Maryam Master; Isabel Abedi (Übersetz.): Wort für Wort
Besprechung
Warum haben ihre Eltern sie ausgerechnet Hero genannt? Ihr Vater als großer Shakespeare- Fan hat allerdings darauf bestanden, sie nach einer der Figuren aus dem Stück Viel Lärm um nichts zu benennen. Sie fühlt sich so gar nicht als Heldin, denn ihr Alltag in einer australischen Stadt bietet kaum Gelegenheiten, heldenhaft zu sein. Gemeinsam mit ihrer temperamentvollen Freundin Jaz meistert sie die Tücken des Teenagerdaseins mehr recht als schlecht. Bis eines Tages Aria an ihre Schule kommt. Nach der Flucht mit seiner Familie aus dem Iran war er zunächst in Pakistan und ist nun in Australien. Er spricht nie, ist aber dennoch sehr nett und freundet sich mit Hero und ihrer besten Freundin Jaz an. Obwohl sie gerne wissen würden, warum Aria nicht spricht, bedrängen sie ihn nicht und versuchen, ihn vor dem Mobbing von Rufus, genannt Brutalus, zu beschützen. Da dies nicht immer gelingt, verzweifelt Hero, sollte sie doch die Heldenhafte sein. Eines Tages macht ihr Vater sie darauf aufmerksam, dass Aria einen Preis für ein Gedicht erhalten hat. Es entsteht die Idee, dass Aria an einem Poetry-Slam teilnehmen soll, was angesichts seiner Sprachlosigkeit unmöglich erscheint. Doch gemeinsam mit der Unterstützung von Heros Vater gelingt es Jaz und Hero, Aria für diesen Wettbewerb vorzubereiten. Dabei öffnet sich Aria und ihm gelingt es Stück für Stück, seine Sprache wiederzufinden. Am Abend des Auftritts ist Aria aber plötzlich nicht mehr aufzufinden und Hero und Jaz verzweifeln. Doch mit Unterstützung von Heros Familie schaffen sie es, Aria auf die Bühne zu bringen und am Ende weiß Hero, dass man keinen Menschen aus einem brennenden Haus retten muss, um eine Heldin zu sein, sondern man muss einfach nur eine Freundin sein.
Didaktische Hinweise
Dieses von Isabel Abedi übersetzte Buch der in Teheran geborenen und nach Australien geflüchteten Autorin Maryam Master ist witzig und anrührend zugleich und bietet für Jungen und für Mädchen die Möglichkeit, auf altersgemäße Art und Weise mit der Besonderheit von Menschen umzugehen. Dabei gelingt es der Autorin mit ihrer Sprache, die am Puls der jungen Leserschaft ist, neben komischen Situationen auch melancholische Momente zu beschreiben, in denen die drei Hauptfiguren nicht so recht wissen, wie sie mit der Mobbing-Situation und der Sprachlosigkeit von Aria umgehen sollen. Am Ende merken Hero, Aria und Jaz, dass Zufriedenheit mit sich und der Umwelt unabhängig von der Umgebung ist und man sie in sich selbst findet. Diese Erfahrung kann als Denkanstoß im Unterrichtsgespräch dienen: Wie kann man trotz der Tatsache, dass man aufgrund seiner Fluchterfahrung anders als die anderen Kinder ist, herausfinden, wer man ist oder sein kann? Die Art und Weise, wie Hero, Aria und Jaz sich gegenseitig unterstützen, zeigt der Leserschaft, dass Werte wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Vertrauen bei dieser Suche nach sich selbst wichtig sind. Die Aufteilung der Geschichte in übersichtliche und unterschiedlich lange Kapitel kommt den Leserinnen und Lesern entgegen, da die jeweilige Situation einer Hauptfigur durch die andere Hauptfigur gespiegelt wird. Dies wird von der bei Hero und Aria gewählten Ich-Erzählperspektive unterstützt, so dass man nah an den Gefühlen der Figuren ist und einen authentisch geschilderten Zugang zu der aufgezeigten Problematik und den Umgang der Figuren damit erhält. Daher gibt es immer wieder layouttechnisch besonders gekennzeichnete Einschübe von Gedankenfetzen oder Erklärungen von Hero, die zeigen, wie unfair beispielsweise Brutalus vorgeht oder wie unglaublich Arias Leistung ist, wieder laut zu sprechen. Das Cover kann ein erster Einstieg in die Thematik darstellen. Schülerinnen und Schüler können im Unterrichtsgespräch erste Eindrücke und Vermutungen äußern, welche Bedeutung der Titel und das Layout für die Geschichte haben. Vor der Besprechung im Unterricht können die Schülerinnen und Schüler ein Lesetagebuch führen: Hierbei kann man die Lerngruppe in drei Gruppen aufteilen, so dass jede der Gruppen eine der drei Hauptfiguren zugeteilt bekommt. Im weiteren Unterrichtsverlauf kann dieses Lesetagbuch als Grundlage für die Erarbeitung der Eigenschaften der jeweiligen Hauptfiguren dienen. Hierbei kann erneut in Gruppen gearbeitet werden, wobei die Gruppen neu zusammengesetzt werden können und die Schülerinnen und Schüler als jeweilige Experten der entsprechenden Hauptfigur dienen können. Die Ergebnisse können digital oder auf Stellwänden präsentiert werden. Das Ende lädt die Schülerschaft dazu ein, die Geschichte beispielsweise in der Ich-Perspektive weiterzuschreiben, wobei hier auch die Auswahl besteht, sich auf einer der drei Hauptfiguren zu konzentrieren. Recherchen über die Geschichte des Iran können in Form von Schülervorträgen eingebracht werden, damit der Hintergrund der Flucht von Arias Familie verständlicher wird. Am Ende des Buches findet sich eine Liste über die im Buch verwendeten Begriffe auf Farsi.
Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden die Ziele 3, 10 und 16 (SDGs) angesprochen.
Gattung
- Romane
Eignung
sehr gut als Klassenlektüre geeignetAltersempfehlung
Jgst. 6 bis 8Fächer
FÜZ
- Alltagskompetenz und Lebensökonomie
- Kulturelle Bildung
- Soziales Lernen
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2026ISBN
9783039670178Umfang
230 SeitenMedien
- Buch