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Lisa-Marie Dickreiter: Vom Atmen unter Wasser

Besprechung

Am ersten Jahrestag der Ermordung ihrer sechzehnjährigen Tochter Sarah unternimmt Anne einen Selbstmordversuch. Ihr Mann, ein engagierter Sozialarbeiter, fürchtet um sie und nötigt Sarahs Bruder Simon, wieder daheim einzuziehen. Er soll ihm bei der Überwachung Annes helfen. Simon aber fühlt sich ohnehin als ungeliebtes Kind, und seine Mutter macht es mit ihrem hartnäckigen Festhalten an der Trauer niemandem leicht. Zudem muss sich Simon mit den eigenen negativen Gefühlen der erfolgreichen und hübschen Schwester gegenüber herumschlagen. Als auch noch klar wird, dass der Vater die Mutter betrügt, bricht das ganze Konstrukt zusammen. Erst jetzt zeichnen sich für die Mutter eine Bewältigungschance und für Simon eine Perspektive in die Freiheit ab.Karg, fast drehbuchartig (tatsächlich gab es das Drehbuch zu dem gleichnamigen Film, der leider im Handel nicht erhältlich ist, bereits vor der Buchfassung), oft in Dialogen wird das Geschehen geschildert. An die Leser*innen werden insofern Ansprüche gestellt, als vieles sich erst im Nachhinein fügt und sie die Zusammenhänge selbst konstruieren müssen. Das unfassbar schlimme Geschehen ist dabei in eine Normalität eingebettet, die viele Jugendliche kennen: Streit der Eltern, Hass und Rivalität unter Geschwistern. Quälende Fragen zu Schuld, Schicksal und Zufall werden gestellt und mit viel Einfühlungsvermögen und Verständnis behandelt.

Didaktische Hinweise

Das Buch ist als Leseangebot und als Lektüre warm zu empfehlen. Evtl. besteht durch Zusammenarbeit mit einem Kino die Möglichkeit, den 2007 unter der Regie von Winfried Oelsner gedrehten Film in die Besprechung einzubeziehen. Als Anregungen zu einer Besprechung als Lektüre seien folgende Themen vorgeschlagen: Interpretation:- Tragik und Schuld der Mutter- Der Vater – ein rücksichtsloser Egoist?- Sarah: tragisches Opfer, aber dennoch problematischer Charakter- Simon im Spannungsfeld von Vater, Mutter, Sarah und Elena Sprache:- Analyse von Erzählperspektive und Stil- Deutung des Titels- Deutung des Eingangszitats Transfer:- Vergleich mit thematisch ähnlichen Texten (z. B. Stewart O'Nan: Alle, alle lieben dich)- Informationen über familiäre Probleme nach dem Tod eines Kindes (z. B. häufiges Scheitern der Ehen, Schuldgefühle)

Gattung

  • Romane

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 10 bis 11

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Soziales Lernen
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2010

ISBN

9783827009456

Umfang

271 Seiten

Medien

  • Buch