mobile Navigation Icon

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

Besprechung

In dem Roman „Löwen wecken“ der israelischen Autorin Ayelet Gundar-Goshen geht es um moralische Fragen: Es geht um die Frage, ob man sein Leben einfach weiterleben kann, wenn man ein Menschenleben auf dem Gewissen hat, und darum, ob die Schuld weniger schwer wiegt, wenn es sich bei dem Getöteten um einen illegalen Einwanderer gehandelt hat. Mit diesen Fragen sieht sich der Neurochirurg Etan Grien konfrontiert, nachdem er eines Nachts nach einem anstrengenden Kliniktag in der Wüste nahe Beer Scheva aus Versehen einen illegalen Einwanderer aus Eritrea überfährt und anschließend Fahrerflucht begeht. Bevor sich Etan jedoch aus der Verantwortung ziehen kann, bekommt er Besuch von Sirkit, der Frau des Verstorbenen. Diese steht am Tag nach dem Unfall mit Etans Brieftasche, die er am Unfallort verloren hat, vor seiner Haustür. Der Fund dient Sirkit als Druckmittel, Etan zu erpressen. Sie zwingt ihn, in einer verlassenen Autowerkstatt illegale Einwanderer medizinisch zu versorgen. Da Etan befürchtet, dass er alles verlieren könnte, was er liebt, seine Ehefrau, die beiden Söhne Jahali und Itamar und auch seinen Ruf, lässt er sich auf Sirkits Erpressung ein. Hinzu kommt, dass seine Frau Liat als ortsansässige Kriminalkommissarin beginnt, in dem Fall zu ermitteln. So kommt es, dass Etan Nacht für Nacht seine Schuld abarbeitet. Der Preis ist hoch und Etan stößt immer wieder an seine Grenzen. Er sieht seine Familie kaum noch und er muss sich immer wieder neue Ausreden einfallen lassen. In der Klinik, in der er arbeitet, fällt auf, dass er sich immer häufiger krank meldet. Außerdem sieht er sich gezwungen, von dort Medikamente für die nächtliche Behandlung der unzähligen Einwanderer zu entwenden. Etan, der ursprüngliche Täter, wird im Verlauf des Romanes immer mehr zum Opfer von Sirkits gnadenloser Ausbeutung, wohingegen Sirkit zur Täterin wird, die, wie sich später herausstellen wird, den Tod ihres Mannes, der sie brutal geschlagen hat, gar nicht so sehr bedauert. Hinzu kommt, dass sich zwischen Etan und der Afrikanerin eine für den Leser nahezu unerträgliche Spannung aufbaut, die von gegenseitiger Faszination und gleichzeitiger Abstoßung geprägt ist. Der Romane, der von Ruth Achlama aus dem Hebräischen übersetzt worden ist, ist eine spannende Gradwanderung zwischen Gut und Böse, zwischen Moral, Schuld und Wiedergutmachung, die nicht zwangsläufig auf die israelische Flüchtlingspolitik beschränkt bleibt.

Didaktische Hinweise

Auch wenn sich der Romane weniger als Ganzschrift für den Unterricht anbietet, handelt es sich bei „Löwen wecken“ um ein fesselndes, gut geschriebenes Buch, das jedem zur Lektüre empfohlen sei. Einzelne Textpassagen lassen sich aufgrund der moralischen Fragen, die im Romane thematisiert werden, gut in den Ethik- und Sozialkundeunterricht der Oberstufe einbinden, da sich ein Bezug zur aktuellen Flüchtlingsthematik herstellen lässt. Ein Interview mit der Autorin findet sich im Tagesanzeiger. Über die Flüchtlingspolitik in Israel informieren die Süddeutsche Zeitung und BR 2.

Gattung

  • Romane

Eignung

in Auszügen geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Philosophie
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

Erscheinungsjahr

2015

ISBN

9783036957142

Umfang

424 Seiten

Medien

  • Buch