setzt dabei oft ungewöhnliche Steigerungen wie „Hass. Mehr Hass. Alle gegen alle“ (S. 131) ein. Die Emotionen der beteiligten Jugendlichen bleiben ausgespart, sie werden nur über wenige Beobachtungen der Ich-Erzählerin Agnes angedeutet.

Didaktische Hinweise

Das Thema des Romans - die Sinnfrage, das Infragestellen gesellschaftlicher Konventionen, das Führen eines Lebens nach Plan - spricht Jugendliche an. Erzählweise und Geschehen binden die Leser*innen. Doch bleibt am Ende ein dumpfes, melancholisches Gefühl zurück. Der Roman zeigt eigentlich nur Verlierende, auch wenn Agnes durchaus weiß, dass etwas im Leben von Bedeutung ist. Wenn das Buch im Unterricht behandelt wird, ist diese teuer erkaufte, irgendwann durch Gruppenzwang abgerungene, persönliche Bedeutung zu thematisieren. Die Lektüre des Romanes bedarf einer gewissenhaften Begleitung und einer sorgfältigen, pädagogisch verantwortlichen Besprechung, am besten unter Einbezug weiterer Fächer (z. B. Religion oder Ethik) und nach vorheriger Information der Eltern über die Lektürewahl, ggf. gelegentlich eines Elternabends. Höhere Jahrgangsstufen sollten sich auch mit unterschiedlichen Rezensionen im Netz und aus den Printmedien auseinandersetzen, um ihre ästhetische Urteilskraft zu schulen.

Gattung

  • Romane

Eignung

in Auszügen geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 9 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

FÜZ

  • Werteerziehung
  • Soziales Lernen

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783446235960

Umfang

139 Seiten

Medien

  • Buch