Alexander Kielland Krag: Nur ein wenig Angst
Besprechung
Eigentlich handelt es sich beim Titel des Romans um eine Untertreibung, denn der 17-jährige Protagonist Cornelius leidet nicht unter „ein wenig Angst”, sondern an echten Angstattacken. Wie aus heiterem Himmel überkommt ihn ohne erkennbaren Grund dafür wie bei einem Wetterumschwung urplötzlich Übelkeit, extreme innere Unruhe und Schlaflosigkeit. Cornelius spricht dann von „Gewitterwolken in der Brust”, die auch mitten im Unterricht auftreten können. Es dauert, bis Cornelius versteht, dass er sich nicht mehr auf seine Instinkte und seinen Körper verlassen kann, dass das Gehirn ihm einen Streich spielt und er von einem „verräterischen Kopf” gelenkt wird. Er weiß, dass es eigentlich keinen rationalen Grund für die Angst gibt. Da er aber nicht weiß, wie er mit seiner Angst umgehen soll, vermittelt ihm sein Vater den Kontakt zu einem Arzt, der ihm Antidepressiva verschreibt. Ernüchtert stellt er fest, dass er zu gesund ist, um echte Hilfe zu bekommen, und zu krank, um keine Hilfe zu brauchen. Sein Vater kümmert sich also um eine private Therapie bei einer Psychologin. Diese gibt ihm in einer der Therapiesitzungen die Hausaufgabe auf, sich seinen Freunden zu offenbaren. Oliver, Aksel und Lea gehören zu seinem engen Freundeskreis und beobachten, dass etwas mit Cornelius nicht stimmt. Während Lea es ihm durch ihre einfühlsame Art einfach macht, über die eigenen Angst zu sprechen, fällt es ihm mit seinen Freunden schwerer. Aksel bringt ihn, ohne es zu wissen, in eine besonders schwierige Lage, da er alle zu einem Aufenthalt in der Hütte der Familie einlädt. Für Cornelius ist diese Vorstellung ein Alptraum, aber die Psychologin erklärt ihm, dass der einzige Weg mittendurch führt. Tatsächlich gelingt es ihm, sich seinen Freunden zu erklären. Am Ende steht ein Cornelius, der sich wieder mehr in der eigenen Haut erkennen kann als der Junge, der früher einmal war: mutig und sicherer.
Didaktische Hinweise
Die Erzählung greift ein Thema auf, dass immer häufiger in den Klassenzimmern präsent ist. Die Hauptfigur Cornelius ist ein sportlicher, sozial integrierter Jugendlicher. Gerade dadurch wird deutlich, dass psychische Erkrankungen jeden und jede treffen können. Viele Jugendliche können sich außerdem mit Leistungsdruck, Unsicherheit oder sozialer Angst identifizieren. Die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises hebt hervor, dass insbesondere stereotype Vorstellungen von „männlicher Stärke” vorsichtig aufgebrochen werden. Im Roman wird genau beschrieben, wie eine Angstattacke bei Cornelius abläuft, was zu einer Enttabuisierung von Angststörungen beiträgt. Betroffene Schülerinnen und Schüler können sich in dem Protagonisten leicht wiederfinden und an seinem Weg ablesen, wie man einen Ausweg aus der Angstfalle finden kann. Hilfreich kann dabei auch die Analyse der Sprachbilder sein, die Cornelius verwendet, um seine schwierige Situation in Worte zu fassen. Es wird auch deutlich, welche Akteure dabei Hilfestellungen geben können: Familie, Ärzte, Freunde, Psychologen. Auch für nicht direkt betroffene Schülerinnen und Schüler ist diese Erzählung wichtig, da für das Wichtige sensibilisiert und aufgezeigt wird, wie sich die Peers verhalten, welches Verhalten günstig und welches nicht hilfreich ist. Hier steht die Förderung von Empathie und Perspektivübernahme im Vordergrund. Am Ende des Buches findet sich eine explizite Triggerwarnung für mentale Gesundheit, Angststörung, Panik- und Angstattacken. Außerdem werden auch Notfallnummern für anonyme und kostenlose Hilfe angegeben.
Gattung
- Romane
Eignung
themenspezifisch geeignetAltersempfehlung
Jgst. 9 bis 11Fächer
- Deutsch
FÜZ
- Gesundheitsförderung
- Alltagskompetenz und Lebensökonomie
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2023ISBN
9783038800835Umfang
216 SeitenMedien
- Buch
- E-Book