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Friedrich Ani: Die unterirdische Sonne

Besprechung

Der zwölfjährige Leon, der sechzehnjährige Conrad, die vierzehnjährige Sophia, die dreizehnjährige Maren und der elfjährige Eike werden in einem Keller gefangen gehalten. Immer wieder wird eines der Kinder nach oben geholt. In den Zimmern über den Kindern leben Erwachsene. Was sie mit den Kindern tun, darüber dürfen ihre Opfer im Keller nichts erzählen. Auch der Leser erfährt nichts Konkretes, nur von Fotos und Filmen ist die Rede und von kaum erträglichen Schmerzen. Die Bilder zu diesen Andeutungen entwickelt man im Kopf. Eines Tages kommt ein sechster Junge hinzu, er sieht sehr jung aus, ist aber bereits achtzehn, sein Bein ist verkrüppelt. Er hinkt. Im Unterschied zu den anderen hat er all das, was sie nun durchleiden, bereits erlebt, und deshalb den, der ihn misshandelte, seinen eigenen Vater, umgebracht. Noah kennt nur eine Regel, dass man unbedingt überleben und Rache nehmen muss. Das gelingt ihm nicht, er wird getötet. Die übrigen fünf leben weiter. Das einzige, was ihnen hilft, sind die Märchen, die sie sich erzählen. Märchen über sich selbst, über ihr Leben, ihre Hoffnungen und ihre Träume. Aber auch die Phantasie heilt die Verletzungen nicht. Dieser Romane kann kein tröstliches Ende haben. Zwar gelingt es den Jungen und Mädchen sich zu befreien, aber nur um den Preis, dass sie selbst Gewalt anwenden und ihre Peiniger töten. Ein Leben bei ihren Familien kommt für sie nicht mehr in Frage.

Didaktische Hinweise

Friedrich Ani erzählt ausschließlich aus der Sicht der Jugendlichen. Er schildert ihre Schmerzen, ihre Verzweiflung und ihre Todesangst. Ganz nah ist der Leser bei den Kindern, bei ihren Albträumen und ihrer Erschöpfung, begreift ihre Einsamkeit und das bisschen Hoffnung, das sie trotz allem noch haben, und spürt, wie sich ihr Verstand vor Schmerz und Demütigung verwirrt, wie sie sich verhärten und zu Menschen werden, die nie wieder in ihr früheres Leben zurückkehren können. Der Romane ist zutiefst beeindruckend, aber man hält die Geschichte kaum aus, eben weil sie so gut geschrieben ist. Berichte über Misshandlungen und Gewalt gegen Kinder findet man immer wieder in den Zeitungen. Friedrich Ani dagegen zeigt das Leid der Opfer. Eine Behandlung im Unterricht bedarf sicher der sorgfältigsten Vorbereitung und Begleitung. Aber sicherlich wird diese Lektüre zu sehr intensiven Diskussionen führen. Der Romane ist als E-Book und als preiswertes Taschenbuch (9,99 €) erhältlich. Der Verlag hält auf seiner Website Informationen zum Autor und zum Romane sowie eine Leseprobe bereit.

Gattung

  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Familien- und Sexualerziehung
  • Psychologie
  • Zusätzliche Fächer (Fachunterricht)

Erscheinungsjahr

2014

ISBN

9783570162613

Umfang

336 Seiten

Medien

  • Buch