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Neal und Jarrod Shusterman: Dry

Besprechung

Alyssa steht an einem heißen Junitag auf und dreht den Wasserhahn auf. Es passiert nichts. Es kommt kein Tropfen Wasser. Nicht nur im Moment, sondern auch Stunden und Tage später fehlt das Wasser. Nicht nur bei ihr, sondern auch bei ihren Nachbarn und in ganz Orange-County wird der Wasserzufluss gesperrt. Die Nachrichten rufen zunächst die Bevölkerung zur Geduld und später den Ausnahmezustand in Kalifornien aus. In den Medien nennen sie die Wasserkrise „Tap out“ oder sprechen von „Nachflusskrise“, statt „Dürre“, „Klimawandel“ statt „globaler Erwärmung“ und „Konflikt“ statt „Krieg“ weil die erstgenannten Begriffe in der Öffentlichkeit längst überstrapaziert sind. Schon lange deutet Vieles auf die Eskalation und Klimakatastrophe hin. Bis die Schleusentore der Dämme des Colorado River tatsächlich geschlossen werden. Die Bundesstaaten Arizona und Nevada seien endgültig aus dem Stausee-Hilfsprogramm, weil diese das Wasser für sich bräuchten, begründet Alyssas Mom die Lage.

Nach wenigen Tagen sind die Wasser- und selbst die Eisvorräte in den Supermärkten und an den Tankstellen ausverkauft. Als diese verbraucht sind, beginnt der Kampf um die verbleibenden Wasserreste. Auch Alyssas Eltern müssen losziehen um Wasser zu suchen und kommen nicht zurück. Alyssa und ihr Bruder Garrett sind fortan auf sich selbst gestellt. Kelton, der Junge aus der Nachbarfamilie hilft den beiden zunächst mit einfachen Kniffen. Seine Eltern hatten die Katastrophe vorhergesehen und längst sich und ihre Söhne fanatisch für den Extremfall vorbereitet. Doch auch deren beste Vorbereitungen werden dramatisch Grenzen gesetzt und ihre Überlebenspläne gehen nicht auf.  So erleben Alyssa, Garrett und Kelton, zusammen mit anderen Jugendlichen auf ihrer Flucht mit, wie Mitmenschen im Kampf um das eigene Überleben zu Wilden werden, rücksichtslos, roh, brutal und zu jeder Gewalttat bereit.

Neal Shusterman ist ein erfahrener Jugendbuchautor, dessen bisher erschienene Romanreihe „Vollendet“ bereits ein internationaler  Bestseller ist und schon vielfach ausgezeichnet wurde. In „Dry“ zeigen Neal Shusterman und sein Sohn Jarrod als Coautor erschreckend realistisch, wie schnell Menschen in Extremsituationen sämtliche Regeln der Mitmenschlichkeit verwerfen, wenn es um das eigene Überleben geht. Dabei gelingt es den Autoren, die Zuspitzung der Bedrohung in der Ausnahmesituation, die Trockenheit, den Durst und die Aggression sprachlich fast physisch spürbar zu machen.

Didaktische Hinweise

In vielfacher Hinsicht bietet sich „Dry“ als Klassenlektüre ab der 8. Jahrgangsstufe an – nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, die bei Fridays for Future für das Klima demonstrieren. Bereits die Widmung des Autors spricht dafür deutliche Worte: „Dieses Buch ist all jenen gewidmet, die sich anstrengen, die katastrophalen Folgen des Klimawandels rückgängig zu machen“.

Zentrale ist die Frage, wie ein wertschätzender und nachhaltiger Umgang mit Wasser aussehen kann. Gezielte Teilfragen nach dem persönlichen, täglichen Wasserverbrauch, den Möglichkeiten, Wasser einzusparen im Haushalt und in der Schule, könnten dazu gestellt werden.

Weitere Ansatzpunkte sind: Zu welchem Fehlverhalten führt Panik? Ist dieses entschuldbar? Führen Krisensituationen zwangsläufig zu erhöhter Gewaltbereitschaft? Ist Egoismus als Überlebensstrategie richtig? Wer versucht, mit kriminellen Mitteln aus der Krise mit kriminellen Mitteln Gewinn zu ziehen? Wie wird mit den Tieren bei Wassermangel umgegangen? All diese Fragen könnten diskutiert werden.

Als Übung zum selbstständigen Lernen durch Recherche bieten sich Themen wie die geografische Lage Kaliforniens, der Wasserkreislauf, Brauch- und Abwasserverlauf, Flussverläufe bzw. Wassernetze und Grundwasserversorgung, sowie das aktuelle, globale Süßwasservorkommen und Wassermangel an.

Abschließend könnte auch der Umgang der Medien mit der Wasserkrise im Zusammenhang mit Fake News in den zwischengeschalteten „Snapshots“ des Buches analysiert werden.

Ein sehr spannender, aktueller, aufrüttelnder Roman, der den Leser aufgeschreckt und nachdenklich zurücklässt. Besonders empfehlenswert als Klassenlektüre ab 14 Jahre, für Vielleser, auch für Jungs und für Erwachsene. „Dry“ in keiner Schülerbibliothek fehlen!

Gattung

  • All Age
  • Romane
  • (Kinder-) Kriminalliteratur, Thriller (Horror, Gruselliteratur)

Eignung

sehr gut als Klassenlektüre geeignet

Jahrgangsstufen

8 bis 10

Fächer

  • Deutsch

FÜZ

  • Alltagskompetenz und Lebensökonomie
  • Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
  • Ökonomische Verbraucherbildung

Erscheinungsjahr

2019

ISBN

9783737356381

Umfang

448 Seiten

Medien

  • Buch