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Philip Waechter; Moni Port: Der Krakeeler

Besprechung

„Papa ist ein Krakeeler!“, so klärt die Mutter ihre kleine Tochter Helene über den Vater auf. Helene selbst ist tief betroffen von dem Auftreten ihres Papas, der mit seinen lautstarken Ausbrüchen als einziger die Familienidylle empfindlich stört. „Wo sind meine Gummistiefel?“, „Wer hat die Schuhe im Hausflur liegen gelassen?!“ oder aber der Vorwurf „Mein Frühstücksei ist zu weich!“, nichts ist ihm recht. Helene ist das bald zu viel: Nach reiflicher Überlegung packt sie eines Tages ihren Koffer und verlässt – wie nicht anders zu erwarten unter lautstarkem Protest ihres Vaters –das „schiefe Haus“ im „tiefen Tal“ und bittet um Aufnahme in einem „gemütlichen Haus … oben auf dem Berg“. Die sich anschließende verzweifelte Suche nach der Tochter leitet bei ihrem Vater einen Sinneswandel ein: „Ich werde nie mehr krakeelen“, ... wenn nur Helene wiederkommt.“ Das Schlussbild zeigt eine erneute Begegnung zwischen Vater und Tochter, die es inzwischen tatsächlich nach oben, auf eine Konzertbühne geschafft hat und sich diesmal über den krakeelenden Bravo-Ruf ihres im Publikum sitzenden Vaters richtig freut.

In 24 ausdrucksstarken, auf zentrale Motive beschränkten Bildern von Monika Port und mit nicht mehr Begleittext als unbedingt nötig entführt das Buch in die Welt um die kleine zerbrechlich wirkende Helene. Sie ist es, die sich von ihrem aggressiven Vater nicht einschüchtern lässt, sondern im Gegenteil erstaunlich selbstbewusst handelt, statt still vor sich hinzuleiden. Die Geschichte kindlicher Ängste vor einer dominanten Vaterfigur erscheint hier gegen den Strich gebürstet. Kinder, die unter der verbalen Aggression ihrer Eltern leiden, erhalten hier so etwas wie eine Art Handlungsanweisung: Geht unerschrocken euren eigenen Weg, dann wird alles gut! Es reiht sich damit aufs Schönste in die inzwischen beliebten Mutmachbücher ein - und das gewiss mit Recht!

Didaktische Hinweise

Im Unterricht der 1. Jahrgansstufe lässt man die Geschichte zunächst über die aussagekräftigen Bilder erschließen, so dass die Kinder eine dem Original nahe Parallelgeschichte entwickeln. Der anschließende Vortrag des Originaltextes durch die Lehrkraft dient der vergleichenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Produkt. Das daraus resultierende Unterrichtsgespräch kann daraufhin mit Blick auf das Verhalten Helenes und ihres Vaters ausgeweitet und ins Grundsätzliche gewendet werden, z. B. unter folgenden Fragestellungen: Welches Recht haben Eltern im Umgang mit ihren Kindern? An welche Regeln des Zusammenlebens müssen sich alle Mitglieder einer Familie halten? Dadurch kann dem Bilderbuch eine handlungsorientierte „Lehre“ abgewonnen werden, wie dies gewiss auch von den Autoren intendiert ist.

Gattung

  • Bilderbücher

Eignung

für die Schulbibliothek empfohlen

Jahrgangsstufen

1 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783407794079

Umfang

26 Seiten

Medien

  • Buch