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Iwona Chmielewska: Blumkas Tagebuch

Besprechung

Janusz Korczak ist oft schon Grundschülerinnen und -Schülern ein Begriff – das war der Arzt und Waisenhausleiter aus Warschau, der zusammen mit seinen Kindern in den Tod gegangen ist. In Polen ist er noch heute einer der bekanntesten Juden und in Deutschland sind sowohl seine humanistische Pädagogik („Wie man ein Kind lieben soll“ von 1919 oder „Das Recht des Kindes auf Achtung“ von 1928) wie auch seine literarischen Zeugnisse („König Hänschen“) ein Begriff. Wer aber waren „seine Kinder“ aus dem „Dom Sierot“, dem Waisenhaus im Warschauer Ghetto? Die polnische Autorin und Illustratorin Iwona Chmielewska lenkt den Blick auf sie. So werden aus einer vagen Masse von jüdischen Opfern zwölf Kinder und damit Individuen mit je besonderen Eigenheiten, Schwächen, Auffälligkeiten, Fähigkeiten und mit einem je eigenen Gesicht. Das Bilderbuch sticht sowohl durch einen anspruchsvollen Text wie auch durch ästhetisch überzeugende Illustrationen hervor, wobei sich beides wunderbar ergänzt: Unausgesprochene Gedanken tauchen in Bildern auf, der Text verweist über diese Bilder wieder hinaus. Grundmotiv aller Bilder ist „das Tagebuch“, repräsentiert durch altertümlich vergilbte, linierte Blätter, die aber unterschiedlich eingesetzt werden – mal als Kleider auf der Wäscheleine, mal als XXX. Der historische Hintergrund wird nur angedeutet, weder das Konzentrationslager noch das Ghetto erscheinen direkt, stattdessen aber werden Korczaks „Regeln des Lebens“ (1930) in Kurzfassung dargestellt, sein Einsatz für die Rechte der Kinder. Das Ganze wirkt an keiner Stelle dozierend oder aufgesetzt, sondern bleibt überzeugend konkret: „Unser Doktor“ ist ein kleiner Mann, der gerade dabei ist, die Wäsche aufzuhängen.

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012, Kategorie Bilderbuch. Aus dem Polnischen übersetzt von Adam Jaromir.

Didaktische Hinweise

Schon Grundschülerinnen und -Schüler beschäftigen sich mit Korczak, besonders ansprechend ist, dass an seinem Beispiel zwar Andeutungen auf die Leiden der Shoah gemacht werden können, ohne gleich Grausamkeiten auszubreiten. Das macht auch dieses Bilderbuch für den Unterricht ab der dritten Klasse bis in die Oberstufe hinein einsetzbar. Emotional berührende Botschaften werden hier so dargestellt, dass sie tiefe Wahrheiten über den Umgang mit Kindern, über Kinderrechte und den Wunsch jeder oder jedes Einzelnen vermitteln, von seiner Umgebung für das geliebt zu werden, was sie oder ihn im Innersten ausmacht.

Gattung

  • Bilderbücher

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

4 bis 13

Fächer

  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Geschichte
  • Zusätzliche Fächer (Fachunterricht)

Erscheinungsjahr

2011

ISBN

9783981130065

Umfang

64 Seiten

Medien

  • Buch